Wilders bei Pegida Der Ansturm bleibt aus

Auf 30.000 Teilnehmer hatte Pegida gehofft. Doch Geert Wilders, der blondierte Rechtspopulist aus den Niederlanden, kann den Islamgegnern nicht recht als Zugpferd dienen.

Vor diesen Problemen stehen die Zuwanderer
Teilnehmer eines Kurses "Deutsch als Fremdsprache" Quelle: dpa
Eine Asylbewerberin wartet in der Zentralen Aufnahmeeinrichtung in Berlin Quelle: dpa
Eine Frau sitzt in einem Flüchtlingsheim in einem Zimmer Quelle: dpa
Ein Flüchtling sitzt vor einer Gemeinschaftsunterkunft der Asylbewerber Quelle: dpa
Verschiedene Lebensmittel liegen in der Asylunterkunft in Böbrach (Bayern) in Körben Quelle: dpa

Eine Kundgebung mit dem niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders hat der islamkritischen Pegida-Bewegung nicht den erhofften Zulauf beschert. Nach Angaben der Polizei nahmen am Montagabend lediglich mehrere tausend Menschen an der Kundgebung in der Dresdner Flutrinne nahe dem Messegelände teil. Die Veranstalter selbst hatten auf 30.000 Teilnehmer gehofft und bei Facebook nachdrücklich dazu aufgerufen, sich dem Protest anzuschließen. Nachdem es um die Bewegung in den vergangenen Wochen eher ruhig geworden war, boten die Organisatoren für die nunmehr 23. Kundgebung eine ganze Reihe von Rednern in der sächsischen Hauptstadt auf. Wilders ist Gründer und Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei für die Freiheit (PVV).

Die Veranstaltung gilt als wichtiger Gradmesser, ob die asylkritische Bewegung auf Dauer eine Zukunft hat. Parallel fand ein Sternlauf von Pegida-Gegnern statt, an dem laut Polizei bis zu 2500 Bürger teilnahmen. Bei zwei weiteren Gegenkundgebungen wurden zusammen 450 Aktivisten gezählt. Die vom Bündnis "Dresden Nazifrei" angekündigten Blockaden blieben aus, alle Veranstaltungen verliefen weitgehend friedlich. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Das Vokabular von Pegida

An den vergangenen Montagen hatten nur noch mehrere tausend Menschen an den Kundgebungen teilgenommen, vor einer Woche waren es nach Polizeiangaben 7100. In Spitzenzeiten mobilisierte die Pegida-Bewegung im Januar rund 25.000 Anhänger.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich gewarnt, fremdenfeindliche oder rassistische Ausfällen durch Redner würden nicht geduldet, und es werde konsequent gegen die Veranstalter vorgegangen.

Dresdens Oberbürgermeister

Der Vizepräsident des EU-Parlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), sagte: „Die Bewegung zeigt damit ihr wahres Gesicht: intolerant, ausländerfeindlich, islamophob" und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) rügte zu Beginn einer der Kundgebungen, Pegida hole Rechtspopulisten nach Dresden, um für ihre Interessen zu werben. „Dem müssen wir uns entgegensetzen.“ Grünen-Landesvorstandssprecher Jürgen Kasek sagte, in Sachsen gebe es eine Zivilgesellschaft, die nicht unkommentiert lasse, „dass Menschen auf die Straße gehen und Hass verbreiten“. Auch die drei Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl in Dresden verurteilten den Auftritt. Mit der Einladung hätten die Organisatoren eine Grenze überschritten, sagten Markus Ulbig (CDU), Eva-Maria Stange (SPD) und Dirk Hilbert (FDP). „Ausländerfeinde haben in unserer Stadt keinen Platz“, sagte der amtierende Oberbürgermeister Hilbert. Er wolle alles tun, damit Dresden nicht zu einem Wallfahrtsort für Rechte werde.

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Die Polizei hatte das Gelände schon am Vormittag weiträumig abgeriegelt. Mehrere Hundert Anhänger des Bündnisse „Dresden Nazifrei“ protestierten in der Nähe des Geländes gegen die anreisenden Anhänger der Islamkritiker. Laut Polizei blieb zunächst alles friedlich.

Das Verwaltungsgericht Dresden entschied wenige Stunden vor Beginn der Kundgebung, dass gegen den Auftritt des Rechtspopulisten nicht in Sicht- und Hörweite protestiert werden darf. Es lehnte damit einen Eilantrag des Bündnisses „Dresden Nazifrei“ ab.

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