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Wahlkampf Parteien streiten um hohe Stromkosten für Verbraucher

Gut 40 Prozent der Privatverbraucher wechseln ihren Energieanbieter nicht. Das ist teuer und Thema im Wahlkampf.

Das sind die Fallen beim Billigstrom
Verbraucher wollen keine StromdiscounterWie das Magazin Spiegel berichtet, haben Verbraucher spätestens seit der Pleite von Flexstrom die Nase voll von Billigstromanbietern. Laut einer Erhebung des Marktforschungsunternehmens YouGov, die der Spiegel zitiert, können sihc nur noch 18 Prozent der Deutschen vorstellen, ihren Strom beim Billiganbieter zu beziehen. 71 Prozent lehnten Billigstrom ab. Quelle: dpa
StrompreisvergleicheGerade mit ihrer Preispolitik verscherzen es sich die Anbieter bei den Kunden. Billig und guter Service passen nämlich in vielen Fällen nicht zusammen. Um am hart umkämpften Strommarkt teilnehmen zu können, müssen die Anbieter wahlweise ein spezielles Nischenprodukt bieten oder eben spottbillig sein. Gerade bei Vergleichsrechnern im Netz zählt letzteres, hier können die Billiganbieter punkten. Allerdings sind viele Stromdiscounter nur im ersten Jahr wirklich günstig - die Lockangebote finden sich dann in den Vergleichsportalen. Die Unternehmen setzen darauf, dass die Kunden zu bequem sind, den Tarif zu wechseln, wenn es dann im zweiten Jahr richtig teuer wird. Verbraucherschützer empfehlen deshalb, nicht nur auf den Preis im Netz zu achten, sondern sich auch das Kleingedruckte auf der Website des vermeintlich günstigsten Anbieters durchzulesen. Quelle: dpa
VorauszahlungenViele Anbieter, wie auch die beiden insolventen Unternehmen Teldafax und Flexstrom, verlangen von ihren Kunden Geld im Voraus. Verbraucherschützer warnen vor solchen Vorkasse-Modellen, gerade, wenn für ein ganzes Jahr im Voraus bezahlt werden soll. Geht das Unternehmen Pleite, ist das Geld weg und der Kunde sieht keine Leistung dafür, sprich: bekommt keinen Strom. Quelle: dpa
BonuszahlungenEin anderer, weit verbreiteter Trick sind Bonuszahlungen, mit denen Kunden geködert werden. Diese Extras für Neukunden gibt es meist nur im ersten Jahr. wer nach zwölf Monaten aus seinem Vertrag aussteigen und den Anbieter wechseln will, muss mitunter gerichtlich um die Auszahlung seiner Boni kämpfen. Auch der Billiganbieter Flexstrom hatte die Auszahlung der Boni immer wieder verweigert. Quelle: dpa
GuthabenAuch wegen der Auszahlung von Guthaben ging es in der Vergangenheit häufig vor Gericht beziehungsweise vor die Schlichtungsstelle für Energie. Wer mehr Geld bezahlt hat, als er an Strom verbraucht hat, müsste das Guthaben unverzüglich ausgezahlt bekommen. Stattdessen nutzen es Billiganbieter gerne, um sich ein kleines Finanzpolster anzulegen, heißt es seitens der Verbraucherzentralen. Statt die Summe zurückzuzahlen, verrechnen einige Anbieter das Guthaben mit den nächsten Abschlagszahlungen: Der Kunde muss also so lange nicht mehr für Strom zahlen, bis sein Guthaben aufgebraucht ist. Quelle: AP
KautionenEine Kaution mag bei der Anmietung einer Immobilie sinnvoll sein, beim Abschluss eines Vertrages mit einem Stromanbieter ist sie es nicht. Viele Billigstromanbieter setzen jedoch auf diese zusätzliche Gebühr. Zwar gibt es sie bei Vertragsende zurück, einen nutzen hat der Kunde davon allerdings nicht. Quelle: dpa
PaketangebotePaketpreise mögen bei Vertragsabschluss verlockend klingen. Sie lohnen sich allerdings nur für Kunden, die ihren Stromverbrauch wirklich sehr genau kennen. Wer weniger Strom verbraucht, als im Paket enthalten, zahlt nämlich trotzdem den vereinbarten Preis, er legt also drauf. Verbraucht er mehr Energie, werden die zusätzlich verbrauchten Kilowattstunden richtig teuer. Quelle: dpa

Jüngst erklärte Peter Altmaier in einer Bar am Prenzlauer Berg das Problem steigender Strompreise. Der Bundesumweltminister zeigte auf die Fassade des kaum renovierten Berliner Hauses gegenüber. "Ich möchte nicht, dass die alte Frau, die meist zu Hause sitzt, um halb vier den Fernseher abschalten muss, weil der Strom zu teuer ist." Pause. "Das ist kurz vor dem ersten Kuss in 'Sturm der Liebe'."

Hohe Elektrizitätspreise sind ein Thema vor der Bundestagswahl. Altmaier (CDU) selbst scheiterte im Vor-Wahlkampf mit einer komplizierten "Strompreisbremse". Nicht nur die zunehmenden Kosten der Energiewende belasten Privatverbraucher und Mittelstand. Auch der Wettbewerb am Strommarkt funktioniert nur zum Teil. Knapp 44 Prozent der Privathaushalte beziehen Strom aus der Grundversorgung.

Der Grundtarif war gedacht als Übergangslösung für alle, die umziehen, deren Anbieter pleitegeht oder die wegen Schulden keinen anderen Vertrag bekommen. Längst ist er ein großes Auffangbecken für alle Trägen, Ängstlichen und Gefangenen.

Immerhin scheint mehr Konkurrenz hier leichter durchzusetzen zu sein als Eingriffe ins große Ganze der Energiewende. Auch wird Wählern schnell klar, dass es um ihr Geld geht. Deshalb haben Opposition und Verbraucherschützer das Thema entdeckt.

Per Zwang zahlen

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück will bei einem Wahlsieg Tarife per Zwang senken. "Wir werden die Anbieter dazu verpflichten, ihre Grundversorgertarife an die Bundesnetzagentur zu melden", heißt es im Zehn-Punkte-Plan der SPD. Die Aufsichtsbehörde soll eingreifen, wenn Tarife vom niedrigsten Vergleichspreis einer Region mehr als zehn Prozent abweichen. Solche Deckel könnten jedoch Stadtwerken, die die SPD unterstützt, den Garaus machen.

Energieversorger fahren mit der Grundversorgung gute Gewinne ein, weil viele Abnehmer nicht zu preiswerter Konkurrenz wechseln wollen. "Unsere Umfragen haben ergeben, dass viele Kunden kein Vertrauen in den Markt haben", erklärt Energieexperte Holger Krawinkel vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) die Trägheit von Privatleuten. "Sie haben von unseriösen Anbietern gehört und fürchten, dass bei ihnen dann vielleicht das Licht ausgeht."

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