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Werner knallhart

Der Gender-* diskriminiert alle Gender

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Sprechbare Bezeichnungen für alle!

Nun ist es aber so, dass Schrift nur ein Vehikel ist, um gesprochene Sprache zu konservieren. Die gesprochene Sprache ist das Original. Textelemente, die man nicht sprechen kann, sind codierte Informationen, aber keine Sprache. Lesen Sie mal Texte in Anführungsstrichen und Klammern vor, ohne beschreibend mit den Händen zu wedeln. Und nun sollen 58 Geschlechtsidentitäten als codierte Info per * reingepresst werden? Ich finde das unbeabsichtigt diskriminierend, oder zumindest fürchterlich unbeholfen.

Die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern

Das merkt man daran, wenn man versucht, den *-Text vorzulesen. Wenn ein * für 58 Gender steht, was soll man dann sagen?

Es gibt wahrhaftig Aussprache-Vorschläge von Wissenschaftlern, wie man das Sternchen sprechen soll. Per „Glottisschlag“, bei dem sich die Stimmlippen im Kehlkopf stimmlos und leise knackend öffnen, wie beim E bei Spiegel-Ei (anders als bei Spiegelei). Dazu soll man dann eine streichende Handbewegung machen. Also „Fahrer (kurzes Innehalten des Kehlkopfes und Handbewegung) Innen“. Ich wage eine Prognose: Durchsetzungswahrscheinlichkeit 0%. Und was sollen Blinde und Radiohörer davon halten?

Das Dilemma ist: Neue gesellschaftliche Offenheit trifft auf über Jahrhunderte gewachsene Sprache. Letztere lässt sich nicht mit geschlossenen Stimmlippen umpusten. Wie schwer es ist, den Muttersprachler neue Sprachregelungen beizubringen, zeigt die Rechtschreibreform Ende der 90er-Jahre und die Diskussion um den Negerkuss. Das Anliegen ist gut, doch die Akzeptanz scheitert am alten Trott.

Der * ist ein gut gemeintes, aber untaugliches Symbol, das Texte unlesbar macht. Bei „Fahrer*innen“ liest jedes Gehirn „Fahrerinnen“. Und warum sollte von allen 60 Gendern nun ausgerechnet die eine Wahrnehmung auf der Frau liegen?

Dann können wir genauso mit dem generischen Maskulinum „Fahrer“ weitermachen, der schließt offiziell alle Geschlechter ein, tendiert in seiner Wahrnehmung durch die Menschen nach Untersuchungen zwar eher zum Mann, aber eben nur „eher“ Richtung Mann und nicht eindeutig Richtung Frau wie bei „innen“, ist außerdem immerhin kürzer, lesbar und ist bereits gelernt.

Wem nun der Puls hochgeht, der muss jetzt einmal bitte auf neutral schalten. Geben Sie folgendem Gedanken eine Chance: Der * ist ein unaussprechbares Symbol für 58 Gender. Einfach per Definition. Warum definieren wir nicht an einer anderen Stelle um?

Wir definieren: „Die Fahrer“ ist gender-neutraler Plural. Er war bis 2017 maskuliner Plural, der lange Zeit generisch auch für die weibliche Fassung stand. Dann kam das -innen, um den Frauen genüge zu tun. Aber weil das schon nicht ordentlich lesbar war und der * als noch unbelegtes Symbol auf der Tastatur noch mehr Gedankenchaos verursacht hat, haben wir alles zurückgeschnitten und den Männern ihr grammatikalisches Geschlecht einfach weggenommen. Für alle 60 Gender.

„Liebe Fahrer, liebe Studenten, liebe Kollegen“ meint dann ausdrücklich Männer, Frauen, Transvestiten, Butches, Transgender und alle anderen.

