WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

+++ Die Ereignisse im Überblick +++ Banken bleiben heute geschlossen

Das auslaufende Hilfspaket für Griechenland wird nicht verlängert. Athen steuert weiter auf die Staatspleite zu. Ab dem heutigen Montag bleiben die Banken daher vorerst geschlossen.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Folgen eines „Grexits“
Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euro etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro. Quelle: dpa
Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Quelle: dpa
Die sozialen Probleme sind groß, die Renten wurden gekürzt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Regierung Tsipras plant deshalb Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten. Quelle: dpa
Schon seit Wochen ist von einem „Grexit“ die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt. Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken. Quelle: ap
Würde eine neu eingeführte Drachme gegenüber dem Euro abwerten, könnte sich die griechische Regierung nach und nach leichter entschulden. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro böte auch noch andere Vorteile: So würde die griechische Export-Wirtschaft von einer Abwertung der Landeswährung profitieren. Quelle: dpa
Besonders teuer würde ein „Grexit“ für Menschen mit geringem Einkommen und den Mittelstand mit Sparguthaben auf  griechischen Bankkonten, während das Geld reicher Griechen im Ausland unangetastet bliebe. Quelle: dpa
Die Gläubiger werden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht. Quelle: dpa

+++08.35 Uhr+++

Der französische Finanzminister Michel Sapin hält weitere Hilfen für Griechenland für möglich. Die Verhandlungen könnten jederzeit wiederaufgenommen werden.

+++08.15 Uhr+++

EU-Wirtschaftskommissar Pierre Moscovici hält eine Einigung mit Griechenland weiterhin für möglich. Die internationalen Gläubiger und Griechenland seien "nur einige wenige Zentimeter" von einer Vereinbarung entfernt, sagte der Franzose im Radio. Jean-Claude Juncker werde mittags Vorschläge für das weitere Vorgehen präsentieren.

+++08.00 Uhr+++

Die größte griechische Erdölgesellschaft Hellenic Petroleum tritt der in der Bevölkerung wachsenden Sorge über eine drohende Treibstoffknappheit entgegen. Das Land verfüge für etliche weitere Monate über volle Reserven, teilte das Unternehmen am Sonntagabend mit. Auch die Versorgung der Raffinerien mit Rohöl sei gesichert. In ganz Griechenland hatten sich am Wochenende angesichts der Eskalation im Schuldendrama lange Schlangen vor Tankstellen gebildet.

+++07.30 Uhr+++

Ausländer sollen in Griechenland weiterhin unbegrenzt Geld abheben können. Die von der Regierung in Athen geplanten Kapitalverkehrskontrollen gelten nicht für Besucher des Landes, wie griechische Medien in der Nacht auf Montag berichteten. Mit ausländischen Bankkarten gebe es keine Beschränkungen. Ansonsten gelte eine Obergrenze bei Abhebungen von 60 Euro. Zuvor war von einem Limit von 100 Euro die Rede.

+++19.45 Uhr+++

In Finanzkreisen hieß es am Sonntagabend, auch die Börse in Athen werde zum Wochenauftakt geschlossen bleiben.

+++19.30 Uhr+++

Erstmals schließen von diesem Montag an alle Banken im Land. Zudem sollen Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden, teilte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras in einer Ansprache am Sonntagabend mit. Dies sei die Reaktion auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Notkredite für griechische Banken einzufrieren.

Wie griechische Medien weiter berichteten, sollen die Geldinstitute von diesem Montag an bis zum 6. Juli und damit bis nach der geplanten Volksabstimmung geschlossen bleiben. An den Geldautomaten sollen demnach maximal 100 Euro pro Tag abgehoben werden können, zumindest in den ersten Tagen.

„Geldeinlagen in griechischen Banken sind absolut sicher“, sagte Tsipras. Gehälter und Renten seien „garantiert“. In den kommenden Tagen sei Geduld und Gelassenheit nötig. Die kritische Situation könne überwunden werden. Die Würde des griechischen Volks angesichts von „Erpressung“ sende eine Botschaft der Hoffnung an ganz Europa, sagte Tsipras.

+++18.50 Uhr+++

Die EU-Kommission hat den zuletzt verhandelten Vorschlag der Geldgeber an Griechenland veröffentlicht. Damit solle Transparenz geschaffen und das griechische Volk informiert werden, teilte die EU-Behörde am Sonntag in Brüssel mit. In dem Papier für ein Reform- und Sparpaket seien auch die Vorschläge der Griechen berücksichtigt worden. „Weder diese letzte Version des Textdokuments noch ein Entwurf einer gemeinsamen Vereinbarung konnten formal fertiggestellt werden und der Eurogruppe vorgelegt werden“, schreibt die EU-Kommission. Grund dafür sei die einseitige Entscheidung der Griechen gewesen, am Freitagabend die Gespräche darüber abzubrechen. 

Das veröffentlichte Dokument enthält die Reform-Maßnahmen, die weitgehend bekannt sind. Demnach sollte Griechenland in diesem Jahr im Haushalt einen Primärüberschuss - also ohne Tilgungszahlungen - von einem Prozent der Wirtschaftsleistung erzielen, im kommenden Jahr zwei Prozent. Zudem sind umfangreiche Steuererhöhungen vorgesehen etwa der Mehrwertsteuer, Rentenreformen, Reformen der öffentlichen Verwaltung sowie Verbesserungen beim Eintreiben von Steuerzahlungen. 


