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Werner knallhart

Standortnachteil Regionalstolz: Von wegen Deutsche Einheit

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Regionalstolz aus Fürsten- und Hansezeiten

Die Existenz von Bundesländern wie dem Saarland, Bremen oder Brandenburg um Berlin herum zeigt auch, dass die Pflege von Regionalstolz aus Fürsten- und Hansezeiten vielen immer noch mehr gilt, als eine effiziente Verwaltung, bei der Synergien den deutschen Steuerzahlern Milliarden sparen würden. Und dann über den sauteuren doppelten Sitz des Europaparlaments in Brüssel und Straßburg mosern...

Man könnte doch bei der Zusammenlegung von Bundesländern all das so deichseln, dass die Gemeinsamkeit aller und die Einzigartigkeit der Regionen gleichsam gepflegt würde. Stattdessen wird die Diskussion als Sommerlochfüller abgetan. So absurd wirkt die vernünftige Überlegung auf viele.

Die Eigenheiten der deutschen Regionen und Unterregionen und Unterunterregionen sind ja typisch deutsch und meistens unbedingt erhaltenswert. Wir dürfen stolz sein auf das, was unsere Regionen heute leisten. Wussten Sie etwa, dass Ostwestfalen-Lippe rund um Bielefeld bundesweit als Vorzeigeregion bei der Verzahnung von Mittelstand, Konzernen, Forschung und Lokalpolitik gilt? Haut damit auf die Pauke! Und: Erfurt ist wunderschön. Gebt damit an!

Diese Städte haben sich am besten entwickelt
Fürth Quelle: Fotolia
Heilbronn Quelle: Fotolia
Nürnberg Quelle: DPA/Picture-Alliance
Fuggerei in Augsburg Quelle: dpa
Regensburg Quelle: Dpa
Frankfurt
Würzburg Quelle: DPA

Aber leider werden die lokalen Eitelkeiten im Kleinklein eben oft zur Bremse. Und im schlimmsten Fall zeigt sich Regionalstolz in Fremdenfeindlichkeit. Gegenüber Deutschen.

Dann steht da „Schwaben raus“ auf Häuserwänden. Oder es kleben Sticker auf Laternen: „Du bist kein Berliner“ (ob ironisch oder nicht - es zeigt, worüber die Stadt spricht).

Wer zu einem Deutschtürken sagt: „Du wirst niemals ein richtiger Deutscher sein“, der stellt sich selbst als Rassist ins Abseits. Aber wenn ein Berliner einem zugezogenen Deutschen sagt: „Du wirst niemals ein richtiger Berliner sein“, dann ist das also eine herrlich schrullige Eigenheit der Berliner? Sie tut manchen Menschen trotzdem weh. Ausgrenzung nicht aus falschem Nationalstolz, sondern aus falschem Regionalstolz. Und das soll charmant sein?

Niemals wäre ich ein Badener geworden. Niemals werden Sie ein Sachse, wenn Sie aus Hamburg hinziehen. All das wäre ja egal, wenn die Verwehrung dieser Ehre nicht einherginge mit Ausgrenzung - an Schulen, am Arbeitsplatz, beim Sport, in der Lokalpolitik.

Zugezogene sollten selbstbewusst kühl kontern. Als Teenager habe ich mein Hochdeutsch verteidigt: „Ich will Fernsehsprecher werden. Das geht nicht mit Badisch.“

In Berlin etwa sind die dort Geborenen seit Kurzem in der Minderheit. Das trägt zwar nicht gerade zu deren Selbstwertgefühl bei, was ihre Stellung in der Stadt angeht, sollte sie aber erst recht umstimmen, was ihre Definition vom „echten“ Berliner angeht.

Die Berliner, die Berlin mehrheitlich ausmachen, die Kultur und das Stadtbild zum größten Teil prägen und der Metropole zumindest ein wenig Weltgewandtheit einhauchen, die, die den Glanz der Stadt mit ihren Steuergeldern zu einem großen Teil finanzieren, das sind die Menschen aus allen Regionen Deutschlands, Europas und der Welt. Die dort ihr Glück suchen. Das ist das New-York-Gefühl in Ostdeutschland. Und das ist nun mal das Berlin der Zugezogenen.

Der in Berlin Geborene, der immer noch dort lebt, ist insofern eine kuriose Minderheit. Er hat wohlmöglich noch nicht viel von der Welt gesehen. Aber meine Güte, jeder wie er will.

Ich würde sagen: Die in Berlin Geborenen sind in unserem Berlin der Zugezogenen natürlich weiter herzlich willkommen. Und ich unterstelle, das sehen alle anderen Zugezogenen in sämtlichen Regionen Deutschlands bei sich vor Ort auch so. Die Eingeborenen sind auch die Originale. Auch! Keine Stadt, keine Region Deutschlands ist bedeutsam genug, um sich die Arroganz leisten zu können, andere nicht anzunehmen.

Auf die deutsche Einheit!

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