+++ Die Ereignisse im Überblick +++ Merkel hofft auf Lösung am Samstag

Das Ringen um eine Lösung im griechischen Schuldenstreit geht weiter. Am Samstag wollen sich die Euro-Finanzminister wieder treffen. Die Zeit, um die Pleite noch zu verhindern, wird immer knapper.

Die Zukunft Griechenlands in der Eurozone ist ungewiss. Quelle: dpa

+++13.26 Uhr+++

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble schätzt die Chancen auf eine Einigung mit Griechenland auf 50 zu 50. Griechenland wisse um seine Vorteile, wenn es Mitglied der Euro-Zone bleibe, sagt Schäuble in Frankfurt.

+++12.45 Uhr+++

Die internationalen Geldgeber erwägen im Falle einer Last-Minute-Einigung mit Griechenland die Verlängerung des Hilfsprogramms bis Ende November. Bis dahin könnten dem pleitebedrohten Land Finanzmittel in Höhe von insgesamt 15,3 Milliarden Euro zufließen, heißt es in einem Dokument, das der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag. In dem Papier wird auch der Zeitplan für die Überweisungen dargelegt - unter der Voraussetzung, dass sich bis Dienstag Euro-Partner, IWF und griechische Regierung auf die Bedingungen für die Verlängerung einigen. So sollten zunächst 1,8 Milliarden Euro in der kommenden Woche überwiesen werden, die aus Gewinnen der EZB durch den Erwerb griechischer Staatsanleihen im SMP-Programm 2014 stammen. Damit soll Griechenland die am Dienstag fällige Tranche an den IWF begleichen. Das Geld würde demnach fließen, sobald das griechische Parlament der Einigung mit den Gläubigern zugestimmt hat.

+++12.15 Uhr+++

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat nach Angaben aus seiner Regierung in einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Francois Hollande die harte Haltung seiner Gläubiger beklagt, für die er kein Verständnis habe. Alle drei halten sich zum EU-Gipfel in Brüssel auf.

+++11.47 Uhr+++

Die Finanzminister der Euro-Ländern werden am Samstag um 17.00 Uhr in Brüssel zu ihren Beratungen zusammenkommen, wie nun offiziell mitgeteilt wird.

+++11.00 Uhr+++

Einen Tag vor der entscheidenden Sitzung der Eurogruppe zum Thema Griechenland trifft sich der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsidenten Francois Hollande. Dies teilten Kreise der Regierung in Athen am Freitag mit. Das griechische Staatsfernsehen (ERT1) berichtete, das Treffen habe gegen 11.00 Uhr MEZ begonnen.

Alexis Tsipras und Angela Merkel. Quelle: AP

+++09.30 Uhr+++

Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis zeigt keine Kompromissbereitschaft im Schuldenstreit. Sein Land sei noch immer mit Forderungen konfrontiert, die es nicht erfüllen könne, sagte Varoufakis am Freitag dem irischen Rundfunksender RTE. Dabei habe Athen alles getan, um den "seltsamen Forderungen" der Geldgeber entgegenzukommen. Griechenland sei entschlossen, in der Euro-Zone zu bleiben, betonte der Minister des von der Pleite bedrohten Euro-Landes.

+++08.00 Uhr+++

EU-Kommissar Günther Oettinger hält einen Grexit für unvermeidbar, sollte es in den nächsten fünf Tagen keine Einigung geben. Es werde alles versucht, um Griechenland in der Euro-Zone zu halten, sagte Oettinger am Freitag im Deutschlandfunk. "Der Grexit wäre für uns kein Ziel, aber er wäre unvermeidbar, wenn wir in den nächsten fünf Tagen keine Lösung bekommen."

+++07.30 Uhr+++

Die Hängepartie um Griechenland dürfte auch am Freitag die europäischen Aktienmärkte in Schach halten. Banken und Broker rechneten mit einem leichten Minus des Dax zum Handelsstart. Der Leitindex hatte am Donnerstag kaum verändert bei 11.473 Punkten geschlossen.

