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Welternährung Brot für den Tank

Der grüne Zeitgeist fordert Energie vom Acker und ökologisch korrekte Ernährung. Während der Nutzen für Klima und Natur umstritten ist, schießen die Agrarpreise in die Höhe, und der Hunger breitet sich weltweit aus. Die Zeit drängt, die teure Förderung von Bioenergie zu stoppen.

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Ein Winterweizenfeld in der Quelle: dpa

Gut müssen sich die Deutschen fühlen. Ihre Autos betanken sie mit E10-Benzin, dem Sprit aus Zuckerrüben und Getreide beigemischt ist. Auf den Frühstückstisch kommen Dinkelbrötchen und Bioeier, Letztere natürlich mit grünem Strom aus Mais erhitzt. An Deutschland, so die frohe Botschaft, können Klima und Natur genesen.

Doch die schöne heile Welt für gut 80 Millionen Bundesbürger hilft dem Klima nicht und hat einen hohen Preis. Den zahlen viele hundert Millionen Menschen in weniger entwickelten Gegenden der Welt. Weil Wohlstandsbürger es schick finden, den Anbau von Energiepflanzen staatlich zu subventionieren, weil eine kaufkräftige Kundschaft ertragsschwachen Bioprodukten den Vorzug gibt, gehen wertvolle Ackerflächen für den Anbau klassischer Nahrungsmittel verloren. Auf der Strecke in diesem globalen Umverteilungskampf bleiben die Armen.

Die Welternährungsbehörde (FAO) in Rom schlägt Alarm. Der FAO Food Price Index stieg in den vergangenen sechs Monaten um gut 25 Prozent und erreichte im Januar einen historischen Höchstwert. Die Grundnahrungsmittel Weizen und Zucker verteuerten sich sogar um rund 75 Prozent. Am härtesten trifft dies rund 1,4 Milliarden Menschen, die von weniger als 1,25 Dollar pro Tag leben müssen, warnt die Weltbank. Sie befürchtet, dass die Zahl der Hungernden in diesem Jahr deutlich über die Schwelle von einer Milliarde Menschen steigen wird.

Deutliche Worte aus der Wirtschaft

Mittlerweile schwant auch manchem Politiker in Berlin, er habe da in gutem Glauben eine unheilvolle Entwicklung mit angeschoben. Bundesernährungsministerin Ilse Aigner (CSU) gesteht wegen "der wachsenden Konkurrenz zwischen Nahrungsmittel- und Energierohstoffproduktion" Probleme ein und will nun bei der Förderung der Ökoenergie durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) auf die Bremse treten.

Selbst Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ist inzwischen alles andere als glücklich mit der Förderung von Bioenergie. Nachdenklich stimmt ihn nicht allein die Verdrängung von Nahrungsmitteln durch nachwachsende Rohstoffe. Auch die davon erhoffte Rettung des Weltklimas bleibt aus. Stattdessen stellt Röttgens Ministerium ernüchternd fest, bei der Nutzung von Biomasse käme es zu "unerwünschten Auswirkungen, unter anderem in Bezug auf Treibhausgasemissionen, Artenvielfalt, soziale Fragen". Deutlicher wird der für Wirtschaft und Energie zuständige CDU/CSU-Fraktionsvize Michael Fuchs: "Die Förderung von Bioenergie ist aus volkswirtschaftlichen und ethischen Gründen nicht mehr zu verantworten."

Erstaunliche Worte zu einer Politik, die bislang eher durch grüne Glaubenssätze als durch wissenschaftliche Analysen vorangetrieben wurde.

Zwar gab es vor vier Jahren, während der sogenannten Tortillakrise, bereits eine hitzige Debatte über die Alternative zwischen Tank und Teller. Doch damalige Warnungen, der massenhafte Anbau von Energiepflanzen würde den Anbau von Nahrungsmittel verdrängen, verhallten. Vielen erschien die Gefahr zu abstrakt. Nun ist die Bedrohung schrecklich real.

