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Wahlsager

Von wegen liberal: Grünen-Anhänger stehen weiter links als die SPD

Konrad Fischer Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche
Konrad Fischer Redakteur Blickpunkte

Unsere Daten zeigen: Die Anhänger der Grünen unterscheiden sich deutlich stärker von der CDU als die der SPD – weil die Grünen-Wähler die SPD links überholt haben.

Was schwarz-grün für Deutschland bedeuten würde
RenteBei der Rente sind sich CDU und Grüne einig - das ist aber leider auch der einzige Punkt. Beide Parteien halten eine schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters für sinnvoll und wollen eine Altersvorsorgepflicht für Selbstständige. Außerdem wollen beide mehr Geld investieren, um die Renten von Geringverdienern aufzustocken. Wie einig beziehungsweise wie uneinig sich eine schwarz-rote Regierung wäre, erfahren Sie hier. Quelle: dpa
EnergiewendeBei der Energiewende und dem Klimaschutz gibt es Reibungspunkte: So wollen die Grünen bis 2030 keine Energie mehr aus Kohlekraftwerken nutzen, die CDU will an Kohle festhalten. Bei der Atomenergie verlangen die Grünen strikte Auflagen, während die Union es eher lockerer angehen lassen möchte. Quelle: dpa
GesundheitDie Grünen bestehen auf ihrer Bürgerversicherung, die CDU lehnt diese ab. Quelle: dpa
FamilienpolitikDie Grünen fordern die Abschaffung des Ehegattensplittings, das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare, die Abschaffung des Betreuungsgeldes und die Kindergrundsicherung. Alles Punkte, die die CDU nicht mittragen will und wird. Quelle: obs
Landwirtschaft und VerbraucherschutzAuch beim Verbraucherschutz gibt es Konfliktpotenzial: Zwar wollen sowohl CDU als auch Grüne gegen hohe Mieten vorgehen, bei Lebensmitteln wird es schon schwieriger. Die CDU setzt auf transparente Lieferketten, die Grünen auf Vegetarismus und Bürgererziehung. Quelle: dpa
VerkehrspolitikKeine Einigung in Sicht ist unter anderem bei der Verkehrspolitik: Die Grünen fordern ein Tempolimit, das die CDU ablehnt. Quelle: dpa
EurorettungAuch bei der Eurokrisen werden CDU und Grüne nicht zusammenkommen. So bestehen die Grünen auf einem europäischen Schuldentilgungspakt, Eurobonds und einer europaweiten Vermögensabgabe. Die Union lehnt diese Vorschläge entschieden ab. Quelle: dpa

Es ist eine der ungeprüften Behauptungen, mit denen zurzeit in Berlin Politik gemacht wird: Die Grünen seien die neuen Bürgerlichen, eine Koalition mit der CDU daher angesichts der Wählermilieus eigentlich naheliegender als mit der SPD. Als Beispiele dafür werden Politiker aus dem Südwesten wie der Ministerpräsident Winfried Kretschmann oder die mit ihrer Bewerbung um den Fraktionsvorsitz jüngst gescheiterte Kerstin Andreae genannt. Doch offenbar sind die beiden eher Außenseiter als die wahren Repräsentanten der grünen Wählerschaft.

Das zumindest legen unsere Auswertungen der Daten der German Longitudinal Election Study (GLES) nahe, für die seit vielen Jahren immer wieder Wähler befragt werden. Wir haben uns dafür die Positionen der Parteianhänger zu bestimmten umstrittenen Sachfragen angeschaut. Dabei zeigt sich, dass die Überschneidungen zwischen CDU und SPD deutlich größer sind als zwischen CDU und Grünen. Von zwölf Sachthemen sind sich nur bei einem einzigen die Anhänger von CDU und Grünen näher als von SPD und CDU.

Die Anhänger aller drei Parteien liegen ideologisch zwar nicht besonders weit voneinander entfernt – die Zustimmungswerte von CDU und Grünen sind dabei aber fast 50 Prozent weiter auseinander als die von SPD und CDU.

Vor allem aber fällt auf: Bei Fragen, die sich in einem klassischen Links-Rechts-Schema verorten lassen, stehen die Grünen-Anhänger links von den Genossen. So wurden die Wähler gefragt, ob die Regierung Maßnahmen ergreifen sollte, um existierende Einkommensunterschiede zu beseitigen. Auf einer Skala von -2 (klare Ablehnung) bis +2 (klare Zustimmung) lag die durchschnittliche Bewertung der CDU-Anhänger bei durchschnittlich +0,55. Bei der SPD war es +0,99, bei den Grünen +1,06. Ähnlich die Unterschiede bei der grundsätzlichen Frage „Soll sich der Staat aus der Wirtschaft heraushalten?“. Die leichte Ablehnung der CDU-Anhänger (-0,19) wird von der SPD (-0,39), noch deutlicher aber von den Grünen (-0,43) unterboten. Besonders groß ist dieser Unterschied beim Thema Europa. Die Position „Deutschland sollte EU-Staaten, die wirtschaftliche Probleme haben, finanziell unterstützen“ lehnen sowohl die Anhänger der CDU (-0,23) als auch die der SPD (-0,15) ab. Die Grünen (+0,03) hingegen befürworten eine solche Umverteilung.

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Dennoch sind sich die Anhänger aller drei Parteien bei wirtschaftlichen Themen noch verhältnismäßig nahe. Deutlich umstrittener sind trotz allen politischen Konsenses nach wie vor Themen wie die Atomkraft. Der Aussage „Die Energieversorgung sollte auch durch die Nutzung von Atomkraft gesichert werden“, stehen die CDU-Anhänger recht unentschlossen gegenüber (-0,3), die Anhänger von SPD (-0,81) vor allem aber der Grünen (-1,33) lehnen das klar ab. Zwei absehbare Streitpunkte in einer neuen Regierung spiegeln sich auch in den Positionen der Anhänger zu Steuererhöhungen und gleichgeschlechtlichen Ehen. Der Aussage „Besserverdienende sollten mehr Steuern zahlen“ stehen die CDU-Anhänger gespalten gegenüber (+0,09), sowohl die Wähler von SPD (+0,97) als auch die der Grünen (+0,93) befürworten das eindeutig. Dies ist zugleich die einzige Aussage, bei der SPD und CDU weiter auseinanderliegen als Schwarz-Grün. Bei der Aussage „gleichgeschlechtliche Ehen sollten gesetzlich anerkannt werden“ liegen CDU (+0,32) und SPD (+0,89) sowie Grüne (+1,16) ebenfalls weit auseinander.

Im Durchschnitt sind die Anhänger von CDU und SPD in ihren Antworten 0,38 Punkte voneinander entfernt, die von CDU und Grünen 0,55 Punkte. Auch das dürfte allerdings kein unüberwindbarer ideologischer Graben sein. Nur bei zwei der zwölf Fragen (Frauenquote und Europa) sind die Anhänger mehrheitlich unterschiedlicher Ansicht darüber, ob einer Aussage im Grundsatz zuzustimmen oder abzulehnen sei.

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