+++15.00 Uhr+++

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält die Notkredite für griechische Banken auf dem aktuellen Stand von rund 90 Milliarden Euro. Die sogenannte Ela-Kredite werden auf dem Niveau von Freitag eingefroren, wie die Notenbank nach einer Krisensitzung des EZB-Rates am Sonntag in Frankfurt mitteilte. Die Entscheidung war mit großer Spannung erwartet worden. Kreisen zufolge hatte die Notenbank zuletzt ein Volumen von rund 90 Milliarden Euro bewilligt, das aber dem Vernehmen nach bereits ausgeschöpft ist.

Dass die EZB den Geldhahn nicht noch weiter aufdreht, setzt Athen unter Zugzwang. Nach dem Abbruch der Verhandlungen mit den Geldgebern über ein Reform- und Sparpaket am Wochenende droht dem Land die Staatspleite. Zuletzt hatten immer mehr Bürger Bargeld von den Banken abgehoben. Ob die Finanzinstitute am Montag ihren Verpflichtungen gegenüber Kunden uneingeschränkt nachkommen können, gilt als unsicher. Ein Wegfall der EZB-Hilfen hätten nach Einschätzung von Finanzexperten vermutlich großflächig Bankpleiten zur Folge gehabt.

+++14.25 Uhr+++

Wegen der Zuspitzung der Griechenland-Krise lädt Bundeskanzlerin Angela Merkel am Montag die Partei- und Fraktionschefs der im Bundestag vertretenen Parteien zu einem Krisentreffen ins Kanzleramt. Das erfährt die Nachrichtenagentur Reuters aus Koalitionskreisen. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.


+++14.00 Uhr+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist am Sonntag wie am Samstag in die Krisendiplomatie eingebunden, wie aus Regierungskreisen verlautet. Es habe eine Reihe von Abstimmungen innerhalb der Bundesregierung gegeben, sagt ein Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters. Details werden nicht genannt.


+++13.45 Uhr+++

Griechenland erwägt Finanzminister Yanis Varoufakis zufolge die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen sowie eine Schließung der Banken am Montag. Das sagte der Politiker am Sonntag der BBC.

+++12:40 Uhr+++

Die Europäische Zentralbank erwägt Insidern zufolge, die ELA-Nothilfen für griechische Geldinstitute weiter zu gewähren, die Bedingungen dafür aber zu verschärfen. Demnach könnten die Sicherheiten der griechischen Banken niedriger bewertet werden, die für Zentralbankgeld hinterlegt werden.


+++12.30 Uhr+++

Die Regierung in Athen rechnet mit weiteren Notkrediten der Europäischen Zentralbank für die griechischen Banken, wenn das Rettungsprogramm für Griechenland in zwei Tagen ausläuft. „Wir erwarten, dass die Finanzierung der griechischen Banken über ELA-Kredite nach Dienstag normal fortgesetzt wird“, sagte die stellvertretende Finanzministerin Nadia Valavani am Sonntag dem Fernsehsender Mega.

Valavani sagte, die griechischen Banken würden in der neuen Woche ihren normalen Geschäftsbetrieb fortsetzen, wenn sie Notkredite erhielten, es ruhig bleibe und die Griechen nicht versuchten, alle ihre Ersparnisse abzuheben.

+++12.05 Uhr+++

Der Rat der Europäischen Zentralbank berät Insidern zufolge im Moment in einer Telefonkonferenz, ob den griechischen Geldinstituten weiter ELA-Nothilfen gewährt werden sollen.

+++11.30 Uhr+++

Die Europäische Zentralbank wird die Notkredite für die griechischen Banken offenbar einstellen. Wie die britische "BBC" berichtet, wird erwartet, dass die EZB das Programm beendet. Griechenland würde darauf voraussichtlich mit Kapitalkontrollen reagieren.

Voraussichtlich müssten die Banken des Landes am Montag geschlossen bleiben, teilte eine nicht näher genannte Quelle der "BBC" mit.

+++11.00 Uhr+++

Der französische Premierminister Manuel Valls bezweifelt nach eigenen Worten, dass die Europäische Zentralbank die Unterstützung der griechischen Geldinstitute stoppen wird.

+++10.50 Uhr+++

Die SPD-Spitze hat fassungslos auf das Krisenmanagement des griechischen Regierungschefs Alexis Tsipras reagiert. In einer Telefonschalte am Sonntagmorgen, an der neben dem Parteipräsidium auch SPD-Ministerpräsidenten aus den Ländern teilnahmen, habe „allgemeines Entsetzen“ geherrscht, so die Deutsche Presseagentur.

"Der Zickzackkurs der griechischen Regierung in den letzten Stunden und Tagen macht einen doch fassungslos", sagte Steinmeier der "Welt am Sonntag". Die Geldgeber hätten "mit viel gutem Willen" einen Kompromiss für einen Ausweg aus der Krise gefunden. "Ich verstehe nicht, wie eine gewählte griechische Regierung seinem Volk empfiehlt, den europäischen Vorschlag abzulehnen." Steinmeier warf der Regierung in Athen vor, ihre Bürger "in Geiselhaft" zu nehmen, "um Europa weitere Konzessionen abzutrotzen".

+++10.00 Uhr+++

Nach dem Scheitern der Griechenland-Verhandlungen richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Europäische Zentralbank. EZB-Chef Draghi rief dazu eine Krisensitzung ein. Bei dieser soll entschieden werden, ob die EZB griechische Banken weiter stützt. Die EZB hilft dem Krisenland schon länger mit Notkrediten aus, um einen Zusammenbruch des Bankensektors zu verhindern, weil die Griechen Milliarden von den Konten räumen. Dreht die sie den Geldhahn zu, dürfte dies zu Wochenbeginn die Bargeld-Versorgung im Land drastisch einschränken.

