Warum Deutsche auswandern Geld ist nicht der Hauptgrund

Warum treibt es jedes Jahr Hunderttausende Deutsche ins Ausland? Und warum kommen viele wieder zurück? Eine Studie ergründet die Migrations-Motive - und stellt manches Klischee auf den Prüfstand.

Warum wandern wir eigentlich aus?
Reiselust und PolitikInterNations, ein Netzwerk für Menschen, die vorübergehend im Ausland arbeiten, hat 11.500 Menschen nach ihren Beweggründen zum Auswandern befragt. Bei den Antworten unterscheiden sich jedoch die Motive für eine geplante und die tatsächliche Auswanderung. So landet die Begründung "Ich will reisen / einen verlängerten Urlaub machen" bei den tatsächlichen Auswanderungen mit 1,2 Prozent auf Platz zehn. Wurden Menschen befragt, die mit dem Gedanken an eine Auswanderung spielen, nannten 1,7 Prozent "politische Gründe" als Motivation - das reicht in dieser Kategorie ebenfalls für Platz zehn. Quelle: Fotolia
Politische Gründe1,2 Prozent der Expats sagen, dass sie aus politischen Gründen im Ausland leben. Das entspricht Platz neun. Die befragten Auswanderer arbeiten übrigens zu 75,7 Prozent im privaten Sektor, zu 14,7 Prozent im öffentlichen Sektor oder in einer Regierungsorganisation und zu 6,7 Prozent bei Non-governmental organization (NGO). Drei Prozent der Expats arbeiten für Inter-Regierungsorganisationen wie UNO oder WHO. Quelle: AP
Sonstiges4,24 Prozent sagten, sie hätten keinen der abgefragten Gründe gehabt, das Land zu verlassen. Die Mehrheit der Befragten sind übrigens Angestellte (23,2 Prozent), gefolgt von Kräften aus dem mittleren Management (17,3 Prozent), Gründern und Selbstständigen (15,7 Prozent) sowie Top-Managern (8,4 Prozent). Quelle: Fotolia
FamilieFamiliengründe liegen auf Platz sieben. Für 5,22 Prozent der Befragten war die Familie der ausschlaggebende Punkt. Quelle: dpa
Job des PartnersDementsprechend wichtig ist auch der Partner: 7,1 Prozent sind wegen der Ausbildung oder dem Job des Partners in ein anderes Land gegangen. Quelle: dpa
PartnerNoch etwas romantischer begründeten 8,1 Prozent der Befragten ihre Auswanderung: Sie wollten im Heimatland des Partners leben. Quelle: dpa
Jobsuche10,4 Prozent gingen ins Ausland, weil sie einen neuen Job finden oder ein Unternehmen gründen wollen. Die begehrtesten Jobmärkte der Welt finden Sie übrigens hier. Quelle: dpa
BildungFür ein Studium, eine Aus- oder Weiterbildung sind 10,8 Prozent der Befragten ins Ausland gegangen. Im Ranking landet die Bildung somit auf Platz drei. Quelle: dpa
KosmopolitenPlatz zwei ist das süße Leben: 16,8 Prozent genießen es schlichtweg, im Ausland zu leben. Quelle: AP
JobDer eigene Job führte 34,3 Prozent ins Ausland. Damit ist der Job der Hauptgrund fürs Auswandern. Quelle: dpa

Geld spielt für deutsche Auswanderer als Motiv eine wichtige, aber bei weitem nicht die Hauptrolle. Für etwa zwei von drei Befragten einer aktuellen Studie sind neue Berufs- und Lebenserfahrungen der wesentliche Grund, ihrem Heimatland den Rücken zu kehren - ein höheres Einkommen im Ausland erhoffen sich lediglich 46,9 Prozent. Rund vier von zehn Befragten (41,4 Prozent) nennen Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland als Antrieb.

Das ergibt sich aus der Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR), des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und der Universität Duisburg-Essen. Hauptziele deutscher Auswanderer waren zwischen 2004 und 2013 an erster Stelle die Schweiz, dann die USA und auf Platz drei Österreich.

Das sind die besten Länder für Expats und Auswanderer
Deutschland Reichstag Quelle: dapd
bahrain Quelle: AP
Platz 8: Schweden Quelle: gms
Platz 7: Österreich Quelle: obs
Platz 6: Norwegen Quelle: gms
Platz 5: Schweiz Quelle: dpa
Platz 4: Tschechien Quelle: dpa
Platz 3: Kanada Quelle: dpa
Neuseeland Quelle: REUTERS
Marina Bay, Singapore Quelle: REUTERS

Nur ein Drittel will im Ausland bleiben

Für die Erhebung „International Mobil“ wurden knapp 800 Aus- und rund 900 Rückwanderer befragt. Das Ergebnis: Nur ein Drittel der Auswanderer wollte auf Dauer im Ausland bleiben - 41 Prozent gingen von vornherein von einer Rückkehr aus. 43,5 Prozent der Auswanderer gaben ernüchtert zu, dass sich die Entscheidung negativ auf ihren Freundes- und Bekanntenkreis ausgewirkt habe. Für Rückkehrer spielen familiäre Gründe eine große Rolle.

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Auswanderung aus Deutschland sei also ein zweischneidiges Schwert, so BiB-Direktor Norbert Schneider. Die Auswanderer „erzielen oft ein höheres Einkommen und haben einen höheren Berufsstatus, aber sie erfahren vielfach auch eine Art sozialer Desintegration durch den Verlust von Freunden und Bekannten“. Unzufriedenheit mit dem Leben im Ausland gaben 40,4 Prozent der Befragten zu Protokoll - dieser Wert ist fast genauso hoch wie derjenige für Unzufriedenheit mit dem Leben in Deutschland.

Seit Jahren wandern den Angaben zufolge mehr Deutsche aus als zurückkehren. Zwischen 2009 und 2013 wurden rund 710.000 Fort- und 580.000 Zuzüge registriert. Akademiker und Führungskräfte seien jeweils stark überrepräsentiert, heißt es in der von der Stiftung Mercator geförderten Studie. So liege bei den Auswanderern der Anteil der Hochqualifizierten bei 70 Prozent.

Die Erhebung liefere aber „keine Anhaltspunkte dafür, dass Hochqualifizierte in großem Umfang dauerhaft ins Ausland „abfließen““.

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