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Wirecard-Ausschuss am 26. März 2021 Brauns Assistentin stiehlt Ex-Bafin-Präsident Hufeld und seiner Vize Roegele die Show

Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Chefs der deutschen Finanzaufsicht erklären, wie zentral die Hinweise der Münchner Staatsanwälte für das Leerverkaufsverbot gewesen seien. Höhepunkt an diesem Vernehmungstag ist allerdings der Auftritt der ehemaligen Assistentin von Markus Braun.

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Thema des Tages:
die Rolle der Bafin, Vorgänge im Top-Management von Wirecard

Die Zeugen:
- Elisabeth Roegele, ehemalige Vizepräsidentin der BaFin
- Felix Hufeld, ehemaliger Präsident der BaFin
- Sandra Schuster, ehemalige Assistentin von Markus Braun

Elisabeth Roegele, bei der BaFin bis Anfang 2021 für die Wertpapieraufsicht zuständig, betonte in ihrer Aussage die Bedeutung der Münchner Staatsanwaltschaft: „Auslöser für das Leerverkaufsverbot war die Staatsanwaltschaft München“. Sie habe Informationen gehabt, dass eine weitere Spekulantenattacke auf Wirecard geplant sei und es zu Straftaten kommen würde. „Ich übernehme die Verantwortung für das Leerverkaufsverbot“, aber sie bleibe dabei: Die Maßnahme sei kein Fehler gewesen. Sie ergänzte: „Ich kann nicht nachvollziehen, dass man das Leerverkaufsverbot als Gütesiegel verstanden hat.“

Roegele sagte: „Wir sind nicht die Handlanger der Staatsanwaltschaft gewesen.“ Und: „Wir haben eine ernstzunehmende Gefahrenbeschreibung der Staatsanwaltschaft bekommen. Und wir haben uns zusammen überlegt, was wir zur Gefahrenabwehr tun können.“

Felix Hufeld, bis März 2021 Präsident der Bafin, sagte: „Ich bin auch keineswegs der Meinung, dass wir alles wieder so machen sollten.“ An den Tagen, an denen das Leerverkaufsverbot entstand, habe ihm seine Vizepräsidentin Roegele „vom drastischen Anstieg der Leerverkaufspositionen berichtet“. Schließlich habe Roegele auch von den „ausschlaggebenden Informationen der Staatsanwaltschaft München“ berichtet. Hufeld räumte zwar ein, dass der angebliche Erpressungsversuch Wirecards durch Medien „ungeheuerlich“ klang, aber die Bafin habe die Informationen nun mal nicht von Wirecard erhalten - sondern von einer der größten Staatsanwaltschaften des Landes. Man sei überhaupt nicht in der Position, die Informationen der Staatsanwaltschaft selbst nachzurecherchieren. Man habe sich auf die Hinweise der Staatsanwaltschaft verlassen müssen.

Hufeld nannte es ein „Versäumnis“, dass die BaFin nicht deutlicher gemacht habe, dass die Behörde Wirecard mit dem Leerverkaufsverbot nicht in Schutz nehmen wollte. 

Sandra Schuster war von 2014 an bis zum Ende von Wirecard die persönliche Assistentin von Markus Braun, dem langjährigen Vorstandschef. „Als ich 2014 die Stelle angefangen habe und bis zu meinem Ende habe ich keinen Zugang zu jeglichen E-Mails von Markus Braun gehabt. Ich habe da gesessen und habe dann irgendwann das Family-Office seiner Frau übernommen mit ,privat entertainment‘ und das dann gemanagt“, sagte Schuster. „Ich hatte ja nur komische Aufträge. Ich habe ja Kindergeburtstage und Opernbälle organisiert.“ Nur Anrufe von Markus Braun habe sie ab und an mal angenommen. Mails seien direkt an ihn gegangen. Braun habe fast alles selber gemacht, er sei der starke Mann im Unternehmen gewesen.

„Normal ist das unvorstellbar, dass ein Dax-Vorstand so eine Assistentin hat, die eigentlich nichts macht. Auf gut Deutsch gesagt. Aber das war der Fall.“ Schuster sagte über ihre Ex-Firma: „Ich weiß gar nicht, was diese Firma eigentlich macht.“
Sie berichtete von Ausflügen zum Oktoberfest oder in die Edeldisco P1 mit den Wirecard-Managern: „Wir wurden immer mitgenommen, um diese Männerwelt da so ein bisschen bei Laune zu halten.“ Das Verhältnis von Markus Braun zu Jan Marsalek sei „sehr eng“ gewesen. Burkhard Ley, erst Finanzvorstand, dann Berater, sei auch immer im Büro dabei gewesen. Handys hätten die Herren immer draußen gelassen. Auch sonst durfte da keiner rein. Von einer Entfremdung zwischen Marsalek und Braun habe sie nichts gespürt.

De Linken-Abgeordnete Fabio De Masi hat auf einem Auszug aus Markus Brauns Terminkalender mal die Namen russischer Damen entdeckt. Deshalb fragte er Schuster: „War das Abteilung Erwachsenenunterhaltung?“ Schuster: „Ich kann das nicht bestätigen. Ich habe das nicht gebucht. Er hat Investorenmeetings gehabt“, sagte Schuster. Dass da russische Namen stünden, sei ihr neu. Aber sie ergänzte: „Das wurde nie ausgesprochen, ich war nicht dabei, aber vom klaren Verständnis: Welcher Investor trifft sich mit einem Dax-Vorstand abends um elf in der Suite?“

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