+++09.30 Uhr+++

Auf den überraschenden Vorstoß von Tsipras reagierten die griechische Opposition und Spitzenpolitiker in Europa mit Unverständnis. Doch stehe Athen die Tür für weitere Gespräche noch offen, sagte Eurogruppen-Chef Jeroen Djisselbloem. Zudem bot sich Frankreich im letzten Ringen um eine Einigung als Vermittler an.
Die Zeit ist denkbar knapp. Schon am Dienstag muss Athen Schulden in Höhe von 1,6 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen. Da es diese Summe aus eigener Kraft kaum aufbringen kann, ist es auf die 7,2 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket angewiesen. Diese verfallen aber ebenfalls am Dienstag.

+++09.00 Uhr+++

Vizekanzler Sigmar Gabriel hat wegen der Griechenland-Krise eine zweitägige Reise nach Israel abgesagt. Das teilte ein Sprecher des Bundeswirtschaftsministeriums am Sonntag in Berlin mit. Für Gabriel fliegt nun seine Staatssekretärin Brigitte Zypries (SPD). Der SPD-Chef, dessen Abflug nach Tel Aviv für 12.00 Uhr geplant gewesen war, wäre bis Montagabend in Israel geblieben.

Griechisches Parlament beschließt Referendum

+++02.00 Uhr+++

Das griechische Parlament hat den Weg für das von Ministerpräsident Alexis Tsipras vorgeschlagene Referendum im Schuldenstreit mit den Geldgebern freigemacht. Mit 178 Ja- und 120 Nein-Stimmen votierten die Abgeordneten für eine Volksabstimmung über die von den internationalen Gläubigern ursprünglich vorgelegten Spar- und Reformmaßnahmen. Eine erste Zählung von 179 Ja-Stimmen wurde nachträglich korrigiert. „Das Referendum wird stattfinden, ob die Partner es wollen oder nicht“, sagte Tsipras im Parlament. Zugleich betonte er, niemand könne Griechenland aus dem Euro drängen.

Die Euro-Finanzminister hatten zuvor nach der Ankündigung der Volksabstimmung zuvor bei einem Krisentreffen in Brüssel Forderungen der Athener Regierung nach einer nochmaligen Verlängerung des Hilfsprogramms über den 30. Juni hinaus abgelehnt. Das Referendum soll nun am Sonntag, 5. Juli, stattfinden.


+++21.00 Uhr+++

Die Pressekonferenz mit Euro-Gruppenchef Dijsselbloem ist zu Ende. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem sagte, die Tür für die griechische Regierung zur Rückkehr an den Verhandlungstisch stehe weiter offen. "Der Prozess ist nicht vorbei und wird es wahrscheinlich nie sein". Zugleich machte der niederländische Finanzminister mit Hinweis auf das von Athen angekündigte Referendum über das Reformpaket klar: "Wenn die griechische Regierung den Weg mit Hilfe des griechischen Parlaments weiter beschreitet, wird das Hilfsprogramm enden."


+++20.55 Uhr++

Die Pressekonferenz mit Euro-Gruppenchef Dijsselbloem ist zu Ende. Dijsselbloem sagte: "Wir stehen bereit, Griechenland und dem griechischen Volk zu helfen." Er kritisierte, dass das angekündigte Referendum zeitlich sehr spät gekommen sei. Außerdem betonte er, die Euro-Finanzminister hätten ihren griechischen Kollegen nicht von den weiteren Verhandlungen ausgeschlossen, er sei vielmehr aus eigener Entscheidung frühzeitig gegangen.

+++20.50 Uhr+++

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), hofft auch nach dem Scheitern der Griechenland-Verhandlungen auf eine Rettung des Euro-Krisenlandes. Er gehe davon aus, dass die Regierungschefs der Eurozone in der kommenden Woche ein starkes Signal an Griechenland geben werden, sagte Schulz am Samstagabend im ARD-„Brennpunkt“ Man werde die Kompromissbereitschaft gegenüber der griechischen Seite bei Renten und Steuern deutlich machen. „Wir haben die Chance, dass das griechische Volk am kommenden Sonntag zu diesen Vorschlägen „Ja“ sagt. Die Tür ist jetzt offen und sie ist auch dann offen“, betonte Schulz.

+++20.40 Uhr+++

Die Volksabstimmung in Griechenland soll nach den Worten von Ministerpräsident Alexis Tsipras ungeachtet der gescheiterten Verhandlungen über weitere Finanzhilfen am kommenden Sonntag stattfinden. Griechenland werde überleben, unabhängig von der Entscheidung der Eurogruppe, das bestehende Hilfsprogramm zu verlängern oder nicht, sagte Tsipras laut griechischen Regierungskreisen.

+++20.30 Uhr+++

Der deutsche Bankenverband (BdB) hält die Auswirkungen einer Staatspleite Griechenlands für beherrschbar. "Ein Zahlungsausfall Griechenlands könnte die Finanzmärkte zwar kurzfristig belasten, die zu Beginn der Staatsschuldenkrise möglichen Ansteckungseffekte auf andere Euro-Staaten sind heute aber nicht mehr zu befürchten", sagt BdB-Hauptgeschäftsführer Michael Kemmer.

+++20.15 Uhr+++

Die für 20. Uhr angekündigte Abschlusspressekonferenz der Euro-Gruppe hat noch nicht begonnen.

