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Wahlkampf Mit Facebook ins Rathaus

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Internetberater Oliver Zeisberger

Dabei gibt es einiges zu lernen, denn in einer guten Stunde erläutert Zeisberger das Einmaleins des Online-Wahlkampfes: Präsenz in sozialen Netzwerken zeigen; bei Videoclips auf Youtube nicht versuchen, Fernsehen zu machen; immer ansprechbar sein; aufpassen, dass man in den jungen Medien nicht gekünstelt wirkt.

Die entscheidende Lektion ist jedoch durchaus überraschend. Denn während Zeisberger sagt, der Kurznachrichtendienst Twitter sei „völlig überschätzt“ und könne getrost vernachlässigt werden, erklärt er ausgerechnet eines der ältesten Kommunikationsmittel im Internet auch zum wichtigsten: „Die E-Mail sollte der Dreh- und Angelpunkt des Wahlkampfes sein“, sagt Zeisberger, „die ist sogar wichtiger als die Website des Kandidaten.“

E-Mails waren Obamas Erfolgsgeheimnis im Internet

Mit keinem anderen Kanal kann man seine Unterstützer gezielter und direkter informieren,  zur Teilnahme an bestimmten Aktionen oder zum Spenden aufrufen. Das war auch bei Obama entscheidend. „Trotz all des Geredes von sozialen Netzwerken, war das Rückgrat unseres Erfolges eine E-Mailbeziehung mit 14 Millionen Leuten“, sagt Thomas Gensemer, als Partner der Agentur Blue State Digital einer der Strippenzieher von Obamas Netz-Wahlkampf.  

Obamas Leute verpassten keine Gelegenheit, Mail-Adressen von Anhängern zu sammeln. Selbst bei seinem Auftritt an der Berliner Siegessäule liefen Mitarbeiter mit langen Listen herum, wer sich dort einschrieb, hatte bereits wenige Stunden später die erste Mail von Obama im Postfach.

Ganz anders in Deutschland. Manche Ortsverbände haben nicht einmal von einem Drittel ihrer eigenen Mitglieder eine E-Mail-Adresse. „Außerdem haben viele Angst, den Leuten auf den Geist zu gehen“, sagt Zeisberger. Entsprechend zurückhaltend werden die Mails verschickt.

Bei der SPD kommt noch ein besonderes Problem hinzu: Sie müssen unterscheiden, wer in den E-Mailverteilern Parteimitglied ist und wer nur Sympathisant, denn entsprechend muss sich die Ansprache in Spendenaufrufen und anderen Mails unterscheiden. „Wenn man einen Genossen siezt, wird er garantiert nichts spenden“, sagt Zeisberger. 

"Mit den ganzen Plattformen, dass ist mir zu hoch angesetzt“

Nach dem Vortrag des Internet-Beraters stellen Juso Moor und seine Mitstreiter ihre Pläne, Entwürfe und Aktivitäten vor: Einen eigenen Kanal bei Youtube, Profile bei MeinVZ und Facebook, Wahlkampfbilder auf der Fotoplattform Flickr und ein Blog. Zudem haben sie sich die Website monika.de besorgt und planen einen völlig neuen Auftritt für die örtliche SPD-Website.

Noch während Moor sein Ideen-Feuerwerk zündet, verlässt der einzige ältere Genosse den Raum. „Die Sache mit den E-Mails war ja ganz interessant“, sagt Ole Trautmann, „aber mit den ganzen Plattformen, dass ist mir zu hoch angesetzt.“

Internetexperte Zeisberger kommt dagegen aus dem Staunen kaum heraus: „Geil, das habe ich in ganz Nordrhein-Westfalen noch nicht in der Qualität gesehen“. Mit ihrem Ansatz auf lokaler Ebene seien sie in Teilen weiter, als die Landespartei. Vor allem der Entwurf der Parteiseite hat es ihm angetan, denn die Jungs haben ganz intuitiv schon die entscheidenden  Punkte umgesetzt. So werden gezielt verschiedene individuell Zielgruppen angesprochen, von  Familien über Studenten bis hin zu Bergleuten. 

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