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Weltweiter Kampf gegen Corona Wohlstand verpflichtet

Exklusiv
Impftermin im südafrikanischen Soweto Quelle: dpa

Die EU hat ein Impfstoffproblem. Das dürfe aber kein Grund sein, ärmeren Ländern in Afrika oder Lateinamerika schnelle Hilfe zu verweigern, fordern FDP und Wirtschaftsvertreter. Sie bringen geo- und gesundheitspolitische Argumente vor.

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Während in Deutschland weiterhin kontrovers über die Mängel der europäischen Impforganisation diskutiert wird, müssen weite Teile der Welt bislang ganz ohne Vakzine auskommen. Die FDP fordert daher nun, westliche Industriestaaten müssten schon jetzt Impfdosen an ärmere Länder abgeben – nicht erst, wenn die zu viel bestellten Dosen zur Verfügung stünden. „Wir müssen schnellstmöglich das Gesundheitspersonal im globalen Süden impfen“, sagte Christoph Hoffmann, entwicklungspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, der WirtschaftsWoche.

„Wenn da Ärzte und Pfleger ausfallen, kriegen wir noch ganz andere Probleme,“ so der FDP-Politiker weiter. Dann breche in Afrika und Lateinamerika genau das System zusammen, das für die Impfkampagne dringend gebraucht werde. „Das wäre ein echtes Eigentor. Der Virus kämpft sich über die globalen Lieferketten zu uns zurück.“ Die bisherige Reaktion der Bundesregierung etwa auf Hilfsappelle südafrikanischer Ärzte hält Hoffmann daher für „ nicht ausreichend“.

Hoffmann glaubt dennoch, dass das Ziel der Weltgesundheitsorganisation WHO, bis Ende des Jahres 20 Prozent der Menschen im globalen Süden zu impfen, weiterhin erreichbar sei. Deutschland müsse dafür noch eine weitere Milliarde Euro für den weltweiten Kampf gegen die Pandemie zur Verfügung stellen, fordert der FDP-Politiker. Auch die Tatsache, dass China und Russland ihre Impfstoffe als „soft power“ im Systemwettbewerb einsetzten, sei „ein weiterer Grund, dass wir unseren gerechten Beitrag leisten müssen“.

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Der Afrikaverein der deutschen Wirtschaft mahnt in einem Brief an die Außenpolitiker im Bundestag ebenfalls, der Kontinent müsse „so zügig wie möglich“ Unterstützung der EU bei der Impfkampagne erhalten. „Dies sollte nicht anderen Akteuren überlassen werden, die ohnehin ihren Einfluss immer weiter ausbauen“, heißt es in dem Schreiben – ohne dass China und Russland explizit genannt werden. Der Afrikaverein fordert zudem, in einigen Ländern auch eine lokale Produktion von Impfstoffen aufzubauen.

Mehr zum Thema: „Die Apotheke der Welt zu sein, davon sind wir kilometerweit entfernt“, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil zur Impfstoffkrise im WirtschaftsWoche-Interview.

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