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Wahlkampfauftakt der AfD AfD sagt Ja und Nein zur EU

Zum Wahlkampfauftakt wandelt die AfD auf einem schmalen Grat. Auf der einen Seite will sie die EU, auf der anderen ist sie ihre liebste Zielscheibe.

Bernd Lucke machte in Köln Stimmung für die AfD - der Wahlkampf zur Europawahl hat begonnen. Quelle: dpa

Die rund 30 Gegendemonstranten haben Bernd Lucke einen Gefallen getan. Ihre schrillen Pfiffe und Sprechchöre dringen schwach bis zur Bühne. Der Spitzenkandidat der Alternative für Deutschland nutzt die Gelegenheit, um sich als Verfechter der Meinungsfreiheit darzustellen. Nach dem ersten Applaus richtet sich Luckes Kritik dann wieder gegen seinen Lieblingsgegner: die EU.

Zum Auftakt ihres Europawahlkampfes zeigt die Partei ein zwiegespaltenes Verhältnis zu Europa und seinen Institutionen. Auf der einen Seite bekräftigen Lucke und Hans-Olaf Henkel, Listenkandidat Nummer zwei, immer wieder, dass sie „für Europa“ seien. Andererseits ist es die Zielscheibe Europa, mit der sie die Unterstützung ihrer Zuhörer gewinnen. Der ehemalige BDI-Präsident Henkel vergleicht die europäische Idee gar mit dem ideologischen Überbau der Sowjetunion.

Und jetzt noch mal ganz langsam: Subsidiarität

Das zentrale Thema der AfD klingt zu abstrakt, als dass es bei den Zuhörern Begeisterungsstürme auslösen könnte. Und so spricht Lucke es erst einmal ganz langsam aus: „Subsidiarität“. Entscheidungen sollen auf unterster Ebene getroffen werden, also in den Mitgliedsstaaten. Das heiße für seine Wähler, dass sie Entscheidungen nicht anderen überlassen müssten, erklärt er.

Die wichtigsten Köpfe in der AfD

Abgesehen von den Klatschpausen, gleicht der Stil seiner Ausführungen eher dem einer Vorlesung. Auf die anfänglichen Begeisterungsstürme folgt pflichtbewusstes Klatschen. Etwa wenn er auseinanderrechnet, wie die deutsche Bundesregierung den Primärüberschuss Griechenlands schönrechne. Oder wenn er erklärt, dass die hohe Nachfrage nach griechischen Staatsanleihen kein Zeichen der Gesundung sei.

Das Allheilmittel der AfD sind Volksentscheide auf nationaler Ebene. Zum Beispiel in der Ukraine, wo die blutigen Auseinandersetzungen fast täglich neue Todesopfer fordern. Lucke schlägt vor, das Problem mit einem „fairen, demokratischen, international überwachten“ Volksentscheid zu lösen. Die Menschen auf der Halbinsel Krim sollten selbst entscheiden, zu welchem Staat sie gehören sollen.

Ginge es nach Lucke, sollten auch die Walonen in Belgien, die Schotten, die Katalanen und die Basken von ihrem Selbstbestimmungsrecht Gebrauch machen. „Wir müssen Volksentscheide akzeptieren“, sagt er. Das klingt nach: Alle Macht dem Volk. Das kommt gut an bei den Zuhörern auf der Domplatte in Köln.

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