Wahlkampf Peer Steinbrück rennt ins Abseits

Peer Steinbrücks Wahlkampfstrategie ist ein kleiner Erpressungsversuch: Wer ihn als machtvollen Politiker haben will, muss schon dafür sorgen, dass es für Rot-Grün reicht. Dabei überschätzt er seine Anziehungskraft.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück bei einer Wahlkampfveranstaltung in Worms. Mit seiner Ablehnung einer großen Koalition schiebt er sich selbst ins Abseits. Quelle: dpa

Peer Steinbrück gibt es nur als Kanzler des Duos Rot-Grün. Also her mit den Stimmen für die SPD! Den Finanzfachmann steht für die nächste Bundesregierung nur als Nummer eins zur Verfügung, will „King of Kotelett“ sein, wie es Fernsehduell-Co-Moderator Stefan Raab im schönsten Metzgerssohn-Jargon nannte.

Es ist der Versuch, mit der Wurst nach der Speckseite zu werfen. Denn nicht Rot-Grün ist die Wunschkonstellation der Deutschen, sondern traditionell die große Koalition. Und die dürfte dem Wahlvolk durch das TV-Duell eher noch plausibler geworden sein. Denn einerseits mögen die Bürger Angela Merkels Ruhe, bescheinigen ihr hohe Sympathiewerte. Andererseits schätzen sie auch die Kompetenz des SPD-Kanzlerkandidaten, den sie noch gut als versierten Finanzminister in Erinnerung haben. Merkel an der Spitze behalten, Steinbrück an ihre Seite stellen – das wäre so ziemlich die Lieblingsvorstellung des Durchschnittsbürgers.

Steinbrücks Positionen im WiWo-Check

Genau mit dieser Stimmungslage hatte Raab den SPD-Herausforderer gestellt – und der rannte ins Abseits. Raab wollte wissen, was man denn nun wählen müsse, wenn man genau diese Kombination bevorzuge: Merkel und Steinbrück. Der Moderator, der sonst vor allem jungen Leuten gefällt, sprach hier vielen aus der Seele. Und lockte, er würde ja vielleicht der SPD seine Stimme geben, wenn die sich nicht so an die Grünen ketten würde. Doch Steinbrück erteilte diesem Wunsch vor 17 Millionen Zuschauern eine klare Abfuhr. Selten wurde ein Wählerwille so klar und brüsk zurückgewiesen.

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Es sei „keine Haltung“, nur mitspielen zu wollen, wenn man „King of Kotelett“ sein dürfe, schimpfte Raab. Dabei geht es Steinbrück nicht mal um die Fleischtöpfe. Zum einen treibt ihn und die Genossen die Sorge, dass eine große Koalition die SPD diesmal noch stärker ruinieren könnte, als beim letzten Mal. Denn in das Elefantenbündnis des Jahres 2005 starteten die Sozialdemokraten mit 34,2 Prozent der Wählergunst – und kamen mit 23,0 Prozent heraus. Diesmal würden sie aber nur noch mit rund 25 Prozent in die große Koalition eintreten – wo sollte das enden?

Zum anderen setzt Steinbrück darauf, mit seiner Kompetenzzumessung Wähler von Merkel weg und zur SPD herüberziehen zu können. Da überschätzt er allerdings seine persönliche Anziehungskraft. Denn in der Gesamtbewertung als Politiker steht Merkel ganz oben auf der Beliebtheitsskala. Steinbrück dagegen rangiert deutlich abgeschlagen im Mittelfeld.

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