In Deutschland kletterte der Anbau allein von Energiemais 2009 um gut 20 Prozent und 2010 um weitere 40 Prozent auf 530.000 Hektar. Das entspricht der doppelten Fläche des Saarlandes, die binnen kürzester Zeit der Produktion von Nahrungsmitteln entzogen wurde. Gleiches gilt für Ackerflächen, auf denen Bauern nun Raps und Sonnenblumen für Biodiesel anbauen. Und Zuckerrüben, die wie Mais zu Ethanol verarbeitet werden, landen im E10-Benzin.

Biosprit ist der größte Preistreiber

Die einst aus Südamerika eingeführte Maispflanze dient zudem landauf, landab zur Befüllung von Biogasanlagen. Staatlich garantierte Einspeisevergütungen von bis zu 30 Cent pro Kilowattstunde Strom bieten den Landwirten einen sicheren Ertrag. Biostrom dürfte 2011 zur teuersten aller erneuerbaren Energien werden, so der Informationsdienst "Agra-Europe", wenn die ebenfalls umstrittene Solarförderung im Sommer außerplanmäßig gekürzt wird. Gut zwei Milliarden Euro müssen die Stromkunden jährlich als Obolus nur für die Biogasbetreiber berappen. Noch schwerer wiegt die Entwicklung in den USA. Der weltgrößte Nahrungsmittelproduzent ist auch der weltgrößte Hersteller von Biosprit. 2010 erhöhten die US-Raffinerien ihren Biosprit-Output um 20 Prozent auf ungefähr 50 Milliarden Liter. Zwölf Millionen Hektar Maisanbaufläche – das entspricht zwei Dritteln der gesamten deutschen Ackerfläche – dienen in den USA derzeit der Gewinnung von Biosprit und stehen für die Erzeugung von Nahrungsmitteln oder Tierfutter nicht mehr zur Verfügung.

Biosprit gilt mittlerweile als größter Preistreiber für Lebensmittel und sorgt bei Missernten – wie jüngst in Australien, Russland und der Ukraine – für noch extremere Preisaufschläge als früher. Mitte Februar kostete der Doppelzentner Brotweizen hierzulande 25 Euro und damit 125 Prozent mehr als zwölf Monate zuvor. Die Gerstenpreise verdoppelten sich, Mais verteuerte sich um 78 Prozent.

Ein Großteil der Inflation in Deutschland geht inzwischen auf das Konto von Nahrungsmitteln. Die Bundesbürger können es verschmerzen. Ihr Einkommen ist global gesehen hoch, der Anteil der landwirtschaftlichen Rohstoffe am Endverbraucherpreis gering. Von den 25 Cent, die der Bäcker für eine Schrippe erhält, entfällt auf den Rohstoff Weizen weniger als ein Cent.

Fast eins zu eins schlagen die Preissteigerungen dagegen in den Ländern mit der ärmsten Bevölkerung durch, in denen die Menschen nicht 14 Prozent wie in Deutschland, sondern 70 bis 95 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Nahrungsmittel verwenden müssen.

Der fruehere Quelle: AP

Das Biodrama hat dabei gerade erst begonnen. Bis 2022 will die US-Regierung die Produktion von Biosprit auf 36 Milliarden Gallonen (rund 136 Milliarden Liter) steigern. So hat es Präsident George W. Bush 2007 im "Energy Independence and Security Act" festgelegt, und so hat es jüngst Präsidenten Barack Obama bekräftigt. Die dafür erforderliche Ackerfläche entspricht dem doppelten Anbauareal Deutschlands.

Die Europäer wollen die Beimischung von Biokraftstoff bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent im Transportsektor verdoppeln. Brasilien peilt sogar mehr als 50 Prozent Biosprit an. Und auch aufstrebende Schwellenländer wie China und Indien wollen, schon um ihre Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren, Bioenergie fördern.

