Werner knallhart Bei Zigaretten-Werbung ist Deutschland Bananenrepublik!

Was läuft da bloß Widerliches zwischen Tabak-Lobby und Bundesregierung, dass das vom Bundeskabinett vor einem Jahr verabschiedete Zigaretten-Werbeverbot einfach nicht in den Bundestag kommt? Im EU-Vergleich ist Deutschland da echt das Letzte.

Ausschnitt aus Tabak-Plakatwerbung. Quelle: Marcus Werner

Raucher sind statistisch gesehen weniger gebildet, aber dafür älter. Und sehen dank der Tabakgifte obendrein auch noch älter aus. Dieser ledrige Vintage-Look mit den roten Adern an den Nasenflügeln. Wir kennen das. Nicht böse gemeint, aber es fällt halt auf.

Dass das ganz schön uncool ist, das sagt einem der gesunde Menschenverstand - solange dieser eben noch gesund und nicht vom Nikotin plattgehämmert wurde.

Also kommt es der Tabakindustrie vor allem darauf an, den Willen der Menschen ein- für allemal zu brechen - mit aller Wucht der gefährlichen Gifte, die im Tabak erlaubt sind. Dazu muss das Gift aber erstmal in den Körper der Opfer.

Die Berufe mit den meisten Rauchern
Frauen Platz 5: Gästebetreuung mit 42,1 ProzentZwei von fünf Frauen in der Gästebetreuung rauchen gerne mal eine Zigarette zwischendurch. Die Zahlen stammen aus dem Tabakatlas, einer Studie des Deutschen Krebsforschungszentrums. Erwerbstätige Frauen rauchen deutlich weniger als ihre männliche Kollegen: Nur 42,7 Prozent greifen zur Zigarette (Männer: 55,8 Prozent). Quelle: dpa
Frauen Platz 4: Malerinnen und Lackiererinnen mit 42,6 ProzentMinimal häufiger als Kellnerinnen greifen professionell malende Frauen zum Glimmstängel. Generell haben Akademikerinnen eine niedrigere Raucherquote als Frauen mit geringerer Bildung. Nur jede sechzehnte Apothekerin und jede zehnte Ärztin rauchen. Zum Vergleich: Über 40 Prozent der Helferinnen in der Krankenpflege und Altenpflegerinnen qualmen am Glimmstängel. Quelle: Fotolia
Frauen Platz 3: Wächterinnen und Aufseherinnen mit 47 ProzentWer die ganze Zeit nur rumsteht und auf Dinge aufpasst, der ist froh, wenn er – oder besser gesagt sie – sich ab und zu eine Zigarette anzünden kann. Quelle: Fotolia
Frauen Platz 2: Berufskraftfahrerinnen mit 49,4 ProzentJede zweite Berufskraftfahrerin raucht. Damit liegt sie deutlich vor Berufen wie Ingenieurin (8,0 Prozent), Gymnasiallehrerin (10,8) oder Maschinenführerin (40,5). Quelle: Fotolia
Frauen Platz 1: Werk-, Personenschützerinnen und Detektivinnen mit 50,5 ProzentBei der rauchenden Personenschützerin oder Detektivin bleibt sicher nichts im Nebel. Zumindest im übertragenen Sinn. Das Bild zeigt Angela Merkel mit einer Personenschützerin. Quelle: dpa
Männer Platz 5: Hotel- und Gaststättenkaufleute mit 52,9 ProzentMehr als die Hälfte aller Wirte und Hoteliers konsumieren die Glimmstängel. Auf den unteren Plätzen folgen Gästebetreuer (52,2 Prozent), Tiefbauberufe (52,1), Bauhilfsarbeiter (51,5) sowie Maler und Lackierer (51,3). Quelle: dpa
Männer Platz 4: Transportgeräteführer mit 53,8 ProzentEin Transportgeräteführer steuert zum Beispiel Stapler, Kräne oder Aufzüge. Ob die Kranführer nur in der Pause oft rauchen oder auch in der Kabine am Glimmstängel ziehen, wurde übrigens nicht erfasst. Quelle: dpa
Männer Platz 3: Mitarbeiter in Reinigungs- und Entsorgungsberufen mit 54,4 ProzentMehr als die Hälfte der Müll- und Putzmänner greift regelmäßig zur Zigarette. Spätestens seit den sechziger Jahren gibt es immer weniger Raucher in Deutschland. Nur 17 Prozent der über 30-jährigen Frauen rauchten 1930, im Jahr 1960 war es die Hälfte. Heute raucht nur noch jede fünfte Frau über 15 Jahren. Ein ähnliches Bild bei den Männern: In den 50er-Jahren rauchte fast jeder dritte der über 30-Jährigen, heute nur noch 30 Prozent der über 15-Jährigen. Quelle: dpa
2. Werk-, Personenschützer und Detektive mit 55,4 ProzentAuch Stereotypen bedient der neue Tabakatlas: So liegen die Detektive mit 55,4 Prozent auf Rang zwei. Der größte Exporteur von Rohtabak ist übrigens Brasilien mit 534.000 Tonnen pro Jahr. Danach kommen China (226.000 Tonnen) und Indien (188.000). Quelle: Fotolia
Männer Platz 1: Möbelpacker mit 85,3 ProzentSieben von acht Möbelpackern konsumieren regelmäßig Tabakprodukte. Ob sie damit wohl weniger aus der Puste kommen? Auf jeden Fall liegen sie mit deutlichem Abstand vor allen anderen Berufsgruppen. Und über der bundesweiten Raucherquote. Die lag nämlich im Jahr 2013 bei 24,5 Prozent.

