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Who is Who der Wirtschaft ehrt Kanzlerkandidaten Herr Laschet und der Sinneswandel beim Mittelstand

Armin Laschet beim Annehmen des Elite-Mittelstandspreises. Quelle: dpa

Die Stiftung der Eigentümerunternehmer ehrt Armin Laschet mit dem Elite-Mittelstandspreis. Dabei hatte der Mittelstand zuvor Markus Söder oder Friedrich Merz favorisiert. Der lange Unterschätzte freut sich – und liefert.

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Noch ist er nicht Kanzler, aber der deutsche Mittelstand investiert langfristig – auch seine Zeit. Und so war es kein Wunder, dass bei der festlichen Verleihung des Elite-Mittelstandspreises 2020/21 an Armin Laschet am Donnerstagabend das Who is Who der deutschen Wirtschaft in die Berliner Repräsentanz der Deutschen Bank gekommen war, um sich dem Kanzlerkandidaten der Union persönlich zu empfehlen. Neben Hausherrn Christian Sewing waren unter anderem Telekom-Chef Timotheus Höttges erschienen, Ex-BDI-Chef Ulrich Grillo, Berater-Legende Roland Berger und Stecker-König Walter Mennekes. Auch Tunnelbauer Martin Herrenknecht, der lange für Friedrich Merz als CDU-Chef geworben hatte, war trotz seines 79. Geburtstags extra nach Berlin gereist, um Laschet persönlich zu gratulieren.

Ob Politik oder Wirtschaft – es ist halt immer klug, rechtzeitig auf der richtigen Seite zu stehen. Zwar versicherte Ex-RWE-Chef und Stahlbauunternehmer Jürgen Großmann in seiner Laudatio, dass die Entscheidung für die Preisverleihung an Laschet schon 2019 gefallen war – zu einem Zeitpunkt also, als die Stiftung „Wir Eigentümer-Unternehmer“ noch nicht davon ausgehen konnte, dass aus dem NRW-Ministerpräsidenten der nächste CDU-Vorsitzende, Kanzlerkandidat und mögliche neue Regierungschef werden würde. Aber Großmann wies auch darauf hin, dass die Karriere der meisten Preisträger nach ihrer Auszeichnung steil nach oben gegangen sei: Gerhard Schröder, der ebenfalls anwesend war, wurde später Kanzler, Frank-Walter Steinmeier Bundespräsident und Olaf Scholz Vizekanzler. Und auch Friedrich Merz, ebenfalls Preisträger, stehe ja wohl ein politisches Comeback bevor, spekulierte Großmann.

Fast jeder Redner lobte Laschets langjähriges Eintreten für den Mittelstand, seinen Kampf gegen die Bürokratie und sein wirtschaftsfreundliches Wahlprogramm. Am Ende aber war es Timotheus Höttges, der die wahren Motive der Eigentümer-Unternehmer auf den Punkt brachte. „Preise werden angeblich für erbrachte Leistungen vergeben“, sagte der Telekom-Chef, „aber seien wir ehrlich, denn wir kennen ja auch die Schlitzohrigkeit der Mittelständler: Es geht heute um das, was man von Ihnen noch erwartet, Herr Laschet.“

Der so Angesprochene schmunzelte und warf Ex-Kanzler Schröder an seinem Tisch einen wissenden Blick und ein kurzes Nicken zu. Schröder hatte es immerhin geschafft, auch als Sozialdemokrat zum „Kanzler der Bosse“ zu werden – eine Bezeichnung, die in der SPD meistens als Kritik, von Schröder selbst aber stets als Auszeichnung verstanden worden war. Als Laschet in seiner Rede die Agenda 2010 und Schröders mutigen Kampf für diese Reform erwähnte, zeigte der donnernde Applaus der Unternehmer, dass die Wertschätzung für den Ex-Kanzler in großen Teilen der Wirtschaft bis heute anhält.

„Lasst uns einfach in Ruhe“

So weit muss Laschet trotz aller Vorschusslorbeeren der Eigentümer-Unternehmer erst einmal kommen, aber in seiner Dankesrede traf auch er den Ton. Ähnlich wie bei der Agenda 2010 stehe man jetzt nach der Coronakrise wieder vor einem Epochenwechsel, mahnte der Kanzlerkandidat. „Unsere Wirtschaft soll klimaneutral werden, aber wir wollen auch Industrieland bleiben.“ Beides zusammen, also „ein klimaneutrales Industrieland, ist sehr ambitioniert“. Er wolle dieses Ziel auf jeden Fall erreichen, versprach Laschet, aber „die Methode Corona wird dabei nicht mehr funktionieren“. In der Pandemie mochte es noch geholfen haben, alles in Gesetzen und Verordnungen haarklein vorzuschreiben. „Aber die Transformation der Wirtschaft schaffen wir so nicht“, da brauche es wieder kreative Freiräume und unternehmerisches Handeln ohne den Staat. Wie das vor Ort konkret aussehe, habe er einmal bei einem Unternehmergespräch im Sauerland erfahren, erzählte Laschet. Man habe ihn dort nicht wie so oft um staatliche Hilfe oder Subventionen gebeten, sondern nur eine kurze Bitte, ja Aufforderung an die Politik gerichtet: „Lasst uns einfach in Ruhe.“

Das klingt gut, der Beifall und das Kopfnicken der Firmeneigentümer passten auch, aber Laschet hatte neben vielen Bonmots noch ein konkretes Präsent mitgebracht. „Die Übergabe eines Unternehmens auf die nächste Generation soll nicht durch noch mehr Erbschaftssteuern erschwert werden“, versprach der Kanzlerkandidat den Mittelständlern. Die klatschten erneut und freuten sich sichtlich; der Abend und die Preisverleihung schienen eine gute Investition zu werden.



Zwar hatten viele aus der Wirtschaft zunächst auf Friedrich Merz und dann Markus Söder gesetzt, aber für Reue und Umkehr ist es bekanntlich ja nie zu spät. Das weiß niemand besser als der rheinische Katholik Laschet, der die vielen Huldigungen und Lobpreisungen an diesem Abend mit feinem Lächeln ertrug. Wie hatte Jürgen Großmann zuvor so schön gesagt? Laschet und der deutsche Mittelstand haben drei Dinge gemeinsam: Sie sind zäh, kampferprobt und werden oft unterschätzt.

Mehr zum Thema: Kanzlerkandidat Armin Laschet bläst zur Aufholjagd – mit einem wirtschaftsfreundlichen Programm und einem Netzwerk aus neuen Köpfen. Erste Entscheidungen sind bereits gefallen.

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