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Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie bedienen sich beim Staat

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Erfüllungsgehilfe alles Guten

Eine Frau ordnet Spendendosen der Caritas Quelle: AP

Im Büro von Adolf-Leopold Krebs wird klar, dass die Wohlfahrtsverbände vor allem eines sind: straff geführte Konzerne. "Wir haben einen viel direkteren Draht zu den Sorgen der Menschen, als es die Politik je haben kann", sagt Krebs. Er ist Vorstandsvorsitzender der Diakonie Düsseldorf, einer der großen Gliederungen der evangelischen Organisation in Deutschland, und sieht sich als Erfüllungsgehilfen von allem Guten, was in der Stadt so passiert. Und das ist viel.

Allein das Jugendamt der Stadt gibt jedes Jahr fast 400 Millionen Euro aus, ein bedeutender Teil davon landet bei Krebs. Über einen ganzen Straßenzug erstreckt sich die Niederlassung des Diakonischen Werks rund um den Platz der Diakonie in der Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofes. Hinter den Mauern der kantigen Klinkerbauten verbergen sich Schuldnerberatung, Altenheim, Wohnungen, Kindergarten, Drogenberatung und Verwaltung.

Krebs ist stolz darauf, dass der Verein Diakonie funktioniert wie ein Unternehmen. Die Geschäftsführung wird von einem Aufsichtsrat überwacht, der sich aus den verrenteten Größen der lokalen Politik und Wirtschaft zusammensetzt. Jedes Vierteljahr erhält der Aufsichtsrat einen Quartalsbericht. Die Jahresabschlüsse werden zwar nicht veröffentlicht, aber vom Wirtschaftsprüfer testiert.

Von Raucherentwöhnung bis Catering

Leute wie Krebs sind die Provinzfürsten der Wohlfahrtsverbände, an die sich halten muss, wer etwas über die Organisationen erfahren will. Denn die Spitzen von Caritas und Diakonie sind lediglich Bundesverbände, unter deren Dach sich ganz unterschiedlich aufgestellte lokale Organisationen versammeln. Aktiv sind die Wohlfahrtsunternehmen, deren gemeinsamer Umsatz sich auf grob geschätzte 40 Milliarden Euro beläuft, vor allem in der Altenpflege, in der Kinder- und Jugendhilfe, der Betreuung von Behinderten, im Bildungsbereich und bei Maßnahmen für Arbeitslosen.

Steiler Anstieg

Die konkreten Dienstleistungen reichen von Schulsozialarbeit über Raucherentwöhnung bis Catering. Die örtlichen Werke sind dabei höchst unterschiedlich organisiert. Die meisten als Vereine, immer mehr als gemeinnützige GmbHs. Daneben gibt es große Stiftungen, die sich historisch aus mildtätigen Klöstern oder Initiativen einzelner Geistlicher herleiten, wie die Münchner Augustinum-Gruppe, die bundesweit 22 Seniorenresidenzen betreibt und 300 Millionen Euro Umsatz erzielt.

Ein bunter Strauß an Leistungen

Aus Sicht des Staates hat die Zusammenarbeit mit der Wohlfahrt ihre Vorteile. Statt teure und unflexible Beamte auf dem eigenen Lohnzettel zu haben, kümmern sich die Kirchen zu vermeintlich günstigeren Konditionen. Außerdem können die Organisationen auf Spenden zählen und auf ehrenamtliche Mitarbeit. So kann sich die Politik mit einem bunten Strauß an Leistungen brüsten – und ein bisschen nach Wettbewerb sieht es auch noch aus.

Hans Günther Mischke huscht ein bitteres Schmunzeln übers Gesicht, als er die Worte "Wohlfahrt" und "Wettbewerb" in einem Satz hört. Mischke, 58 Jahre alt, lernte sein Handwerk als Sozialpädagoge einst bei der Diakonie. Mehr als 30 Jahre ist das inzwischen her, seit 1979 betreibt er seinen eigenen Betreuungsdienst für Jugendliche im Städtchen Plettenberg am westlichen Rand des Sauerlandes, dort wo all der Regen fällt und sich in Stauseen sammelt, der das Ruhrgebiet mit Frischwasser versorgt.

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