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Werner knallhart
Wir brauchen jetzt mehr Tempo 30. Quelle: imago images

Dank E-Tretrollern: Wir brauchen jetzt mehr Tempo 30

Wo es keinen Radweg gibt, müssen die E-Tretroller zu den Autos. Geht ja nicht anders. Aber die Roller dürfen maximal 20 Stundenkilometer fahren, mitten auf der vierspurigen Straße. Da muss etwas geschehen.

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Die E-Tretroller kommen. Juhu! Ich freue mich drauf. Die Geräte sind sogar noch so neu, da gibt es noch nicht mal einen einheitlichen Namen für.

E-Tretroller: Eigentlich ein blöder Name, weil man sie ja nur symbolisch ein, zwei Male zu Beginn der Fahrt lostreten muss.

E-Scooter: Steht sowohl für elektrische Tretroller als auch für Motorroller und sogar Skateboards mit Lenkstange. Diesen Begriff verwenden die meisten so: „E-Scooter, also diese Tretroller, nicht die Motorroller oder so.“ Das hält im Alltag zu sehr auf.

E-Stehroller: Trifft die Fahrweise am besten und ist gut unterscheidbar.

Ich wähle also „E-Stehroller“, in der Überschrift bleibt aber Tretroller, denn wer googelt heute schon Stehroller? So.

Also diese E-Stehroller kommen jetzt. Und weil wir Deutschen mal wieder so angstlahm sind, können wir als feige Nachzügler schon direkt die Fehler der mutigeren Nationen vermeiden. Wenn schon spät, dann wenigstens gut. In Städten wie Paris, Madrid, Wien und San Francisco kristallisieren sich bereits folgende Probleme raus:

1. Die Fahrt mit E-Stehroller ist auf Gehwegen zu gefährlich. (Erlaubt Deutschland gar nicht erst. Check!)

2. Die E-Stehroller sind mit 25 Stundenkilometern in der Spitze zu schnell. (Deutschlands Roller dürfen nur 20 km/h. Check!)

3. Miet-E-Stehroller werden von den Mietern nach der Fahrt kreuz und quer auf Gehwegen abgestellt, wo sie leicht umkippen. Bei mehreren nebeneinander dank des Dominoeffekts gleich reihenweise im wahrsten Sinne. Das sieht dann sehr deprimierend aus. Hier reagieren die ersten Städte weltweit und zwingen E-Stehroller-Fahrer mitunter, die Roller nur noch in speziellen Parkzonen abzustellen. Das nimmt dem ganzen Konzept natürlich einen großen Teil seiner Leichtigkeit und Flexibilität. In Deutschland ist klar geregelt: Die neuen Roller sind abzustellen wie Fahrräder. Also auch auf dem Gehweg.

Was aber keiner auf dem Zettel hat, ist das, was ich den SMS-Effekt nenne. Damals war die Idee: Umständlich über die Handytastatur Texte eintippen wie bei einem ollen Pager, statt mal eben schnell anzurufen. Heute wissen wir, was die Welt von Textnachrichten hält. Das war einfach nicht absehbar.

Diese E-Scooter dürfen bald auf deutsche Straßen
Zwar ist die sogenannte Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung (eKFV) seit der Bundesratsentscheidung vom 17. Mai beschlossene Sache, doch bedarf es noch einiger Formalitäten bis diese auch gesetzlich verankert ist. Mitte Juni soll die letzte Hürde genommen sein. Dann dürfen E-Scooter, sofern sie den Anforderungen eben dieser eKFV gerecht werden, im Straßenverkehr eingesetzt werden. Die Auswahl an legalen Rollern ist derzeit noch überschaubar, doch ein paar kann man bereits jetzt oder demnächst kaufen. Wer in puncto Qualität, Fahrspaß und Sicherheit gewisse Ansprüche hat, darf ruhig etwas mehr investieren. Ein gehobener dreistelliger Betrag sollte es schon sein. Quelle: Walberg Urban Electrics
In dieser Preisregion bewegt sich zum Beispiel der E-Scooter Sparrow-Legal von IO Hawk, der bereits die Zulassungstests vom TÜV Rheinland bestanden hat. Quelle: IO Hawk
Nur 20 Euro mehr kostet der ab Herbst erhältliche E-Scooter, den BMW gemeinsam mit dem schweizerischen Unternehmen Micro entwickelt hat. Quelle: BMW
Mit 1650 Euro mehr als doppelt so teuer ist der Egret-Ten V4, der dank seiner 10 Zoll großen Luftreifen allerdings auch bessere Fahreigenschaften als die beiden anderen Mitbewerber verspricht. Quelle: Walberg Urban Electrics
Bereits seit März 2019 ist als erster in Deutschland zugelassener Roller der Metz Moover erhältlich, der sich durch noch größere 12-Zoll-Luftreifen auszeichnet. Quelle: Metz
Nochmals teurer und nochmals erwachsener ist der von BMW und Kettler stammende X2City, der auf großen 16-Zoll-Luftreifen fährt. Das allerdings auch 21 Kilogramm schwere Gefährt hat ebenfalls eine 250-Watt-Maschine sowie eine herausnehmbare 408-Wh-Batterie, die bis 30 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Beschleunigt wird hier nicht wie sonst meist üblich mit Hand- sondern mit Fußgas. Die Sicherheitsausstattung kann sich sehen lassen, denn es gibt hydraulische Scheibenbremsen und LED-Leuchten. Wie die anderen Roller ist auch der X2City klappbar, angesichts seiner Größe und seines Gewichts allerdings nicht mehr wirklich handlich. Dafür ist der große E-Scooter mit eKFV-konformer Ausstattung bereits bestellbar. Sein Preis liegt bei rund 2.400 Euro. Quelle: BMW

Und ich behaupte: Wir werden uns noch genauso die Augen reiben, wie die Elektrokleinstfahrzeuge den Autoverkehr auf den Straßen revolutionieren werden. In einem Bereich, der uns noch gar nicht vorschwebt. Denn: Wenn keine Radwege da sind, müssen die Roller zu den Autos auf die Fahrbahn.

Nehmen wir exemplarisch mal die Detmolder Straße in Bielefeld. Eine vierspurige Ausfallstraße, die auch noch von Stadtbahnen benutzt wird. Dort war die Stadtverwaltung so, ja, dösig, bei der Renovierung vor wenigen Jahren auf Radwege zu verzichten. Wenn dort die Leute nach Feierabend gerne schnell nach Hause möchten, liegt die allgemeine Reisegeschwindigkeit stadtauswärts bei rund 60 km/h. Und weil viele Leute nicht gerne das eierige Gequietsche von Bahnschwellen unter den Reifen haben, wechseln die Autofahrer ständig die Spur. Jeder Radfahrer kennt so eine Horror-Straße.

Und jetzt Sie dazwischen auf dem E-Stehroller leicht bergauf mit 18 km/h. In kurzer Hose, T-Shirt, ohne Helm. Aber mit einer hell tönenden Glocke am Lenker. Wenn Sie dann mitten auf Ihrer Spur fahren, werden Sie von Taxifahrern angehupt, wenn Sie eingeschüchtert ganz rechts auf Ihrer Spur fahren, werden Sie von Mercedes-AMG-Fahrern so nah überholt, dass Sie den Luftzug des Außenspiegels an Ihren Händen spüren. Wie den Hauch des Todes.

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