Aber wie? Rauchen ist mit Vernunft betrachtet absoluter Unsinn. Das wissen selbst Raucher. Es gibt kein einziges gutes Argument dafür. Das von den Rauchern irgendwann als wohltuend empfundene Gefühl von Entspannung beim Rauchen erleben Nichtraucher als Standard durchgängig ganz ohne Droge.

Und dann die 121.000 toten Raucher und Passivraucher jedes Jahr in Deutschland. 30 Mal mehr als Verkehrstote. Das macht keinen einladenden Eindruck.

Selbst ganz viele Jugendliche finden Rauchen einfach uncool. Die Zahl der jungen Raucheinsteiger sinkt rapide. Und so kommen zum Nachteil der Tabak-Branche keine jungen Abhängigen mehr nach. Die tödliche Industrie (wie die Weltgesundheitsorganisation es nennt) droht hierzulande am Mangel an Drogenabhängigen kaputt zu gehen.

Also, schnell! Wie erklärt man diesen unverschämt vernünftigen jungen Leuten als den wertvollen Opfern der Zukunft dann, dass es eine gute Idee ist, mit dem Rauchen anzufangen? Ganz ohne Argumente?

Das geht nur mit Emotionen. Die Botschaft muss unter Umgehung des Gehirns direkt in den Bauch. Und wie macht man das? Mit Werbung!

Und so kommt es zu lächerlichen Marken-Auftritten. Andere Branchen krümmen sich bestimmt vor Lachen über diese perversen Plakate:

Winston Tabak bildet einen richtigen Mann ab. Muskeln, haarige Unterarme, wie er da im T-Shirt mit schmuddeligem Ellbogen-Verband erschöpft und verschwitzt neben seinem Motorrad in der Garage herum lümmelt. Gerade zündet er sich eine Fluppe an. Darunter steht:

„1 Bike. 3 Stunden Tuning. 5 Minuten Freiheit. Rauchen mindert Ihre Fruchtbarkeit.“

Quelle: Marcus Werner

Hihi, der letzte Satz steht da, weil er da stehen muss. Denn das Plakat bildet die Produktverpackung ab und da darf der Warnspruch nicht abgedeckt werden. Tja, Machomann, überleg es dir: Nikotin oder Erektion? Hier wählt der Schrauber die Droge statt guten Sex. Weil das ja Freiheit ist. Und die Werbeagentur kriegt das beim Auftraggeber durch. Die müssen eben irgendwie ran an die Jugend.

Pall Mall hat immerhin einen Weg gefunden, die Zigaretten-Packung so zu inszenieren, dass man keine schwarzen Lungen oder Luftröhrenschnitte erkennen kann. Sie zeigen nur die winzige Oberseite. Und dann lautet die Aussage des Plakats unter einer Gruppe herum flachsender Hipster: „Enjoy the moment. Rauchen kann tödlich sein.“ Der erste Teil ist die Kür, der zweite die gesetzliche Pflicht unten fett am Rand. Aber es klingt eben wie: Deine Zigarette bringt dich um. Nutz die verbleibende Zeit. Wenn Illusion auf Wahrheit prallt. Schräg!

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