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Wirtschaftsminister Altmaier im Silicon Valley Evangelist mit Selbstzweifeln

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Der volkstümelnde Evangelist

Für Altmaier ist dieses nationale Kräftemessen Wasser auf die Mühlen seiner Vision, „europäische Champions“ mit politischer Hilfe in Europa zu etablieren. „Ich habe noch nie gefordert, dass Amazon zerschlagen werden muss“, sagt Altmaier. „Ich frage nur, warum wir keins in Deutschland haben.“ Er sieht Mobilität und den Gesundheitsbereich als die zwei großen globalen Plattformen, die es noch zu besetzen gilt. Oder aber bei Künstlicher Intelligenz doch noch durchzustarten, mit einer Art Airbus für Künstliche Intelligenz. Der Minister hat keinen Zweifel daran, dass Digitalisierung und Künstliche Intelligenz weltweit mehr Arbeitsplätze schaffen werden als sie vernichten. „Aber es gibt keine Garantie, dass sie dort entstehen werden, wo sie wegfallen.“

Altmaier kommt bei seinen Gästen an, auch weil er sie mit seinem Stil des gemütlichen Saarländers wieder auf den Boden zurückholt, indem er Anekdoten erzählt. Etwa von der Krankenschwester, die den Pflegeroboter gar nicht so toll findet, weil sie ihn als Gefahr für ihren Arbeitsplatz sieht. Aber auch, weil dieser kaputtgehen könnte - und den Patienten im Stich lässt. Das wirkt volkstümelnd. Beschreibt aber die Ängste normaler Arbeitnehmer, die Roboter zuerst als Konkurrenz sehen und nicht zum Entlasten ihrer Arbeit. Und die Nöte der Politiker, die zwischen beiden Seiten ausgleichen müssen.

Keine Frage: Der Minister, ein Fan von Science Fiction Literatur, kennt sich aus und stellt gute Fragen. Er hat Ideen. Auch wenn seine staatsdirigistischen Vorschläge in Deutschland kritisiert werden und dem Silicon Valley fremd sind.

Altmaiers Auftritt im Silicon Valley erinnert an den Kalifornien-Besuch von Angela Merkel im April 2010. Nur dass damals Barack Obama Präsident war, Arnold Schwarzenegger Gouverneur und das Besuchsprogramm der Kanzlerin zwar auch schon vom autonomen Auto geprägt war, es aber statt Künstlicher Intelligenz eher um die Verheißungen der Gentechnik ging. Damals waren viele Amerikaner von der Auffassungsgabe und dem Wissensstand der Kanzlerin beeindruckt, die in Stanford für mehr Innovation warb. Auch damals ging es schon darum, wie man in Deutschland mehr Investoren für Startups findet und Nachfolgefinanzierungen. Was auch an guten Technologieberatern lag, die jährlich Berichte mit guten Vorschlägen produzierten, was getan werden müsste.

Deutschland ist nur Zuschauer

Neun Jahre später ist Deutschland Zuschauer bei der Plattformökonomie, fällt bei Künstlicher Intelligenz zurück, haben Google, Facebook, Apple und Amazon die Vorliebe europäischer Politiker genutzt, sich gern untereinander im Wettbewerb um die beste Steueroase austricksen.

Dank solch eitler und nationaler Interessenspolitik haben die US-Giganten ihre Marktmacht noch stärker ausbauen können, haben die europäische Infrastruktur genutzt und kaum Steuern gezahlt. Klar, nach dem Kanzlerinnen-Besuch waren erstmal die Folgen der Bankenkrise, Griechenland, Flüchtlingsstrom, Brexit zu bewältigen, und herrschte die Politik der Großen Koalition, auf Kompromisse und den kleinsten gemeinsamen Nenner fixiert.

Doch was können Politiker überhaupt tun? Altmaier räumt freimütig ein, dass er nur ein Minister von vielen sei und nichts allein entscheiden könne. Trotzdem: Für gute Infrastruktur sorgen und Investitionen in Bildung wäre ein Anfang. Finette nennt ein Beispiel. Viele deutsche Mittelständler, die er berät, wären froh, wenn sie eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zum Internet hätten. „Kein Witz“, schiebt er nach. So stark die Umbrüche sind: „Das am besten ausgebildete Land liegt immer vorn“, sagt Thrun. Der mit seiner Lernplattform Udacity natürlich nicht unparteiisch ist. Doch wie gut sind deutsche Universitäten noch und können sie ihre Talente halten und anziehen?

Altmaier zeigt sich offen dafür, dass Versicherungen stärker in Wagniskapital investieren - und diesen Schritt zu fördern. Die Frage, ist ob die Branche solch ein Risiko überhaupt eingehen will.

Das ist das Problem mit vielen Evangelisten: „Sie genießen zwar Hochachtung, aber keiner hört auf sie“, sagt Altmaier.

Der Minister kennt das Gefühl: Etwa wenn er tönt, dass die deutsche Automobilindustrie Weltmeister bei Elektroautos werden wird - aber weite Teile der betroffenen Branche das ziemlich anders sehen und sogar dagegen opponieren. Und wenn er nach dem Besuch beim Startup Zoox in San Francisco selbst ins Zweifeln kommt: Zoox entwickelt autonome Fahrzeuge, mit denen der Minister auch gleich eine Runde dreht. „Wir sind drei Kilometer durch dichten Stadtverkehr in San Francisco gefahren, ohne dass der Fahrer eingreifen musste“, staunt er. Ob die deutsche Autoindustrie auf diesem Gebiet wirklich so gut ist, wie sie behauptet?

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