+++20.00 Uhr+++

Der französische Finanzministers Michel Sapin sagte, dass alle 18 Regierungen Griechenland im Euro halten wollen: "Die 18 Länder haben alle klar gesagt, dass Griechenland im Euro ist und bleiben soll, egal wie groß die Schwierigkeiten jetzt sind".

Griechenlands Zahlungsverpflichtungen 2015

+++19.45 Uhr+++

Das Treffen der Finanzminister der Euro-Zone zu Griechenland ist nach Angaben eines Vertreters der Eurozone beendet. In Athen dauert die Debatte über das Referendum weiter an.


+++19.15 Uhr+++

Die Opposition im Bundestag sieht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nun in der Pflicht: „Bundeskanzlerin Merkel muss jetzt eingreifen. Das Schicksal Europas liegt in ihren Händen. Eine Verlängerung des so genannten Hilfsprogrammes um eine Woche muss drin sein“, forderte die Führung der Linkspartei am Samstagabend in einer Erklärung. Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter sagte, es sei verantwortungslos, in diesen für Europa entscheidenden Stunden eine solche Entscheidung nur der Eurogruppe zu überlassen.

+++19.04. Uhr+++

Die Europäische Zentralbank (EZB) berät Kreisen zufolge am Sonntag über die Notkredite für das griechische Bankensystem. Das berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Samstagabend unter Bezug auf einen mit der Sache vertrauten griechischen Offiziellen.


+++18.59 Uhr+++

Einer Umfrage des Instituts Alco zufolge sind 57 Prozent der Griechen für eine Vereinbarung des Landes mit seinen Geldgebern. 29 Prozent wollten es hingegen auf eine Konfrontation ankommen lassen, hieß es.

+++18.50 Uhr+++

"Es gibt keine Vorkehrungen über den Exit aus der Währungsunion. Es gibt im Lissaboner Vertrag (nur) Vorkehrungen, wie man die EU verlässt", sagte Yanis Varoufakis am Samstagabend. Varoufakis betonte, das von der griechischen Regierung geplante Referendum sollte keine Abstimmung über die Euro-Mitgliedschaft Griechenlands sein. Wer Griechenland nun vorschlage, über diese Frage der Euro-Zugehörigkeit abzustimmen, müsse dazu erst die EU-Verträge ändern.

+++18.40 Uhr+++

Angesichts der Eskalation im visiert die EZB weitere Beratungen an. Der EZB-Rat werde zu gegebener Zeit zusammenkommen, teilte die Notenbank via Twitter mit. "Die EZB beobachtet die Entwicklungen genau", hieß es zudem.


+++18.20 Uhr+++

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat die anderen 18 Euro-Länder scharf für die Weigerung angegriffen, das Griechenland-Hilfspaket über den 30. Juni hinaus zu verlängern. "Ich fürchte, das wird das Ansehen der Eurogruppe als demokratische Institution dauerhaft beschädigen", sagte Varoufakis bei einer Pressekonferenz.

Verhandlungen gehen weiter

+++18.05 Uhr+++

In Brüssel gehen die Verhandlungen der Euro-Gruppe weiter – allerdings ohne den griechischen Finanzminister. Dabei gehe es auch um die Vorbereitung erforderlicher Maßnahmen, um sicherzustellen, dass jederzeit die Stabilität der Eurozone auf hohem Niveau aufrechterhalten bleibe, sagte Dijsselbloem: „Wir sind entschlossen, die Stärke und die Glaubwürdigkeit der Eurozone zu wahren.“

+++17.50 Uhr+++

Zum Abschluss einer Pressekonferenz sagte Dijsselbloem: „Das Programm läuft aus, das ist absolut sicher im Moment“. Die Eurogruppe werde das Nötigste tun, um die Glaubwürdigkeit der Währungsunion aufrecht zu erhalten, betonte er. Wenn die Griechen bei der geplanten Volksabstimmung für das Spar- und Reformpaket stimmen sollten, stellt sich nach Darstellung Dijsselbloems vor allem die Frage, mit wem dann vertrauensvoll zusammengearbeitet werden solle.


+++17.40 Uhr+++

Laut Dijsselbloem haben sich mit Ausnahme Griechenlands die anderen 18 Finanzminister auf eine Erklärung verständigt. Die griechische Regierung habe den Prozess abgebrochen. Es sei unfair, die Vorschläge den Griechen zur Abstimmung vorzulegen und mit einem Nein und negativen Votum zu werben. Das Hilfsprogramm werde am Dienstagabend auslaufen. Es sei die letzte Möglichkeit einer Einigung gewesen. „Wir sind entschlossen, die Stärke der Eurozone zu wahren.“

+++17.30 Uhr+++

Das Rettungsprogramm für Griechenland läuft Dienstagnacht aus. Das sagte Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem am Samstag in Brüssel nach einer Sitzung der Euro-Finanzminister und bestätigte damit frühere Angaben von Diplomaten.


+++17.20 Uhr+++

Die 19 Euro-Finanzminister nehmen nach Angaben von Vertretern der Euro-Zone ihre Beratungen in Brüssel nach einer rund halbstündigen Unterbrechung wieder auf. Vor einem Treffen der 18 Minister ohne den griechischen Ressortchef Yanis Varoufakis soll es erneut eine Pause geben. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem wird nach Angaben des Pressedienstes des EU-Rates in Kürze eine Pressekonferenz geben.

