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Warnstreiks Hohe Sprengkraft für die Gewerkschaften

So früh wie nie setzen die Gewerkschaften im öffentlichen Dienst auf Eskalation. Das könnte sich rächen.

Protest für mehr Lohn Quelle: dpa

So macht man sich unbeliebt. Obwohl die Gewerkschaften Verdi und DBB Tarifunion zuvor gerade mal vier Stunden mit den Arbeitgebern verhandelt hatten, überziehen sie das Land mit Warnstreiks. Vielerorts bleiben Busse und Bahnen in den Depots, Kitas machen dicht, die Müllabfuhr kommt nicht, in vielen Krankenhäusern und Altenheimen läuft nur ein Notbetrieb. Nicht nur genervte Eltern und Pendler fragen sich seitdem: Muss das sein?

Statistisch gesehen ist Deutschland im Vergleich zu anderen Industriestaaten immer noch ein eher streikarmes Land. Dass aber die Gewerkschaften 2012 in rekordverdächtigem Tempo auf Eskalation setzen, lässt für den weiteren Verlauf der Tarifrunde nichts Gutes erahnen – und könnte Folgen haben, die weit über den aktuellen Anlass hinausreichen.

Die längsten Streiks Deutschlands
GDL gegen die Deutsche BahnSechs Tage streikten die Lokführer der Bahn, um ihre Forderungen durchzusetzen. Nur ein Drittel der Züge im Personenverkehr fuhr. Der Güterverkehr wurde noch einen Tag länger bestreikt. Es handelte sich um den längsten Streik in der Geschichte der Bahn - was aber bei einem ehemaligen Staatsbetrieb nicht weiter erstaunlich ist. In anderen Wirtschaftszweigen und Unternehmen haben Tarifkonflikte zu weit längeren Arbeitsniederlegungen geführt. Nachfolgend die zehn längsten Streiks in der Geschichte der Bundesrepublik. Quelle: dpa
Eine Anästhesistin überwacht während einer Operation den Patienten. Quelle: dpa
Einsatzkräfte der Polizei Quelle: dpa
An Naben für Windkraftanlagen arbeiten Monteure Quelle: dpa
In der Druckerei des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie kontrolliert ein Angestellter an einer Zwei-Farben-Bogen-Offsetdruckmaschine die gerade gedruckte Karte des Seehafens Rostock. Quelle: dpa
Mitarbeiter der Firma SH Natursteine GmbH befestigt ein Seil an einem Block Granitporphyr Quelle: ZB
Mitarbeiter der Berliner Verkehrsbetriebe geht an mehreren Omnibussen entlang. Quelle: dpa

Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat mit ihrer öffentlichen Forderung nach steigenden Löhnen den Gewerkschaften eine ordentliche Vorlage gegeben. So könnte am Ende ein Abschluss im öffentlichen Dienst stehen, der die Steuerzahler Milliarden kostet – und den Gewerkschaften künftig einen tarifpolitischen Flickenteppich beschwert.

Der Grund: Ein hoher Abschluss droht auf Arbeitgeberseite die Tarifgemeinschaft von Bund und Kommunen zu sprengen. Bereits 2005 sind die Länder ausgeschert und verhandeln seitdem separat. Trotz diverser Appelle der Bundesregierung machen sie keine Anstalten, der Tarifgemeinschaft der öffentlichen Arbeitgeber wieder beizutreten. Hessen und Berlin verhandeln sogar komplett allein.

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