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Wahlkampf, Air Berlin, Euro-Kurs Das haben Sie in den Sommerferien verpasst

Zurück aus dem Urlaub? Wir haben wichtige Meldungen der letzten Wochen für Sie zusammengefasst. Der Euro ist so stark wie zuletzt 2015, eine der größten Airlines geht pleite – und der Bundestagswahlkampf langweilt.

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Das Handelsblatt hat die wichtigsten Nachrichten der vergangenen Wochen für Sie zusammengefasst. Quelle: Getty Images

Düsseldorf In Nordrhein-Westfalen beginnt die Schule, die Hochzeit der deutschen Sommerpause ist damit beendet. Hier kommt der Handelsblatt-Crashkurs für alle, die in den Ferien nicht ganz so eng die Nachrichten verfolgt haben.

Bundestagswahlkampf

Wenn Sie sich wundern, dass Sie im Urlaub gar nichts vom Bundestagswahlkampf mitbekommen haben, hat das einen einfachen Grund: Es ist der langweiligste „Wahlkampf“ aller Zeiten – er verdient, ehrlich gesagt, noch nicht einmal seinen Namen. Inhaltsarme Slogans wie „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“ oder „Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt“ könnte sich eigentlich jede Partei aufs Plakat schreiben. So fallend wie die Spannungskurve des Bundestagswahlkampfes ist in etwa auch der Verlauf des deutschen Leitindexes: Innerhalb von vier Wochen ist der Dax um fast zwei Prozentpunkte abgerutscht.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf der Gamescom oder über Youtube versucht, die jungen Wähler für die CDU zu begeistern – und es weitgehend vermeidet, den Namen ihres Konkurrenten auch nur in den Mund zu nehmen –, nutzt Martin Schulz (SPD) jede Gelegenheit, mit zum großen Teil unkonkreten Wahlversprechen für eine „Zeit für mehr Gerechtigkeit“ zu werben.

Den Nerv der Bürger verfehlt er bei Weitem, wie Umfragen belegen: Dem Politbarometer zufolge sieht vier Wochen vor der Wahl nur jeder dritte Wahlberechtigte Schulz gerne als Kanzler. Die Zustimmungswerte von Merkel liegen bei 55 Prozent. Seine Umfragewerte scheinen den Herausforderer offenbar wachgerüttelt zu haben. Im ARD-Sommerinterview änderte der SPD-Mann plötzlich seine Strategie: Er wirkte aggressiv und wurde persönlich, als er beispielsweise behauptete, Merkel sei „abgehoben“, kusche vor Erdogan und habe in Sachen Elektromobilität „keinen Plan“. Dass dieser Auftritt die Wähler umstimmen konnte, ist mehr als fraglich.

Donald Trump

In Texas hatte Trump die Chance, sein Feingewühl doch noch zu beweisen und sich als entschlossener Macher zu präsentieren. Der US-Präsident machte sich in der Küstenstadt Corpus Christi ein Bild von den Schäden, die der Hurrikan „Harvey“ derzeit anrichtet. Allein in Houston haben Tausende Einwohner bisher ihre Städte verlassen, 290.000 Menschen sind ohne Strom, mindestens neun tot.

Weiterer Höhepunkt nach Trumps skandalösem Umgang mit gewalttätigen Rechtsextremisten: Sein umstrittener Chefstratege Stephen Bannon hat das Weiße Haus verlassen. Er galt als rechter Vordenker und Vertrauter des US-Präsidenten, ist aber seit einiger Zeit in den Verdacht geraten, vertrauliche Inhalte der US-Regierung an Medien weitergegeben zu haben. Wenige Tage später trennte sich Trump von seinem Berater Sebastian Gorka.

Doch der Verlust Bannons und Gorkas dürfte schon bald wieder vergessen sein: Denn sie sind nur zwei von vielen Beratern und Vertrauten, die Trump seit Beginn seiner Amtszeit vor die Tür gesetzt hat. Angezweifelt hat deshalb auch niemand Medienberichte, wonach Gary Cohn, wichtigster Wirtschaftsberater Trumps, ebenfalls das Weite sucht. Doch wie sich später herausstellte: „Fake News“ im Trump-Jargon. Cohns Treue will der Präsident offenbar bald belohnen: Es verdichten sich Hinweise darauf, dass der ehemalige Goldman-Sachs-Spitzenmanager im Februar 2018 Janet Yellen an der Fed-Spitze ablösen könnte.


Streit in der Luftfahrtbranche

Air Berlin

Sie schien unabwendbar und hatte sich lange vorher angekündigt: die Pleite von Air Berlin. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg ordnete Mitte August für die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft die Insolvenz in Eigenverwaltung an. Der Flugbetrieb läuft aufgrund staatlicher Hilfe in Millionenhöhe zwar vorerst normal weiter, Verhandlungen über die Zerschlagung der Airline entfachten allerdings einen Streit in der Luftfahrtbranche: Die Lufthansa will den Großteil der Flugzeuge kaufen. Auch Easyjet, Ryanair, Condor sowie die Luftfahrt-Unternehmer Hans-Rudolf Wöhrl und Niki Lauda sind interessiert an der Airline, befürchten aber, dass die Lufthansa beim Verkaufsprozess bevorzugt wird und ein Monopol bilden könnte. Eine Entscheidung über den Verkauf könnte bereits Mitte September fallen.

Diesel-Krise

Immerhin einen Kompromiss gibt es in der Automobilbranche: Beim Dieselgipfel verständigten sich Politiker und Autokonzerne darauf, dass es im Skandal um manipulierte Dieselfahrzeuge bei einer günstigen Softwareoptimierung bleiben wird, von einer teuren Hardwareumrüstung werden Volkswagen, Daimler und Co. verschont. Anfang November soll ein zweiter Dieselgipfel folgen.