Der Kampf um die Scholle nimmt weltweit an Härte zu. Der schöne Traum vom ökologisch korrekten Essen, der sauberen Energie und von der Rettung des Weltklimas – endet er womöglich in einem schrecklichen Erwachen?

Klimaschützer Albert "Al" Gore, einst Amerikas Vizepräsident unter Bill Clinton und im Jahr 2007 wegen seines Umweltengagements mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, war einst leidenschaftlicher Befürworter von Bioethanol und zählt mittlerweile zu dessen bekanntesten Kritikern. Er bedauere seine damalige Unterstützung für Biosprit aus Getreide, sagte Gore auf einer Umweltkonferenz Ende vergangenen Jahres in den USA. "Biosprit trägt wenig bis gar nichts zu einer besseren Ökobilanz bei", so Gore.

Vernichtendes Urteil

Für die Produktion von Maisbenzin sei mehr Energie aus herkömmlichen fossilen Rohstoffen wie Öl oder Gas notwendig, als am Ende Energie in der produzierten Gallone Biosprit stecke, urteilt David Pimentel, Wissenschaftler von der Cornell-Universität und Hauptautor der Studie "Food Versus Biofuels: Environmental and Economic Costs". Das liegt beispielsweise daran, dass Mais den Boden auslaugt und deshalb große Mengen Stickstoff- und Phosphatdünger eingesetzt werden. Pimentels Verdikt: "Die Produktion von Ethanol aus Mais ist aus ökologischer Sicht völlig ineffizient." Ökonomisch auch: Jährlich pumpt die US-Regierung Subventionen in Höhe von zwölf Milliarden Dollar oder umgerechnet neun Milliarden Euro in die Biosprit-Branche. Dabei ersetzt das "grüne Erdöl", so der Euphemismus der Ethanol-Enthusiasten, in den USA gerade einmal 1,4 Prozent des Ölverbrauchs.

Auch diesseits des Atlantiks fällt das wissenschaftliche Urteil vernichtend aus. Das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) kommt zu dem Ergebnis: Wegen der geringen Energieproduktivität pro Fläche bringe Biosprit "nur begrenzte Einsparungen bei den Klimaemissionen", treibe aber die Bodenpreise hoch und verteuere die Lebensmittel. Die noch ungewissen Klimafolgen der Stickoxyd-Emissionen, die bei der Düngung frei werden, "könnten den Klimaschutzbeitrag noch weiter verringern". Konsequenz müsste deshalb "die stufenweise Zurücknahme der Biokraftstoffquote bis zu ihrer völligen Abschaffung sein", schlussfolgert das TAB.

Autofahren wird wieder teurer

Die Bundesregierung müsste deshalb in Brüssel intervenieren, wo der EU-Ministerrat nach Vorlage durch die Kommission und Abstimmung im Europaparlament eine Ausweitung der Beimischung beschlossen hatte. Das wird nicht einfach. Europapolitik ist wie ein Supertanker, der einen langen Bremsweg hat und noch länger braucht, um die einmal eingeschlagene Richtung zu korrigieren. Skeptisch ist das TAB auch, weil die Wende zurück "auf den Widerstand der europäischen Biokraftstoffindustrie stoßen würde". Die hat sich inzwischen gut an die Subventionen gewöhnt – und die Erneuerbare-Energie-Verbände gehören zu den aggressivsten unter den Lobbygruppen, die Berlin und Brüssel aufzubieten haben.

Deutschland pflegt deshalb den Biosprit-Hype vorerst weiter. Der jüngste Dreh heißt E10. Millionen Halter von älteren Fahrzeugen befürchten nun Motorschäden, da das dem Benzin zu zehn Prozent beigemischte Ethanol Leitungen und Dichtungen angreifen kann. Dafür kommen sie mit der gleichen Menge Sprit nicht mehr so weit. Der Wirkungsgrad von E10-Benzin liegt um ein bis zwei Prozent unter dem bisher mit fünf Prozent Ethanol angereicherten Kraftstoff.