+++17.15 Uhr+++

Die Eurogruppe will das Rettungsprogramm für Griechenland nicht mehr verlängern. Damit würden noch bereitstehende Milliardenhilfen für das pleitebedrohte Land am 30. Juni verfallen, berichteten EU-Diplomaten am Samstag in Brüssel am Rande von Krisenberatungen der Eurogruppe. Den Angaben zufolge sollen die Verhandlungen der Euro-Finanzminister ohne Griechenland fortgesetzt werden. Dabei dürfte es auch um alternative Pläne gehen.


+++16.57 Uhr+++

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters treffen sich die Euro-Finanzminister im Laufe des Tages nach Angaben von EU-Diplomaten eventuell erneut ohne den griechischen Vertreter Yanis Varoufakis. Das Treffen sei nur unterbrochen. Der griechische Finanzminister berate sich mit EZB-Vertretern. Danach sei eine weitere Eurogruppen-Sitzung mit Varoufakis geplant, im Anschluss daran womöglich ohne ihn.

+++16.38 Uhr+++

Nach nur rund zwei Stunden haben die Euro-Finanzminister in Brüssel nach Angaben von Vertretern der Euro-Zone ihre Sondersitzung zu Griechenland beendet.

+++16.30 Uhr+++

Die Verhandlungen der Euro-Finanzminister gehen weiter. Angeblich bereitet man sich dort schon auf Plan B vor – die Vorkehrungen für eine griechische Staatspleite.

+++15.58 Uhr+++

Das Parlament in Athen debattiert unbeeindruckt vom möglichen Scheitern der Verhandlungen mit seinen Geldgebern weiter über ein Referendum zu den geforderten Sparvorschlägen. Die Abgeordneten diskutierten am Samstagnachmittag unter anderem darüber, ob das von Regierungschef Alexis Tsipras für Sonntag kommender Woche angekündigte Referendum über das von den Geldgebern geforderte Sparprogramm überhaupt verfassungskonform sei.

+++15.44 Uhr+++

Die deutschen Protagonisten im Krisen-Countdown
Wolfgang Schäuble: Der RealistDer Bundesfinanzminister (CDU) spricht von „gegenseitigem Vertrauen“ und von „anstrengenden“ Verhandlungen mit Griechenland. Er will das Land im Euro halten, er sagt aber auch zu einem möglichen Grexit: Das sei eine “Entscheidung des griechischen Volkes“. So klingt einer, der einen Grexit nicht mehr für eine Katastrophe hält. Quelle: AP
Angela Merkel: Die VerhandlerinDie Bundeskanzlerin pflegt ihre Marke und vermeidet öffentliche Aussagen zu Griechenland. Wenn sie etwas sagt, steht sie fest zu Griechenland im Euro-Raum. Alles andere verbietet sich. Dabei setzt die Kanzlerin weiter auf die Kraft der Verhandlungen - im Zweifel auch ohne den griechischen Ministerpräsidenten. Beim Treffen von IWF, EZB, Jean-Claude Juncker und Francoise Hollande Anfang der Woche blieb Tsipras außen vor. Quelle: AP
Sigmar Gabriel: Der VorsichtigeDer Bundeswirtschaftsminister (SPD) hält sich mit öffentlicher Kritik an Griechenland zurück, sieht den Ball aber nun in Athen. Die Gläubiger hätten ihre Vorschläge gemacht. „Es hängt jetzt von Griechenland ab", so Gabriel. Gleichzeitig warnte er vor „gigantischen“ Konsequenzen einer Insolvenz. Die Wahrheit sei: "Wenn der erste Stein aus dem europäischen Haus herausbrechen würde, dass dann Europa in einem anderen Aggregatzustand wäre." Quelle: dpa
Jens Weidmann: Der MahnerDer Bundesbank-Präsident ist der Mahner der Bundesregierung. Er macht hinter den Kulissen Druck. Vor allem die Bankenfinanzierung in Athen macht ihm Sorgen. Denn die griechische Zentralbank hilft den klammen Geschäftsbanken im Land mit Notfallkrediten, um sie mit Liquidität versorgen. Doch mit dem Geld kaufen die Banken vor allem kurzlaufende Staatsanleihen oder verlängern diese – das gleicht einer monetären Staatsfinanzierung. Weidmann warnt vor einer Destabilisierung des Finanzsystems und fordert, dass Banken Staatsanleihen künftig mit Eigenkapital in der Bilanz absichern müssen. Quelle: dpa
Martin Schulz: Der UngeduldigeEr ist kein direkt Beteiligter, aber einer, der Tacheles redet. Griechenland habe gegenüber Europa „eine Bringschuld“, so Schulz, „weil es viel Solidarität von der EU erfahren hat". Deshalb müsse Athen Reformen voranbringen, bei der Reform seiner Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung, bei einer gerechteren Verteilung der Lasten, besonders auch bei der Besteuerung der großen griechischen Vermögen. Dann wird der SPD-Politiker noch deutlicher: "Leider sehen wir da bisher noch nicht das, was sich viele auch in Griechenland vorgestellt haben." Quelle: dpa
Bernd Riexinger: Der VerteidigerDer Linken-Chef nimmt seinen Parteifreund Tsipras aus Griechenland in Schutz. Schuld an der Misere seien die alten Eliten und Vorgängerregierungen. Die Linke fordert einen Schuldenschnitt und mehr Zeit für Reformen. Entlastung der kleinen Leute müsse durch eine Millionärssteuer finanziert werden. Zudem müsse Deutschland „die Zwangsanleihe, die Nazi-Deutschland Griechenland abgepresst hat“ zurückzahlen. Quelle: dpa
Simone Peter: Die VerständnisvolleGrünen-Parteichefin Simone Peter forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, den Konfrontationskurs gegenüber der griechischen Regierung zu beenden. "Es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern um einen guten Kompromiss, der Griechenland endlich wieder Luft zum Atmen gibt und mit sozial-ökologischen Investitionen das Wirtschaftswachstum ankurbelt." Quelle: dpa