Bei Audi zahlt hauptsächlich der Vorstand den Preis für den Skandal. Den Chefs für die Ressorts Finanzen, Vertrieb, Produktion und Personal werden interne Fehlplanungen, nicht eingehaltene Zusagen und der weltweite Rückgang der Absätze vorgeworfen – und wurden schließlich Ende August vor die Tür gesetzt. Der umstrittene Audi-Chef Rupert Stadler bleibt vorerst im Amt.

Türkei-Politik

Innerhalb von Europa spitzt sich ein Streit immer mehr zu – und zwar der zwischen Deutschland und der Türkei. Auf Betreiben der türkischen Regierung nahmen Polizisten den Kölner Buchautor Dogan Akhanli während seines Spanienurlaubs fest. Der Vorwurf: Mitgliedschaft in einer Terrororganisation. Erst auf Betreiben der deutschen Regierung wurde der Schriftsteller freigelassen, muss sich aber in Spanien aufhalten. Erst Anfang August hatte Gabriel die Reisehinweise in die Türkei verschärft – gut möglich, dass die Festnahme des deutschen Autors als eine Provokation seitens des türkischen Präsidenten Erdogan zu bewerten ist. Umso erstaunlicher ist es, dass der deutsche Vizekanzler an Verhandlungen zum EU-Beitritt des Landes festhält.

Terror in Europa

Spanien wurde in diesen Tagen auch Schauplatz eines schrecklichen Attentats. Mitte August raste ein Lieferwagen über eine Promenade in Barcelona und tötete dort mehrere Menschen. Wenige Stunden später kam eine Frau in der Kleinstadt Camrbils bei einem Anschlag ums Leben. Fünf mutmaßliche Terroristen wurden noch vor Ort getötet. Gegen zwei mutmaßliche Islamisten erließen die spanischen Ermittler Haftbefehl. Nur wenige Tage später gingen in London, Brüssel und im finnischen Tuku Männer auf offener Straße auf andere Menschen mit Messern los. Anti-Terror-Einheiten ermitteln nun.


Starker Euro als Bewährungsprobe für Draghi

Geldpolitik

Beim Notenbanker-Treffen in Jackson Hole hatte Janet Yellen durchaus positive Nachrichten für das us-amerikanische Volk im Gepäck. Aufgrund der guten Wirtschaftslage in den USA äußerte sich die Fed-Chefin positiv zu möglichen Zinserhöhungen – die bereits im September folgen könnten. Analysten hatten bisher frühestens im Dezember mit diesem Schritt gerechnet.

Auf dieses Signal und auf ein Ende der EZB-Anleihekaufprogramme hofften europäische Sparer vergebens. Mario Draghi sprach sich in den Rocky Mountains für offene Weltmärkte aus. Zur Geldpolitik hielt sich der EZB-Präsident bedeckt.

Euro-Wechselkurs

Und das aus gutem Grund: Zwar wächst die Wirtschaft im Euro-Raum seit der Finanzkrise wieder kräftig. Seit Jahresbeginn legt der Euro permanent zu und notiert mittlerweile über der Marke von 1,20 US-Dollar – so hoch wie zuletzt 2015. Das Problem dabei: Eine starke Gemeinschaftswährung macht Waren hiesiger Firmen auf dem Weltmarkt teurer und verschlechtert dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig macht der gestiegene Euro Importe billiger – und drückt so die Inflation. Trotz ultralockerer Geldpolitik und guter Wirtschaftslage verfehlte Draghi im Juli mit einer Inflation von 1,3 Prozent dennoch sein Ziel einer Verbraucherpreissteigerung von zwei Prozent. Ein Kurswechsel rückt damit in weite Ferne.

Auftrieb beschert dem Euro dieser Tage vor allem das provokante Verhalten der nordkoreanischen Regierung. Trotz Sanktionen und militärischer Drohgebärden seitens anderer Nationen feuerte Machthaber Kim Jong Un in den vergangenen Tagen mehrmals Testraketen ab. Nordkorea steht laut Experten kurz vor, die USA ernsthaft mit Atomraketen bedrohen zu können. Unbeantwortet bleibt bislang die Frage, was die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten konkret im Konflikt mit Nordkorea unternehmen werden.

Geschacher um Stada

Beim Pharmakonzern Stada steht ebenso wie bei Audi ein personeller Neuanfang bevor. Nachdem die Mehrheit der Aktionäre ihre Anteile am Unternehmen an die Finanzinvestoren Bain und Cinven verkauft hatten, geben fünf von neun Stada-Aufsichtsratsmitgliedern bis Ende September ihre Posten auf. Darunter: Aufsichtsratschef Carl Ferdinand Oetker und Opel-Vorstand Tina Müller.

Das dürfte die Investoren freuen: Den Aufsichtsrat wollen sie ohnehin neu aufstellen, auch der Vorstand soll bald ausgewechselt werden. Bedeutende Schritte bei dem Vorhaben, Stada komplett zu übernehmen.

Fipronil-Skandal

Auch die Lebensmittelbranche blieb mal wieder nicht vor Skandalen gefeit: Nach Dioxin-Skandal, Ehec-Erreger und Pferdefleisch-Lasagne wiesen belgische Behörden Anfang August in Eiern – die nahezu in allen deutschen Bundesländern im Handel waren – das Insektizid Fipronil nach. Supermärkte riefen die Eier umgehend zurück.

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