Wahlkampfreise Steinbrücks stabile Seitenlage

Peer Steinbrück hat sich stabilisiert. Das ist aber auch schon das beste, was sich über den SPD -Kanzlerkandidaten sagen lässt. Beim Auftakt der heißen Wahlkampfphase in Hamburg wird deutlich: Die Genossen stehen mittlerweile hinter ihrem Kandidaten. Viel mehr aber auch nicht.

SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück bei seiner Wahlkampfrede in Hamburg. Quelle: REUTERS

Unter Sozialdemokraten kursieren gerade mehrere Auffassungen darüber, wann denn der Wahlkampf beginnt. Also, der richtige Wahlkampf, versteht sich. Der mit Attacke, Wumms und Wirkung. Mit dem Deutschlandfest der SPD in Berlin Mitte August, sagen die einen, erst mit dem TV-Duell Anfang September, meinen die anderen. Noch wieder andere finden, man sollte sein Pulver sogar besser bis zur allerletzten Woche trocken halten. 

Jetzt geht es los, sagt stattdessen die Hamburger SPD. Im Schatten des Michels haben die Wahlhelfer am Donnerstagabend zum ersten Mal die runde Bühne aufgebaut, auf der der Kandidat in den kommenden Wochen quer durchs Land Dutzende  "Klartext Open-Air" genannte Auftritte absolvieren soll. 

Steinbrück will bei diesen Events eigentlich nicht dozieren, sondern Fragen aus dem Publikum beantworten. Zum Auftakt in der Hansestadt aber präsentiert der Herausforderer 40 Minuten lang ein Medley seiner populärsten Forderungen. Gesetzlicher Mindestlohn, Eurorettung, Kita-Ausbau, Mietpreisbremse. Die Kanzlerin "lullt ein", ihre Regierung bedeute "Stillstand". Die Ministerriege kanzelt Steinbrück ab als "schlechteste sei der Wiedervereinigung".

Themen des SPD-Wahlprogramms

All das zieht unter den rund 2000 Zuschauern, die Mehrheit von ihnen offensichtlich Genossen. Die Frage ist nur: Zieht es auch beim großen Rest der Wähler? In den Wahlumfragen ist davon jedenfalls nichts zu bemerken. Rot-Grün ist von einer eigenen Mehrheit weiterhin weit entfernt. 

Peer Steinbrücks Kampagne ums Kanzleramt ist in stabilen Bahnen gelandet, was angesichts der monatelangen Turbulenzen schon mal ein Gewinn an sich für den Herausforderer ist. Mehr allerdings nicht. Während die Kanzlerin im Wanderurlaub weilte, besetzte Steinbrück Talkshows-Stühle und das ZDF zeigte ein durchaus wohlwollendes Portrait. Nirgends hat Steinbrück aber bisher ein Thema besetzen können, das in der Lage wäre, die Kanzlerin ernsthaft zu bedrängen. Geschweige denn, dass es ihm gelungen wäre, der Regierung eine unliebsame Debatte aufzuzwingen, die beim Wähler verfängt. Keine Wechselstimmung, nirgends.

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