Für die Bundesbürger wird Autofahren damit wieder einmal teurer. Dieselfahrer wurden schon zwangsbeglückt mit einer Beimischungsquote von sieben Prozent Biodiesel, der meist aus Raps gewonnen wird. Rund vier Milliarden Euro hat die grüne Beimischungspflicht die Autofahrer seit 2007 gekostet, schätzt der Mineralölverband. Der Umwelt nützt das nicht, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) spricht von einer ökologischen „Mogelpackung“. Die Ausweitung der Ethanolproduktion aus Weizen, Zuckerrüben oder Mais könne im Vergleich zu fossilem Kraftstoff „sogar höhere Kohlendioxyd-Emissionen verursachen“, kritisiert der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger.

Doch was soll’s? Nicht Brot für die Welt, sondern Brot für den Tank – so lautet das Credo des grünen Zeitgeistes.

Die Ökobewegung belastet die angespannte Welternährungslage noch auf andere Weise: Denn kommen die Eier von frei laufenden Hennen, wird der Acker nicht mit mineralischem Dünger bestreut, werden Weizen, Äpfel und Schwarzwurzeln nicht chemisch vor Ungeziefer geschützt, stammen Rinderfilets und Lammrippchen von Tieren, die großzügigen Auslauf genießen – dann entspricht dies alles zwar dem Bedürfnis der Verbraucher in gesättigten Volkswirtschaften. Aber es kostet Ertrag und Fläche.

Kartoffeln der umstrittenen Quelle: dapd

Nach einer Auswertung des Bundes- landwirtschaftsministeriums erwirtschafteten Betriebe des ökologischen Landbaus 2008/09 Weizenerträge von 31 Doppelzentnern pro Hektar, konventionell bewirtschaftete Höfe kamen auf 70 Doppelzentner. Bei Kartoffeln war das Verhältnis 240 zu 389 Doppelzentner, der Viehbesatz war um 20 Prozent geringer, die Milchleistung um zehn Prozent niedriger. Die Verkaufspreise für Ökoprodukte waren dagegen bei Kartoffeln mehr als dreimal so hoch wie bei konventionellen Knollen, bei Weizen fast dreimal so hoch und bei Milch immerhin um ein Drittel höher .

Die Nachfrage nach teurer Ökoware ist bei kaufkräftigen Bundesbürgern riesig. Die entsprechende Anbaufläche in Deutschland wächst stetig und hat 2010 die Grenze von einer Million Hektar überschritten. Selbst in China, Kenia und Peru wachsen Ökobohnen, Ökoknoblauch und Ökobananen, auch die Erzeuger dieser Länder profitieren von unserer Sehnsucht nach unbeschwertem Genuss und ruhigem Gewissen.

Doch damit nicht genug. Für das ärmste Drittel der Weltbevölkerung kommt noch ein drittes Wohlstandsproblem hinzu. In den aufstrebenden Schwellenländern steigt der Fleischkonsum rasant. Der Pro-Kopf-Verbrauch der 1,3 Milliarden Chinesen nimmt seit Jahren kontinuierlich um jeweils ein Kilogramm zu, und mit zuletzt 53 Kilogramm ist noch lange nicht Schluss, setzt man den Fleischverbrauch der Deutschen (87 Kilogramm) oder Amerikaner (123 Kilogramm) als Maßstab. Das Problem dabei: Für ein Kilo Schweinefleisch werden drei Kilo Futter benötigt, für ein Kilo Rindfleisch sogar sieben Kilo. Das, so warnt die Welthungerhilfe, „trägt zur Verknappung und damit zur Verteuerung von Getreide bei“.

Weltweit schrumpft die Ackerfläche

Biosprit, Biofood und hoher Fleischverbrauch bilden die neuen Geißeln für die Hungerländer, vergleichbar den biblischen Plagen Heuschrecken, Hagel oder Stechmücken.

