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Wirecard-Ausschuss am 12. Januar 2021 Ein Wirtschaftsberater der Kanzlerin und sein Interessenskonflikt

Quelle: dpa Picture-Alliance

Lars-Hendrik Röller war in Wirecards China-Projekt eingebunden. Vor allem die Rolle seiner Ehefrau ist mehr als fragwürdig.

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Thema des Tages:
Wirecards Lobbyisten und das Kanzleramt

Die Zeugen:
- Lars-Hendrik Röller, Wirtschaftsberater der Kanzlerin
- Ole von Beust, ehemaliger Erster Bürgermeister von Hamburg, seitdem Unternehmensberater

Lars-Hendrik Röller, der Wirtschaftsberater von Kanzlerin Angela Merkel, betonte in seiner Vernehmung, es habe keine Sonderbehandlung für Wirecard gegeben. Es ging darum, dass die Kanzlerin Wirecard auf ihrer China-Reise 2019 angesprochen hatte. „Es hat einfach gepasst“, sagte Röller. Zur Erinnerung: Nach seinem Besuch bei der Kanzlerin am 3. September 2019 schickte Wirecard-Fürsprecher Karl-Theodor zu Guttenberg eine E-Mail an Röller, in dem er auf sein Gespräch mit Merkel über den geplanten Markteintritt von Wirecard in China verwies: „Wir waren uns einig, dass ein kurzer Hinweis im Rahmen des Besuches sehr hilfreich sein könnte“, schrieb Guttenberg. „Die Frau Bundeskanzlerin bat mich, Ihnen noch ein paar Zeilen zukommen zu lassen, um die richtige Formulierung an der Hand zu haben.“ In seiner Vorlage pries Guttenberg Wirecard als „eines der global führenden Technologieunternehmen im Bereich Finanzdienstleistung“ an. Mit Erfolg: Nach Merkels China-Besuch mailte Röller an Guttenberg, das Thema sei durch die Chefin angesprochen worden. „Ich werde das auch weiter flankieren.“

Das Vorgehen sei normal gewesen, sagte Röller den Abgeordneten. Der Wirtschaftsberater der Kanzlerin geriet jedoch an anderer Front in Bedrängnis: Die Abgeordneten hatten in den Akten herausgefunden, dass eine chinesische Firma durch Vermittler in Kontakt mit Wirecard gekommen war. Bei der Anbahnung hatte überraschenderweise Röllers Frau geholfen. „Meine Frau ist Hausfrau“, sagte Röller. Die Abgeordneten reagierten perplex.

Ole von Beust, früher Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, war als Berater für Wirecard tätig. Er hatte im Vorfeld des EU-China-Gipfels 2020 Kontakt mit Merkels Wirtschaftsberater Röller. Zuerst, so von Beust, habe seine Firma Wirecard im Kontext des Glücksspielrechts auf Länderebene beraten und informiert. Es sei später dann darum gegangen, das Geschäftsmodell von Wirecard auf Bundesebene bei Politikern durch Gespräche bekannter zu machen.

Seine Kontaktperson war der ehemalige Finanzvorstand von Wirecard, Burkhard Ley, der sich nach seinem Ausscheiden aus dem Amt als Berater für die Firma verdingte. Ley habe ihm erzählt, so von Beust, dass sich die Vorwürfe gegen Wirecard alle aufklären würden. Ab und an, so kenne er das aus seiner Zeit als Wirecard-Finanzchef, habe Ley ihm gesagt, fehle vielleicht mal Geld, das man irgendwann aber wiederfände. Ley habe ihm Transparenz versprochen, erinnerte sich von Beust.

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Mehr zum Thema: Bei dem mittlerweile insolventen Wirecard-Konzern wurde seit jeher getäuscht. Das zeigt das Buch „Die Wirecard-Story“ zweier WirtschaftsWoche-Reporter. Die Erfolgsgeschichte war zu schön, um wahr zu sein. Von Anfang an.

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