+++15.30 Uhr +++

Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling hat die Lage im griechischen Schuldenstreit als eine „äußerst dramatische und schwierige Situation“ bezeichnet. „Ich glaube, es ist das passiert, was eigentlich nie passieren hätte sollen.“ Durch das Verhalten der griechischen Regierung sei die Zeit verloren gegangen, um Verhandlungen zu führen. „Griechenland hat den Verhandlungstisch jetzt verlassen.“ Eine Verlängerung des laufenden Hilfsprogramms über den 30. Juni hinaus schloss Schelling am Samstag aus. Nun müsse auch über Alternativen gesprochen werden.


+++15.25 Uhr+++

Der finnische Finanzminister Alexander Stubb sieht nach der Ankündigung des griechischen Referendums die Zeit für Gespräche über einen Euro-Austritt Griechenlands gekommen. Die Pläne für die Volksabstimmung hätten das Land näher an ein Verlassen der Eurozone gebracht, den sogenannten Plan B, erklärte Stubb am Samstag. Es gebe „mehr oder weniger einen Konsens innerhalb der Eurogruppe, dass wir das (Rettungs-)Programm, so wie es steht, nicht verlängern können.

+++15.19 Uhr+++

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis will sich nach eigenen Worten beim Eurogruppen-Treffen für eine Verlängerung des Hilfsprogramms um einige Wochen bemühen. Damit solle dem Referendum Rechnung getragen werden. Die griechischen Banken sollen trotz des erheblichen Kapitalabflusses nicht schließen. Die Zentralbank habe dafür zu sorgen, dass dies so bleibe, sagte Varoufakis am Samstag.

+++15.05 Uhr+++

Teuer, aber machbar - Euro ohne Griechenland

+++14.53 Uhr+++

Das Referendum bezeichnete Mitsotakis gegenüber der "Süddeutschen Zeitung" als "verfassungswidrig", da über Finanzfragen gar nicht vom Volk direkt abgestimmt werden könne. Er verlangte sofortige Neuwahlen und nannte das Vorgehen von Syriza einen "Putsch im Parlament".

Schäuble: Griechenland hat Verhandlungstisch verlassen

+++14.41 Uhr+++

IWF-Chefin Christine Lagarde hat sich trotz des angekündigten griechischen Referendums für weitere Gespräche der Geldgeber mit der Athener Regierung ausgesprochen. „Wir werden unsere Arbeit fortsetzen“, sagte Lagarde am Samstag in Brüssel vor Beratungen der Euro-Finanzminister. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) sprach sich erneut für Schuldenerleichterungen für Athen durch die Europäer aus. Dies lehnen die Euro-Länder bisher allerdings strikt ab.

+++14.34 Uhr+++

Wolfgang Schäuble sieht für Gespräche über das griechische Hilfsprogramm keine Grundlage mehr. "Der Verhandlungstisch ist von Griechenland verlassen worden." Damit ende das Programm am Dienstag.


+++14.20 Uhr+++

Die Mehrheit der Euro-Gruppe ist nach Angaben des finnischen Finanzministers Alexander Stubb gegen eine Verlängerung des Hilfsprogramms für Griechenland. „Plan B wird nun zu Plan A“, sagte Stubb am Samstag in Brüssel vor Beratungen der Euro-Finanzminister. Auch mit Blick auf die von Athen angekündigte Volksabstimmung über die Reform- und Sparvorschläge sprach Stubb von einem schlechten Tag für die Griechen. Die Frage einer Verlängerung des Hilfsprogramms um einige Tage durch ein Referendum stelle sich nicht. Die Tür für weitere Gespräche sei nun geschlossen.

+++14.05 Uhr+++

Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hat sich über das griechische Referendum sehr enttäuscht gezeigt. „Ich bin negativ überrascht“, sagte Dijsselbloem am Samstag vor der Krisensitzung der Euro-Finanzminister in Brüssel zur Griechenland-Krise. Die griechische Entscheidung für ein Referendum habe „die Tür für weitere Gespräche“ mit Athen geschlossen. Dies sei eine sehr traurige Situation für Griechenland. Athen habe den letzten Vorschlag der Geldgeber-Institutionen abgelehnt. Ob es eine Verlängerung des Hilfsprogramms geben kann, sagte Dijsselbloem nicht.

+++13.58 Uhr+++

Der belgische Finanzminister Johan Van Overtveldt hat die griechischen Referendumspläne als "bizarr" bezeichnet. "Es ist etwas widersprüchlich, wenn die Regierung sagt 'Wir wollen das Volk befragen' und gleichzeitig betont, dass sie selbst das Programm ablehnt", sagte er am Samstag in Brüssel vor der Sitzung der Euro-Finanzminister. Die Eurogruppe werde aber nicht über das Referendum reden. "Wir werden über das Programm diskutieren."


+++13.50 Uhr+++

Außenminister Frank-Walter Steinmeier wirbt dafür, dass Regierungschef Alexis Tsipras für den Kompromissvorschlag Partei ergreift. "Ich hoffe, dass Griechenland die ausgestreckte Hand ergreift", sagt er der "Welt am Sonntag" laut Vorabmeldung. Wenn dies in Form eines Referendums sein solle, "dann sei es so".