Die Folgen eines „Grexits“
Das Nationalgetränk der Griechen droht für einen normalen Arbeiter zum unbezahlbaren Luxusgut zu werden: Ein Frappé, also eine Nescafé mit Milch, Eiswürfeln und einem Strohhalm kostete kurz vor der Einführung des Euro etwa 100 Drachmen. Das entsprach damals rund 30 Euro-Cent. Als die Griechenland-Krise ausbrach, vor etwa sieben Jahren, kostete ein Frappé bereits zwischen 2,50 und drei Euro. Quelle: dpa
Noch im Laufe des Aprils muss Griechenland zwei Staatsanleihen im Wert von 2,4 Milliarden Euro an seine Gläubiger zurückzahlen. Im Mai werden weitere 2,8 Milliarden Euro fällig, von Juni bis August muss Athen noch einmal mehr als zwölf Milliarden Euro an Schulden zurückzahlen. Woher das Geld kommen soll, ist völlig unklar. Quelle: dpa
Die sozialen Probleme sind groß, die Renten wurden gekürzt, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Die Regierung Tsipras plant deshalb Steuererleichterungen und die Wiedereinstellung von Beamten. Allein diese Maßnahmen werden im laufenden Jahr nach Berechnungen der griechischen Regierung mindestens zwölf Milliarden Euro zusätzlich kosten. Quelle: dpa
Schon seit Wochen ist von einem „Grexit“ die Rede, dem Austritt Griechenlands aus der Währungsunion, vielleicht sogar verbunden mit einem drastischen Schuldenschnitt. Hinter der öffentlichen Spekulation könnte Absicht stecken. Quelle: ap
Würde eine neu eingeführte Drachme gegenüber dem Euro abwerten, könnte sich die griechische Regierung nach und nach leichter entschulden. Ein Austritt der Griechen aus dem Euro böte auch noch andere Vorteile: So würde die griechische Export-Wirtschaft von einer Abwertung der Landeswährung profitieren. Quelle: dpa
Besonders teuer würde ein „Grexit“ für Menschen mit geringem Einkommen und den Mittelstand mit Sparguthaben auf  griechischen Bankkonten, während das Geld reicher Griechen im Ausland unangetastet bliebe. Quelle: dpa
Die Gläubiger werden so oder so auf Reformen beharren. Für Tsipras kommt es deshalb eigentlich nur darauf an, seinen eigenen Wählern gegenüber eine möglichst gute Figur in den Verhandlungen abzugeben. Das gilt allerdings auch für seine europäischen Partner auf der anderen Seite des Verhandlungstisches. Für alle Beteiligten ist es wichtig, dass eine Lösung der griechischen Haushaltsprobleme möglichst wenige Kollateralschaden verursacht. Quelle: dpa
Die Institutionen, die in den vergangenen Jahren Griechenland immer wieder mit neuen Krediten ausgeholfen haben, haben sich schließlich dafür selbst verschuldet. Ein Beispiel dafür ist der europäische Rettungsschirm EFSF, dem der griechische Staat 131 Milliarden Euro schuldet. Um das Geld aufzutreiben, hat der EFSF Anleihen an Fonds, Banken und Versicherungen verkauft. Diese Anleihen sind mit staatlicher Garantie versehen. Die Euro-Staaten müssten dafür geradestehen, wenn Griechenland seine Schulden nicht mehr tilgt. Deutschland etwa müsste mit 39 Milliarden Euro einspringen, Frankreich mit 29 Milliarden Euro. Quelle: Handelsblatt Online
Dasselbe Prinzip gilt für die 104 Milliarden Euro an griechischen Staatsanleihen, die die Europäische Zentralbank in ihrer Bilanz hält. Sollte es zu einem „Grexit“ kommen und die EZB die Anleihen Griechenlands im Portfolio abschreiben müssen, dann müssten die Staaten der Eurozone nach dem vereinbarten Kapitalschlüssel das Eigenkapital der EZB aufstocken. Deutschland wäre über die Bundesbank mit rund 29 Milliarden Euro dabei. Quelle: dpa
Ein kritischer Posten sind auch die etwa 50 Milliarden Euro, mit denen Griechenland bei seinen eigenen Banken verschuldet hat. Die Institute wären bei einem offiziellen Staatsbankrott sofort pleite. Sparer müssten um ihre Einlagen fürchten. Quelle: REUTERS

+++03.45 Uhr+++

Die Hoffnungen der Staats- und Regierungschefs im griechischen Schuldendrama liegen auf dem Treffen der Euro-Finanzminister am Samstag. Die Zeit dränge, deshalb müsse alles daran gesetzt werden, am Samstag eine Lösung zu finden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Freitagmorgen nach dem Ende des ersten EU-Gipfeltages in Brüssel. Die Verhandlungen seien sehr technisch und könnten deshalb nur von Fachleuten geführt werden. "Das können und werden die Staats- und Regierungschefs nicht tun", betonte Merkel. Der politische Wille zu einer Einigung sei aber von allen Gipfelbeteiligten unterstrichen worden. Derzeit gehe es um den Abschluss des laufenden Programms. "Es ist nicht möglich, irgendwelches neues Geld zu finden, was bislang nicht da ist."

+++22.27 Uhr+++

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, rechnet nach eigenen Angaben nicht mit einem Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone. Dies solle vermieden werden, forderte der SPD-Politiker in der ARD.

+++20.45 Uhr+++

Die Regierungschefs der Niederlande, Finnlands, der Slowakei sowie des Nicht-Euro-Landes Bulgarien haben beim EU-Gipfel am Donnerstag von Tsipras verlangt, das Kompromissangebot der internationalen Geldgeber anzunehmen.

+++20.20 Uhr+++

Laut einem EU-Diplomat ist kein weiterer Euro-Gipfel vorgesehen: „Es wird weder heute noch morgen einen Euro-Gipfel geben“, sagte er am Donnerstagabend am Rande des regulären Treffens aller 28 Staats- und Regierungschefs der EU. Zuvor war über die Möglichkeit einer solchen Zusammenkunft spekuliert worden.

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+++18.30 Uhr+++

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat bekräftigt, dem von der Staatspleite bedrohten Griechenland keinen Aufschub für die am Dienstag fällige Ratenzahlung zu gewähren. Es sei seit langem die Regel beim IWF, „Zahlungsfristen nicht zu verlängern“, sagte der Sprecher Gerry Rice am Donnerstag in Washington. Sollte Athen am 30. Juni nicht die fälligen rund 1,6 Milliarden Euro überwiesen haben, sei das Land „unmittelbar im Zahlungsrückstand“, sagte Rice.  


+++17.47 Uhr+++

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat im Schuldenstreit mit Griechenland Insidern zufolge bis Montagmorgen eine Lösung angemahnt. Bis zur Öffnung der Finanzmärkte müsse es eine Einigung geben, habe Merkel bei einem Treffen der Europäischen Volkspartei gesagt, berichteten zwei Teilnehmer am Donnerstag. Das Treffen fand vor dem EU-Gipfel statt. Deutschland lasse sich von Griechenland nicht erpressen, zitierten die beiden Merkel. Andere Teilnehmer des Treffens wollten diese Aussagen Merkels nicht bestätigen.

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