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Wolfgang Schäuble im Interview "Keine geheimen Pläne für die Zeit nach der Wahl"

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"Griechenland hat sich besser entwickelt, als erwartet"

Der Tausendsassa feiert 70. Geburtstag
Wolfgang Schäuble anno 1973 Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble anno 1983 Quelle: dpa
Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble und Günther Krause (rechts) unterschreiben den Einigungsvertrag Quelle: dpa
Tatort des Attentats auf Wolfgang Schäuble am 12. Oktober 1990 Quelle: dpa
Helmut Kohl und Wolfgang Schäuble im Jahr 1997 Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble bei der Bundestagswahl 1998 Quelle: dpa

Um wie viele Milliarden Hilfe wird es Ende 2014 gehen?

Das lässt sich heute noch nicht sagen, das ist viel zu früh. Wie es in der gemeinsamen Erklärung heißt: Wenn die Notwendigkeit besteht, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, werden weitere Maßnahmen erwogen – gegen Ende der Laufzeit.

Läuft das über den EU-Strukturfonds, indem man deren Geld auf Griechenland konzentriert?

Griechenland hat sich in den vergangenen Monaten besser entwickelt, als alle erwartet haben. Die wirtschaftliche Lage ist nicht einfach, aber so wie im Programm vorhergesagt. Natürlich ist der Schuldenstand jetzt auf Rekordhöhe, aber auch das wussten alle vorher. So steht es im Programm. Also auch da eine planmäßige Entwicklung. Aber dieses komplexe Bild zu vermitteln ist nicht leicht, was man auch an einigen Beiträgen der letzten Tage ablesen kann.

Viele Wirtschaftswissenschaftler sehen den Rettungskurs Ihrer Regierung aber nach wie vor skeptisch.

Wir können den Menschen guten Gewissens sagen: Folgt nicht den Rattenfängern die behaupten, es gäbe in Europa einfache Lösungen. Wir sind auf dem richtigen Weg, auch wenn dieser lang und steinig ist. Die Entwicklungen der letzten Monate belegen dies. Wenn ich Professoren höre, die empfehlen, Deutschland solle aus dem Euro aussteigen, dann frage ich mich schon sehr, wie man zu dieser Schlussfolgerung kommen kann. Selbst ansonsten eher kritische Professoren sind da ja ganz klar und lehnen das als wirtschaftlichen Wahnsinn ab. Was ich gesagt habe, war nichts Neues. So gesehen ist es ja erfreulich, dass jetzt alle die Gelegenheit haben, sich noch einmal intensiv mit dem Thema zu beschäftigen. Vielleicht haben es jetzt auch jene mitgekriegt, die nicht hören wollten. Ich habe schon 2012 im Bundestag gesagt: Ich kann nicht garantieren, dass sich das Parlament zum letzten Mal mit Griechenland befasst hat. Aber das ist keine Frage, die wir heute beantworten können.

Etliche Professoren empfehlen: Gebt Griechenland einen kräftigen Schuldenschnitt, und dafür gehen die raus aus dem Euro. Was wäre daran so schlimm?

Grundsätzlich ist nicht vorgesehen, dass überhaupt ein Mitgliedstaat den Euro verlässt. Und wenn man mal die Verträge ignorieren will: Ob die Griechen rausgehen oder nicht, entscheiden die Griechen.

Aber man könnte es ihnen finanziell schmackhaft machen.

Die Griechen haben diese Debatte mehrmals geführt und haben dann immer die Parteien gewählt, die für den Verbleib im Euro und für die anstrengenden Anpassungen stehen. Auch die aktuellen Umfragen dort zeigen das. Nur in den Medien, auch in unserem öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wird das immer wieder anders dargestellt. Wenn das Parlament über die Entlassung von 5000 Staatsbediensteten entscheidet und auf der Straße demonstrieren 3000 Leute, erwecken sie den Eindruck, da tobe ein Bürgerkrieg.

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