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Werner knallhart

Teure, schwere Schulranzen: So sät man Hass auf Bücher

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10-Prozent-Regel offiziell abgeschafft

Früher galt die Faustregel: 10 Prozent des Körpergewichts des Schülers darf die Tasche wiegen. Heute weiß man: Ein übergewichtiges Kind hat nicht automatisch mehr Rücken- und Nacken-Muskeln als ein leichtes. Die Konstitutionen sind zu unterschiedlich, die Entwicklungsstufen zu verschieden. Die 10-Prozent-Regel wurde offiziell verworfen. Dann gibt es Experten, die sagen: Ein bisschen Schleppen kann den Rücken stärken. Andere sagen: Ein bisschen Schleppen schon. Aber leider richtet sich die Länge des Schulwegs nicht nach dem Gewicht der Tasche?

Kein Wunder, dass Scout bei all dem Hickhack die Waage wieder abgeschafft hat.

Die schweren Bücher gibt es aber immer noch. Viele Schulen haben zwar mittlerweile Spinde für ihre Schützlinge in die Flure oder Klassen gestellt. Dort können die Kinder und Teenager Bücher deponieren, die sie die kommenden Tage nicht brauchen. Doch welche Bücher braucht man denn nicht? Soll das ein kleines Kind zuverlässig planen? Da hat man mal Hausaufgaben auf und das Buch dümpelt im Schulspind und man liegt mit Herzrasen wegen der unerledigten Hausaufgaben zuhause und kann nicht einschlafen. Genau aus diesem Grund schleppen viele Kinder ihre Bücher eben doch sicherheitshalber heim. Trotz der Spinde, die sowieso längst nicht überall angeboten werden. Es gibt Eltern, die kaufen ihren Kindern einen Altas für Zuhause zusätzlich zum Schul-Exemplar. Aber das kann sich nicht jeder leisten.

Und so rackern sich Millionen von Kindern ihre dünnen schmerzenden Rücken schwitzig und Eltern helfen den Kleinen morgens beim Aufsetzen der Tasche, damit der Nachwuchs nicht beim Hochwuchten nach hinten taumelt und dabei den Frühstückstisch abräumt.

Es gäbe aber eine gesunde Lösung. Und die heißt Tablet-Computer. Sowas hat die Menschheit nämlich schon erfunden. Zwar ist es schwieriger, in E-Books Notizen zu machen, aber das ist bei den meist ausgeliehenen Schulbüchern ohnehin nicht gestattet. Und gerade die schweren Bio-Bücher und Atlanten, die wegen ihrer Illustrationen so groß und dick sind, ließen sich wunderbar auf elektronischen Bildschirmen betrachten. Ja, das bedeutet Disziplin beim Akku-Aufladen, das bedeutet womöglich Steckdosen an jedem Sitzplatz, aber so ein Tablet muss kein High-End-Gerät sein. Es würde so viel kosten wie ein Scout, vielleicht doppelt so viel. Aber die Kosten dafür könnte die Schule zum großen Teil übernehmen. Denn die spart die Bücher ein, die teurer sind als die elektronische Ausgabe. Und sie spart eine Menge Schulbuch-Verwaltungs-Arbeit. Jeder Schüler hätte immer die neueste Auflage parat. Und der Computer wäre zunächst einmal nicht mehr als ein anderes Medium für dieselben Inhalte. Was sollte man dagegen sagen? Es wäre einfach: leichter.

In einzelnen deutschen Kommunen, in einzelnen Klassen laufen schon Versuche. Noch zaghaft. Aber immerhin.

Den Schülern bleiben irgendwann nur noch die Hefte, die Stifte, die Ordner. Und ein kleines elektronisches Täfelchen, ein entspannter, schmerzfreier Rücken und das gute Gefühl, dass die Schule einen dort abholt, wo man auch in seiner Freizeit lebt: im 21. Jahrhundert. Es wird ja kommen. Wie die Elektroautos. Aber warum können wir in Deutschland nicht einfach mal die Ersten sein?

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