+++13.30 Uhr+++

CSU-Chef Horst Seehofer hat die aus Linken und Rechten gebildete Koalitionsregierung Griechenlands im Zusammenhang mit der drohenden Staatspleite des Landes scharf angegriffen. „Was uns die griechische Regierung seit vielen Wochen bietet, ist Zirkus“, sagte Seehofer am Samstag beim Bezirksparteitag der CSU Oberbayern in Miesbach. Er sei sich mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) einig: „Wir sollten diesen Zirkus so schnell wie möglich beenden.“

+++13.10 Uhr+++

Beim Treffen der Eurogruppe am Samstag ist Euro-Zonen-Kreisen zufolge nicht mit einer Verlängerung des Hilfsprogramms für Griechenland zu rechnen. Mehrere Länder seien dagegen, sagte ein Vertreter der Euro-Zone. Die Ankündigung eines Referendums wird nach Ansicht des deutschen Wirtschaftsforschers Clemens Fuest den Ansturm auf die griechischen Banken dramatisch verschärfen. "Nur mit Kapitalverkehrskontrollen ab Montag kann Griechenland bis zum 05. Juli Zeit gewährt werden, ein Referendum über das Rettungsprogramm abzuhalten."

+++13.05 Uhr+++

Die Linken-Vorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger loben die Ankündigung der griechischen Regierung. "EU-Eliten aufgepasst, so geht Demokratie", erklären sie gemeinsam in einer Mitteilung.


+++12.50 Uhr+++

Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, hat eine Zustimmung seiner Partei zu dem neuesten Angebot der Geldgeber an Griechenland signalisiert. „Unsere Fachleute werden eine mögliche Einigung rasch prüfen können“, sagte Hofreiter der „Rheinischen Post“ (Samstagsausgabe). „Wir unterstützen jeden Versuch, Europa zusammenzuhalten und sozialer zu machen.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) warf er vor, sie habe vor ihrer eigenen Bundestagsfraktion Angst. „Diese Angst vor dem Kompromiss schwächt Europa. Sie darf sich nicht länger hinter den Gläubiger-Institutionen und den Finanzministern verstecken, sondern muss eine tragfähige Lösung finden. Es geht um nichts weniger als die europäische Einheit.“

"Tsipras hat mit der Ankündigung selbst den Stecker gezogen"

+++12.37 Uhr+++

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hält die von Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras geplante Volksabstimmung über Reformen als Gegenleistung für Hilfskredite für einen gangbaren Weg. „Wir wären gut beraten, Tsipras diesmal zu folgen“, sagte Gabriel am Samstag im Deutschlandfunk. Ein Referendum könne sinnvoll sein, wenn die Bedingungen eines Reformprogramms für Griechenland klar seien. Der griechische Innenminister Nikos Voutsis ruft unterdessen alle Parteien im Parlament auf, für die Abhaltung eines Referendums zu stimmen. Eine einstimmige Entscheidung der Abgeordneten würde die Verhandlungsposition stärken.

+++12.30 Uhr +++

Der Rat der Europäischen Zentralbank wird einem Insider zufolge am Sonntag darüber beraten, ob die Nothilfen für griechische Geldinstitute erneut ausgeweitet werden.

+++12.07 Uhr+++

Der stellvertretende griechische Regierungschef wird sich nach Auskunft eines Insiders heute mit EZB-Chef Mario Draghi in Brüssel treffen.

++11.50 Uhr+++

"Tsipras hat mit der Ankündigung selbst den Stecker gezogen", sagte der Vorsitzende des Europaausschusses, Gunther Krichbaum, der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag. "Mit der Ankündigung wird dem Bundestag die Grundlage für eine Entscheidung gezogen." Voraussetzung für die bisher für Dienstag geplante Abstimmung im Bundestag sei ein Antrag des Bundesfinanzministeriums und dass das griechische Parlament Reformen zustimme. "Die von uns verlangte Zustimmung des griechischen Parlaments ist aber mit der Referendumsankündigung hinfällig."

Auch eine kurzfristige Übergangslösung ist nach Einschätzung des Abgeordneten mit dem Bundestag kaum zu machen. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es eine Mehrheit der Unionsfraktion dafür gibt, nun das am 30. Juni auslaufende Hilfspaket noch einmal um eine Woche zu verlängern, um das Ergebnis des Referendums abzuwarten." Tsipras hätte eine Volksabstimmung viel früher ansetzen sollen.

+++11.30 Uhr+++

Das von Athen angekündigte Referendum über die Sparprogramme hat in Brüssel für Verärgerung gesorgt. „Das geplante Referendum hat alles noch komplizierter gemacht“, sagte ein EU-Diplomat am Samstag in Brüssel. „Das ist noch einmal eine Volte der griechischen Regierung, um alles durcheinander zu bringen.“ Der Zeitplan sei nun nicht mehr einzuhalten. „Ich denke, dass jetzt über einen Plan B geredet werden muss“, sagte der Diplomat. Damit wird üblicherweise eine Pleite oder ein Euro-Austritt Griechenlands umschrieben.

