WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Wahlkampf McAllister siegt im TV-Duell in Niedersachsen

Der CDU-Ministerpräsident ist im Rede-Zweikampf souveräner und kampfeslustiger als sein farbloser Herausforderer von der SPD. Die Sozialdemokraten drohen ihren Vorsprung bei der Landtagswahl zu verspielen.

Der Ministerpräsident von Niedersachsen, David McAllister (CDU, r.), hat gut lachen. Er gewann das TV-Duell gegen SPD-Herausforderer Stephan Weil und kann nun wieder hoffen, bei der Landtagswahl am 20. Januar im Amt bestätigt zu werden. Quelle: dapd

Der Wind in Norddeutschland hat sich gedreht: Die SPD, die monatelang mit einem Regierungswechsel in Niedersachsen rechnen konnte, droht auf den letzten Metern noch abgefangen zu werden. Rot-Grün liegt laut neuesten Umfragen nur noch ein Prozentpunkt vor der schwarz-gelben Regierung. Das TV-Duell am Donnerstag könnte die CDU weiter nach vorne spülen. Ministerpräsident David McAllister war souveräner, redegewandter – und obwohl Regierungschef und nicht Herausforderer auch kampfeslustiger als SPD-Mann Stephan Weil.

McAllister sprach den Herausforderer direkt zu Beginn an, forderte ihn auf, sich von der Linkspartei zu distanzieren. Dass eine Zusammenarbeit mit den Linken für die SPD gar nicht zur Debatte steht, da die Gysi-Partei den Sprung in den Landtag wohl verpassen wird, schien ihn nicht weiter zu stören. Weil reagierte mit einem gequälten Lächeln, der erste Punkt ging an McAllister.

Die Spitzenkandidaten der Wahl

Der Regierungschef setzte nach, warb für seine Koalition. Die Wirtschaft sei angekurbelt, die Neuverschuldung zurückgefahren worden. Auch die Studienbedingungen hätten sich verbessert.

Stephan Weil – der 54-Jährige Jurist und langjährige Oberbürgermeister von Hannover – widersprach. „Ich bin strikt gegen Studiengebühren. Die Entscheidung, ein Studium anzutreten, darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen“, so der SPD-Kandidat. Er wolle 2014/2015 die Studiengebühren abschaffen. Wie er die fehlenden Einnahmen ausgleichen wolle, konnte er nicht konkret sagen. Weil verwies auf größere Umschichtungen im Haushalt. Überhaupt: Der selbst in Niedersachsen unbekannte Herausforderer verpasste es, ein klares Profil zu zeigen. Er war zu wenig konkret, nicht einmal wirklich plakativ. Ein Zitat von ihm aus 60 Minuten TV-Duell bleibt nicht hängen.

Anders David McAllister. Beim Thema Bildung – eines der wenigen Politikfelder, auf dem die Niedersachsen Vorteile bei der SPD sehen – griff er erneut Weil an und lieferte das Statement des Abends: „Ich warne Sie: Finger weg von den Gymnasien. Sonst bekommen Sie Ärger mit den Schülern und mit mir!“, so der Ministerpräsident.

Keine Frage: McAllister verspürt Aufwind. Nicht nur, dass er bei den Wählern deutlich beliebter ist – bei einer Direktwahl könnte er 49 Prozent der Stimmen bekommen, nur 34 Prozent der Niedersachsen würden sich für den SPD-Kandidaten Stephan Weil entscheiden. Auch die aktuellen Umfragen vor der Wahl spielen dem Amtsinhaber in die Karten. Zehn Tage vor der Wahl liegt die CDU in der Wählergunst mit 40 Prozent der Stimmen deutlich vor der SPD (33 Prozent). Die Grünen kämen demnach auf 13 Prozent – und wichtig: mit fünf Prozent der Stimmen würde auch die FDP den Sprung in den Landtag schaffen.

„Ich bin mir sicher, die CDU gewinnt die Wahl und ich bleibe Ministerpräsident“, so McAllister. Stephan Weil widersprach selbstredend. Die letzte Überzeugung aber fehlte ihm – wie am gesamten Abend.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%