Aus dem Professor wird "Professx"
Mit dem X gegen KlischeesLann Hornscheidt, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, möchte mit einer kleinen Wortänderung traditionelle Geschlechterrollen in der Sprache aufbrechen. Häufig fühlten sich Studierende diskriminiert, weil sie als „Herr“ oder „Frau“ angesprochen würden, sagte Hornscheidt. Die Wissenschaftlerin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien schlägt vor, etwa von „Professx“ statt von „Professor“ oder „Professorin“ zu sprechen. Die neutralen Endungen entfernten den Zwang, sich einem Geschlecht zuordnen zu müssen. „Die x-Form soll deutlich machen: Es gibt auch noch mehr als Frauen und Männer.“ Quelle: Fotolia
Schön dem Herrn Professorin zuhörenGleichberechtigung schön und gut. Eine Radikalkur in Sachen Feminismus gibt es an der Uni Leipzig: Dort sind Männer jetzt auch Frauen - zumindest sprachlich. Denn die neue Verfassung der Universität sieht nur noch weibliche Bezeichnungen vor. Schrägstrichbezeichnungen wie "Professor/in" entfallen und werden durch die weibliche Form ersetzt. So ist mit "Professorin" künftig auch ein Mann gemeint, worauf dann eine Fußnote verweisen soll. Die neue Grundordnung ist zwar noch nicht in Kraft getreten - doch mit einem Widerspruch rechne man nicht. Quelle: dpa
Frauenquote für StraßennamenFür Schlagzeilen sorgt die Gender-Debatte immer wieder. Derzeit steht die Namensgebung für Straßenschilder in Berlin-Kreuzberg im Blickpunkt: Das Jüdische Museum (Foto) möchte seinen Vorplatz nach dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn benennen. Doch die Verwaltung sperrt sich dagegen, denn in dem Stadtteil gibt es seit 2005 eine Frauenquote für Straßennamen. Demnach muss die Hälfte  der Straßen und Plätze nach Frauen benannt werden. Bis die Quote erreicht ist, dürfen nur noch weibliche Namen vergeben werden. Quelle: REUTERS
Änderung der österreichischen NationalhymneNach langem Rechtsstreit hat Österreich seine Nationalhymne geändert, und ehrt nun nicht mehr nur die „Heimat großer Söhne“ sondern auch der „Töchter“. Aus "Heimat bist du großer Söhne, Volk, begnadet für das Schöne" wurde nach jahrzehntelangen Debatten ab Januar 2012 in der ersten Strophe: "Heimat großer Töchter und Söhne, Volk, begnadet für das Schöne". Geändert wurde auch die dritte Strophe der von Paula Preradovic gedichteten Bundeshymne: Statt „Einig lass in Bruderchören, Vaterland dir Treue schwören" werden nun „Jubelchöre" besungen. Das von manchen bevorzugte "Heimatland" statt "Vaterland" konnte sich hingegen nicht durchsetzen. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Mädchen mit Pistolen in SchwedenSchweden gilt nicht ohne Grund als Vorreiter in Sachen Gleichstellung. Weihnachten 2012 nahm das neue Ausmaße an: Nach massiven Beschwerden über Rollenklischees in einem Spielzeug-Katalog wurde ein geschlechtsneutraler Katalog herausgebracht. Darin posieren kleine Mädchen mit Spielzeugpistolen, Fußbällen und Autos. Kleine Jungs dürfen dafür mit dem rosa Friseur-Set spielen oder Hunde, die mit Schleifchen dekoriert wurden, Gassi laufen. Quelle: dpa
Geschlechtsneutrale Vorschule in SchwedenUnd noch einmal Schweden. Dort gibt es eine umstrittene geschlechtsneutrale Vorschule namens „Egalia“. In der Einrichtung sollen die Kinder sich so entwickeln, wie sie es möchten, ohne in stereotype Rollenbilder gedrängt zu werden. Die Worte „Junge“ und „Mädchen“ werden nicht in den Mund genommen, stattdessen sagen die Erzieher/innen „Freunde“. Auch bei der Auswahl der Spielsachen werden Klischees vermieden. So gibt es etwa kein einziges Märchenbuch, weil Märchen Klischees vermitteln; traditionelle Lieder wurden umgedichtet. Quelle: dpa
Unisex-Toiletten in BerlinDer Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg nimmt sich all jenen an, die sich beim Toilettengang nicht entscheiden können, welche Tür sie nehmen sollen. Wer sich weder als Mann, noch als Frau fühlt, soll zukünftig in öffentlichen Gebäuden Unisex-Toilette nutzen können. Quelle: dpa/dpaweb

Nehmt den Männern ihre exklusive knackig-kurze Endung. Sprechbare Bezeichnungen für alle! Die Männer hätten dann keinen eigenen Plural mehr, die Frauen wären ihr unlesbares „/-innen (-innen) Innen“ los und die 58 anderen ihr *. Wie im Englischen. Oder fällt Ihnen es etwas Praktikableres ein, was Chancen hat, von einem Großteil derer, die Deutsch schreiben, lesen und sprechen, in Herz und Hirn aufgenommen zu werden? Und ich meine jetzt nicht nur die Abgeordneten von Linken, Grünen und SPD auf Twitter. Sondern alle.

Wer als Teil einer kleinen, feinen, außergewöhnlichen Minderheit gemeinsam mit anderen 58 kleinen, feinen, außergewöhnlichen Minderheiten ganz unprätentiöser Teil einer bunten Gesellschaft sein möchte und können soll, der darf nicht mit unaussprechbaren Sonderzeichen abgespeist und sprachlich an den Rand gedrängt werden.

Und statt „Meine Damen und Herren“ künftig „Hallo Leute“. Warum eigentlich nicht?

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