Zukunftstechnologien: Dieses Fortschrittsdenken sollten wir trainieren wie einen Muskel
Da kam auch Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gratulieren: Das deutsche KI-Start-up Aleph Alpha (hier Chef Jonas Andrulis) hat eine Finanzspritze von mehr als einer halben Milliarde US-Dollar (486 Millionen Euro) erhalten.
Foto: dpaAn ein Ereignis aus dieser Woche sollten wir uns erinnern – und vielleicht werden wir in einigen Jahren zurückblicken und feststellen, dass es ein Schlüsselmoment war, in dem sich zeigte, dass doch etwas vorangeht: Deutschlands führendes KI-Start-up Aleph Alpha hat Geld eingesammelt, rund 500 Millionen Dollar. Die Summe mag im internationalen Vergleich gering wirken, wenn man sich anschaut, was allein Open AI an Milliarden bekommt.
Doch die Summe ist nicht entscheidend. Sondern die Schar der Investoren, die dahintersteht, darunter Bosch, SAP und die Schwarz Gruppe (Lidl, Kaufland). „Wir haben genug Geld, sodass wir Vollgas geben können“, hat Mitgründer Jonas Andrulis verkündet. „Die Partner bringen so viel Einsatz, Know-how und so viel Reichweite mit, dass wir damit den besten Teams und den größten Unternehmen der Welt Paroli bieten können.“
Das Ganze war natürlich vom Wirtschaftsministerium wohl inszeniert, Robert Habeck durfte mit aufs Foto und endlich mal eine „wahnsinnige Erfolgsgeschichte“ bejubeln. Geschenkt. Denn hier zählt doch, dass wir Start-ups nicht erst dann entdecken, wenn sie abwandern oder weggekauft werden. Und dass wir lernen, in Ökosystemen zu denken – und vor allem: nach vorne.
Einen Großteil des Geldes erhält das Heidelberger Start-up – das auf KI-Anwendungen für die Industrie spezialisiert ist – vom Innovation Park Artificial Intelligence. Dahinter steckt ein Projekt der Dieter Schwarz Stiftung, die in Heilbronn Europas größtes Forschungszentrum für KI aufbauen will. Allein, was dort entstehen soll, wie groß und langfristig dort gedacht wird, lässt den Atem stocken.
Dieses Fortschrittsdenken sollten wir trainieren wie einen Muskel. Denn seit Monaten streitet dieses Land darüber, was verloren geht und was vielleicht mit viel Steuergeld bewahrt werden soll.
Diese Debatte ist kompliziert, weil sie tief in das Herz unseres Industriestandorts vorstößt. Habeck will mit seiner Industriestrategie so viel wie möglich erhalten, „vom Weltkonzern über die mittelständischen Hidden Champions bis zum Kleinbetrieb“. Man darf die Prognose wagen, dass eine Regierung mit der Feinsteuerung so vieler Branchen scheitern wird.
Besser also, sie schafft den Rahmen dafür, dass Unternehmen wie Aleph Alpha und die Ökosysteme der Zukunftstechnologien wachsen können. Auf den Erfolgsfotos ist natürlich immer Platz.
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