+++11.16 Uhr+++

Von Grexit bis Graccident - die wichtigsten Begriffe zur Schuldenkrise

+++11.05 Uhr+++

Unmittelbar nach der Ankündigung der Volksabstimmung mit der Frage Ja oder Nein zu einem möglichen Sparprogramm haben sich vor den Geldautomaten in Griechenland lange Schlangen gebildet. Wie Augenzeugen berichteten und Fernsehsender am Samstagmorgen zeigten, warteten am zentralen Athener Platz von Kolonaki fast 40 Menschen vor dem Geldautomaten der National Bank of Greece. Auch in anderen Stadtteilen gab es ähnliche Bilder. Einige Geldautomaten waren wegen des Ansturms leer, berichteten Augenzeugen.

+++11.00 Uhr+++

+++10.50 Uhr+++

Trotz der griechischen Pläne für eine Volksabstimmung werden sich die Finanzminister der Euro-Zone wie geplant heute um 14.00 Uhr in Brüssel treffen, wie ein EU-Vertreter sagt.

Griechische Parlament kommt noch am Samstag zusammen


+++10.42 Uhr+++

In der CDU/CSU wird Protest gegen das jüngste Angebot der Gläubiger an Griechenland laut. Der Vorsitzende des Bundestags-Wirtschaftsausschusses, Peter Ramsauer (CSU), kritisierte in "Bild" (Samstagsausgabe), ein solcher Kompromiss würde die bisherige Beschlusslage des Bundestages sprengen. Denn er biete "frisches Geld bei null Gegenleistung". Der Bundestag habe die jüngste Verlängerung des zweiten Hilfspaketes an eine Bedingung geknüpft. Demzufolge seien weitere Gelder nur möglich, wenn das Hilfspaket nach Umsetzung der Reformen erfolgreich abgeschlossen sei. "Davon sind wir Lichtjahre entfernt", sagte Ramsauer.

+++10.00 Uhr +++

Die kleinere griechische Regierungspartei ruft die Bevölkerung zur Ruhe auf. Die Bürger sollten sich nicht einschüchtern lassen, sagte der Chef der rechtspopulistischen Unabhängigen Griechen, Panos Kammenos, am Samstag im griechischen Fernsehen. Das Land werde sich nicht erpressen lassen. "Die Banken werden nicht schließen", betonte Kammenos, der zugleich auch Verteidigungsminister ist. Seinen Worten zufolge wird es an den Automaten weiter Geld geben.

+++09.30 Uhr+++

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel zeigt sich grundsätzlich offen für das von Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras angekündigte Referendum zu den Reformforderungen der Gläubiger. Man wäre klug beraten, den Vorschlag von Tsipras nicht einfach abzutun, sagt Gabriel im Deutschlandfunk. Eine Volksabstimmung sei aber nur dann sinnvoll, wenn dann auch das Angebot der europäischen Geldgeber zur Abstimmung stehe.


Tsipras habe am frühen Samstag bereits mit EZB-Präsident Mario Draghi gesprochen, sagte ein Regierungssprecher in Athen. Dieser habe mit "Verständnis und Sensibilität" auf die Ankündigung reagiert. Für Samstagnachmittag ist in Brüssel ein neuerliches Treffen der Euro-Finanzminister geplant.

+++ 09.14 Uhr+++

Das griechische Parlament soll noch am Samstag zusammenkommen, um grünes Licht für das Referendum zu geben. Aus der Tsipras-Regierung kamen zahlreiche Stimmen, gegen die Reformen zu votieren. Der Fraktionschef der Syriza-Partei, Nikos Filis, sagte, das Ultimatum der Gläubiger müsse zurückgewiesen werden. Staatsminister Nikos Pappas geht davon aus, dass sich das Volk gegen die Auflagen aussprechen wird. Ähnliche Meinungen kamen auch vom rechtspopulistischen Koalitionspartner der Syriza.

+++09.00 Uhr+++

Tsipras sagte in einer TV-Ansprache am Samstagvormittag, das griechische Volk werde am 5. Juli über die von den Geldgebern verlangten Reformen abstimmen können. Er werde die Gläubiger bitten, das Ende Juni auslaufende Hilfspaket dafür um einige Tage zu verlängern. Der 40-jährige Links-Politiker versprach, sich an das Ergebnis der Abstimmung zu halten. Seiner Regierung sei von den Gläubigern ein Ultimatum gesetzt worden, das unvereinbar sei mit den in Europa geltenden Prinzipien. Tsipras sprach von nicht tragbaren Belastungen für die Bürger, die die sozialen Ungleichgewichte noch verstärken würden.
Tsipras habe am frühen Samstag bereits mit EZB-Präsident Mario Draghi gesprochen, sagte ein Regierungssprecher in Athen. Dieser habe mit "Verständnis und Sensibilität" auf die Ankündigung reagiert. Für Samstagnachmittag ist in Brüssel ein neuerliches Treffen der Euro-Finanzminister geplant.

Die von Athen vorgeschlagenen Sparmaßnahmen

+++08.30 Uhr+++

Der Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern eskaliert. Nachdem die Verhandlungen über die Auflagen für weitere Hilfen keinen Durchbruch brachten, kündigte Ministerpräsident Alexis Tsipras am Freitagabend überraschend ein Referendum zu den umstrittenen Reformen an, auf die sich Griechenland einlassen soll. Damit wird der Zeitplan für die Gespräche mit den Gläubigern abermals durcheinandergewirbelt. Ob Athen seinen finanziellen Verpflichtungen nächste Woche noch nachkommen kann, ist ungewiss. Eine entscheidende Rolle kommt nun der Europäischen Zentralbank (EZB) zu, die Tag für Tag Notkredite für die Geldhäuser des Landes genehmigt.


Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%