Zinsentscheidung

Die Fed ist zu spät dran

Verzögert die US-Notenbank die Zinsanhebung zu lange? Riskiert sie damit neue Übertreibungen an den Finanzmärkten? Turbulenzen am Kapitalmarkt sind jedenfalls schon jetzt nicht mehr auszuschließen.

Die Gewinner und Verlierer am Aktienmarkt
GewinnerBorussia Dortmund: 22 Prozent Der einzige börsennotierte Fußballklub Deutschlands ist nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch wirtschaftlich. Im Juni ist die Aktie in den SDax aufgerückt, nicht zuletzt, weil sich der Börsenwert in den vergangenen zwei Jahren verdoppelt hat. Quelle: dpa
RWE: 23 ProzentDie Aktie des deutschen Energieversorgers ist wieder im kommen, von dem starken Abwärtstrend um 60 Prozent zwischen Anfang 2010 und September 2013 ist fast nichts mehr zu spüren. Warum? Das Investment ist durch eine günstige Bewertung und eine gute Dividendenrendite wieder attraktiv. Allerdings ist es unklar, ob das auf Dauer so bleiben wird. Quelle: dpa
Fielmann: 25 ProzentDas Unternehmen ist der Marktführer im Bereich
Xing: 27 Prozent Das Unternehmen ist seit 2006 an der Börse und seit September 2011 im TecDax notiert - es gibt nicht viele soziale Medien, die am deutschen Aktienmarkt gehandelt werden. Das Netzwerk für berufliche Kontakte hat eine relativ gute Bewertung. Quelle: dpa
Hornbach: 28 ProzentEs wird vermutet, dass die Baumarktkette ihren Geschäftsblick für das laufende Jahr noch anheben wird. Denn das Unternehmen ist gut unterwegs: Alleine im ersten Quartal 2014 konnte der Umsatz um 16 Prozent auf eine Milliarde Euro gesteigert werden. Quelle: dpa
Sixt: 32 ProzentMieten ist attraktiver als kaufen - davon profitiert das Unternehmen. Außerdem gibt es zwei weitere Punkte, warum Sixt so erfolgreich ist: Das internationale Geschäft wird wichtiger und der Limousinenservice
Kuka: 33 ProzentIndustrietaugliche Roboter bescheren dem Unternehmen einen Vorsprung gegenüber den Wettbewerber. Die hohe Bewertung wird auch durch Gerüchte um den Einstieg eines anderen Unternehmens angeheizt. Quelle: dpa

Die konjunkturellen Daten der USA sprechen eigentlich eine klare Sprache. Die Wirtschaft wächst gut: 2013 betrug das Wirtschaftswachstum der Vereinigten Staaten 1,9 Prozent und für 2014 wird ein Zuwachs von 1,7 Prozent erwartet. Die Teuerungsrate betrug 2013 noch 1,5 Prozent und wird in diesem Jahr voraussichtlich auf rund 1,9 Prozent steigen. Die Arbeitslosenquote in den USA ist sehr niedrig. Sie liegt nur noch gut 0,5 Prozentpunkte über dem Vollbeschäftigungsniveau. Und dennoch liegen dort die Leitzinsen seit fünfeinhalb Jahren bei nur 0,0 bis 0,25 Prozent.

Duales Mandat

Besorgnisse, dass die US-Notenbank die Leitzinsen zu lange zu niedrig hält, werden an den Finanzmärkten immer häufiger geäußert. Selbst einige Mitglieder des geldpolitischen Rats (FOMC) der US-Notenbank fordern, den Kurs der US-Notenbank schon bald deutlich zu straffen.

Inwieweit die Fed tatsächlich schon „behind the curve“ ist, lässt sich anhand der allgemein anerkannten Taylor-Regel bestimmen. Ziel dieser im Grunde einfachen Regel ist es, den angemessenen Notenbankleitzins in Abhängigkeit vom jeweils aktuellen ökonomischen Umfeld zu bestimmen. Bei der amerikanischen Notenbank ist dabei zu beachten, dass sie ein duales Mandat hat. Die Fed strebt Vollbeschäftigung und  Preisniveaustabilität an.

Stefan Bielmeier Quelle: Presse

Die Taylor-Regel zeigt dabei unmissverständlich, dass die Fed ihre Leitzinsen gegenwärtig erheblich höher ansetzen müsste, als sie dies tatsächlich tut. Gemäß der Regel und unter Berücksichtigung des derzeitigen ökonomischen Umfeldes, müsste der US-Leitzins bei 2 Prozent liegen. Tatsächlich liegt der US- Leitzins bei 0,0 bis 0,25 Prozent.

Die Leitzinsen der USA hätten bei strikter Anwendung der Taylor-Regel also bereits um mindestens 150 Basispunkte angehoben werden müssen. Entscheidendes Resultat für die aktuelle Geldpolitik laut Taylor-Regel ist, dass die US-Notenbank in ihrem derzeit noch immer geführten Kampf gegen (zu) niedrige Inflationsraten, gegen eine hohe Arbeitslosigkeit und gegen eine Konjunkturschwäche mit ihrem Dauer-Niedrigzins den Bogen zu überspannen droht.

Gefährliche Verspätung

Verfolgt die Fed diese Politik noch länger, besteht die Gefahr, dass der „Exit“ aus der expansiven Politik zu spät erfolgt. Zentrale, kritische Folge hieraus könnte zweifelsohne sein, dass die Inflationserwartungen auf die mittlere Sicht, ihre Verankerung verlieren und die Notenbank Vertrauenskapital an den Finanzmärkten verspielt.

Die Glaubwürdigkeit der US-Notenbank als Hüterin der Geldwertstabilität könnte zur Disposition stehen. Alternativ können die Währungshüter mittels einer laxen Geldpolitik, gewollt oder ungewollt, Vermögenswerte, wie Aktien und Immobilen,  unverhältnismäßig aufblähen, was eine Blasenbildung in der Volkswirtschaft unterstützt. Ein Platzen derartiger Blasen geht fast zwangsläufig mit makroökonomischer Instabilität einher. Turbulenzen am Kapitalmarkt wären die Folge davon.

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