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Werbeprofi der Rechten "Bei der AfD geht es wie im Kindergarten zu"

Die AfD sollte Björn Höcke rausschmeißen, empfiehlt Alexander Segert. Der Werber, der Rechtspopulisten in der Schweiz und Österreich berät, sieht innerhalb der AfD noch ein größeres Problem.

Alexander Segert betreibt in Andelfingen bei Zürich die Werbeagentur

Er ist ein Mann fürs Grobe: Alexander Segert entwirft seit Jahren Kampagnen für Rechtspopulisten. In der Schweiz arbeitet der Deutsche vor allem für die SVP und provozierte mit schwarzen Schafen, bedrohlichen Minaretten und roten Ratten. In Deutschland wird ihm eine Nähe zur AfD nachgesagt. Mit Journalisten spricht Segert selten. Die WirtschaftsWoche empfängt er im Sitzungszimmer seiner Werbeagentur Goal AG in Zürich. Den genauen Ort will er nicht veröffentlicht sehen. Segert hat Angst vor Anschlägen - vor ein paar Jahren ging sein Wagen in Flammen auf.

WirtschaftsWoche: Herr Segert, die AfD zerfleischt sich seit Wochen selbst. Woran liegt das?
Alexander Segert: Junge Parteien laufen immer Gefahr, sich selbst im Weg zu stehen. Da gibt es Querelen, Richtungskämpfe, persönliche Streitereien. Keiner schaut mehr, wofür man die Politik überhaupt macht. Geht es da noch um die Menschen – oder um Politik als Selbstbefriedigung.

Bei der AfD scheint es vor allem um Posten zu gehen.
Scheinbar. Schaut man sich zum Beispiel die Listengestaltung für die Bundestagswahl in vielen Landesverbänden an, dann werden gute, talentierte Leute auf die hinteren Plätze gewählt. Einfach, weil sie gut sind! Für die anderen Parteien ist das natürlich super. Die können nun zusehen, wie sich diese Partei selbst zermürbt. Die AfD muss deshalb rasch ihre Hausaufgaben machen und wieder Fokus gewinnen, sich auf Themen und auf ihren Markenkern konzentrieren.

Hat die AfD überhaupt noch einen Markenkern?
Klar: die Begrenzung der Zuwanderung. Wenn man heute eine Umfrage machen und die Leute fragen würde: "Welche Partei steht für die Begrenzung der Zuwanderung?" dann würden sehr viele die AfD nennen. Das ist der zentrale Pluspunkt der Partei, ihr Alleinstellungsmerkmal.

Und sonst?
Die ganze Eurokritik war mal der Wirtschaftskern der Partei. Aber das ist sehr abstrakt, denn die Folgen dieser Politik merken die Leute in ihrem Leben nicht direkt. Es braucht mehr Erklärungen, um den Menschen die Folgen der Europolitik zu erklären und dafür besteht zumeist keine Zeit.

Hat die Partei mit dieser Ausrichtung eine Zukunft?
Wenn man den Anspruch hat, eine Volkspartei zu werden und sich bei 20 oder 25 Prozent etablieren will, muss man thematisch breiter werden.

Braucht die Partei dafür Frauke Petry?
Ich kenne mich in der Partei personell zu wenig aus, bin aber sicher, dass die Partei alle klugen Köpfe braucht, um zu punkten. Das Problem ist aber, dass es bei der AfD wie im Kindergarten zugeht. Das ist wie früher im Sandkasten: Keiner will seine Förmchen teilen. Jeder schaut nur auf seinen Sandhaufen und im Zweifelsfall wird mit der Schaufel auf den Kopf des Spielgefährten eingedroschen.

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