Dabei bräuchte die wachsende Erdbevölkerung – Mitte 2011 dürfte die Zahl von sieben Milliarden Menschen überschritten werden – dringend mehr Nahrungsmittel und eine Strategie zur Steigerung der Flächenerträge. Denn zu allem Überdruss verringern sich die Ertragszuwächse. Die grüne Revolution der Sechzigerjahre, in der neu gezüchtete Weizen- und Reissorten, ein verstärkter Maschineneinsatz und verbesserte Schädlingsbekämpfung die Produktivität stark steigen ließen, ist verebbt. Nötig und möglich wäre eine "zweite grüne Revolution – unter Einbezug der Biotechnologie", sagt Sandra Peterson, Vorstandsvorsitzende der Bayer CropScience. Doch gerade die Gentechnik als Teil der Biotechnologie wird von Ökobewegten stark bekämpft.

Derweil schrumpft die Ackerfläche je Mensch. Standen im Jahr 1960 im statistischen Durchschnitt noch 4300 Quadratmeter für jeden Esser zur Verfügung und waren es 2005 noch 2200 Quadratmeter, so soll die Anbaufläche bis 2030, wenn es voraussichtlich mehr als acht Milliarden Menschen gibt, auf 1800 Quadratmeter sinken. Und das ist noch geschönt, weil Tank, Trog und Bioteller ihren Anteil vom Acker fordern.

Der Klimawandel ist dabei nicht einmal berücksichtigt. Steigende Temperaturen beeinträchtigen die Landbewirtschaftung vor allem in den Entwicklungsländern, prognostiziert die FAO. Günstigere Anbaubedingungen, die der Klimawandel etwa in Russland oder Kanada schaffen könnte, dürften die Verluste kaum ausgleichen.

"Das Ernährungssystem kommt an seine Grenze"

"Das Ernährungssystem kommt an seine Grenze", sagt Stefan Schmitz, Referatsleiter für Ländliche Entwicklung und Welternährung im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Die Politik muss ihre Prioritäten neu ordnen. Bundesernährungsministerin Aigner stellt klar: "Der Anbau von Nahrungsmitteln muss Vorrang vor dem Anbau von Energiepflanzen haben".

Aigner ist sich mit ihrem Kollegen aus dem Entwicklungshilferessort Dirk Niebel einig, dass die Nahrungsmittelproduktion vor allem in der Dritten Welt angekurbelt werden muss. Deutsche Hilfen sollen nicht länger aus barem Geld bestehen, das oft in die Taschen der Herrscherfamilien geflossen ist. Niebel spricht von "ungenutzten Potenzialen, die Produktivität in der Landwirtschaft zu steigern".

Da hat der Minister recht. Simbabwe zum Beispiel war einst als Südrhodesien die Kornkammer des britischen Empire, doch Diktator Robert Mugabe hat das Land im südlichen Afrika zum Hungergebiet heruntergewirtschaftet. Nicht nur die Erträge sind in vielen Ländern mies. Schlechte Vorratslager und mangelnde Rattenbekämpfung, fehlende Transport- und Verarbeitungskapazitäten führen zu unfassbaren Nachernteverlusten von oft 30 bis 70 Prozent.

Die Bekämpfung der Missstände wäre die beste Hilfe. Doch sie braucht neben Investitionen und stabilen politischen Rahmenbedingungen viel Zeit.

Das aber verhindert der grüne Zeitgeist. Der Biorausch hat eine verheerende Hungerspirale in Bewegung gesetzt, die am Ende arme Bauern ihr knappes Saatgut verzehren lässt. Wer aber heute hungert, denkt nicht an Investitionen für morgen.

Der rasante Preisanstieg schafft noch ein weiteres Problem: Land grabbing, die Inbesitznahme großer Landflächen durch ausländische Konzerne, die die -heimischen Bauern vertreiben und dann Rohstoffe für den lukrativen Biospritmarkt in Europa und Amerika anbauen.

Viel Zeit bleibt nicht, um das Unheil abzuwenden. "In spätestens drei Jahren", befürchtet der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, "könnten wir eine globale Hungerkatastrophe erleben". 

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