+++ Flughafen-Anschlag im Überblick +++ Türkei ermittelt nach Anschlag gegen den IS

Nach dem Terroranschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen ist der Luftverkehr am Mittwoch wieder aufgenommen worden. Ermittelt wird nun gegen die Terrormiliz Islamischer Staat. Die Ereignisse im Überblick.

Flughafen Istanbul-Atatürk: Hunderte Flüge gestrichen Quelle: REUTERS

Was wir bislang wissen

  • Drei Selbstmordattentäter haben wohl 41 Menschen getötet und 236 verletzt, Ausländer sollen unter den Opfern sein.
  • Es gebe Hinweise, dass hinter dem Attentat die IS-Miliz stecke, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim.

+++ Obama sichert Türkei Unterstützung zu +++

US-Präsident Barack Obama hat der Türkei nach dem Terroranschlag von Istanbul die Unterstützung seines Landes versichert. „Wir stehen an der Seite der türkischen Bevölkerung und werden alles tun, was notwendig ist, damit so etwas nicht wieder passiert“, sagte er am Mittwoch in der kanadischen Hauptstadt Ottawa. „Wir werden nicht ruhen, bis wir diese Netzwerke des Hasses zerstört haben, die Auswirkungen auf die gesamte zivilisierte Welt haben.“ Obama hatte zuvor mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan telefoniert.

+++ Ministerpräsident sieht keine Sicherheitsmängel +++

Die türkische Regierung keine Versäumnisse bei der Sicherheit. „Weder im Abflug- noch im Ankunftsbereich am Flughafen kann von einer Sicherheitslücke die Rede sein“, sagte Ministerpräsident Binali Yildirim am Mittwoch.

+++ IS steht im Fokus der Ermittlungen +++

Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS). Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, der Angriff müsse zum Wendepunkt im globalen Kampf gegen den Terrorismus werden. Auch jenseits der Türkei forderten Politiker einen Schulterschluss gegen den Terror.

+++ Eine Deutsche unter den Verletzten +++

Bei dem Terroranschlag ist auch eine Deutsche verletzt worden. Die Betroffene befand sich am Mittwoch noch in medizinischer Behandlung, sollte aber bis zum Abend das Krankenhaus wieder verlassen können, hieß es am Mittwoch aus dem Auswärtigen Amt in Berlin. Die Frau wurde auch von Mitarbeitern des Generalkonsulats Istanbul betreut. Dem Ministerium lagen darüber hinaus keine Hinweise vor, dass unter den Todesopfern Deutsche sein könnten. Vollständige Gewissheit gab aber zunächst noch nicht.

So schützen sich große Flughäfen vor Terror

+++ Zahl der Toten liegt bei insgesamt 44 +++

Nach dem verheerenden Terroranschlag auf den internationalen Flughafen von Istanbul ist die Zahl der Toten auf 44 gestiegen (darunter sind auch die drei Attentäter); 236 weitere Menschen wurden verletzt. Dies teilten die Behörden in Istanbul am Mittwoch mit. Unter den Getöteten sind nach offiziellen Angaben mindestens 13 Ausländer.

+++ Mindestens 13 Ausländer unter den Opfern +++

Unter den Toten des verheerenden Terroranschlags auf den Atatürk-Flughafen in der türkischen Metropole Istanbul sind mindestens 13 Ausländer. Die 23 anderen Todesopfer seien türkische Staatsbürger, hieß es am Mittwoch aus Regierungskreisen in Ankara.

+++ „Die Türkei nicht im Stich lassen“ +++

Die Welttourismusorganisation (UNWTO) hat die Reisebranche aufgefordert, die Türkei nach dem Terroranschlag auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul nicht im Stich zu lassen. „Es ist jetzt an der Zeit, die Türkei zu unterstützen“, betonte der UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai in einer Erklärung, die in der Nacht zum Mittwoch in Madrid veröffentlicht wurde. „Die Türkei ist eines der bedeutendsten Reiseziele in der Welt, und wir sind zuversichtlich, dass das Land dies auch bleiben wird“, erklärte er. Die Sicherheit sei ein vorrangiger Faktor für den Sektor des Tourismus. Die Branche sei zu einer Zielscheibe von Terroristen geworden, weil sie in vielen Ländern eine Säule der Wirtschaft bilde. „In Zeiten wie diesen müssen wir zusammenhalten und dürfen nicht Reiseziele isolieren, die von Anschlägen betroffen sind“, sagte der UNWTO-Chef.

Der Ben-Gurion-Flughafen gilt als Vorbild
Einer der sichersten Flughäfen der WeltNach einem Anschlag mit 26 Toten im Jahr 1972 baute Israel die Sicherheitsmaßnahmen am Ben-Gurion-Flughafen aus. Der Ex-Sicherheitschef des Flughafens, Pini Schiff, plädiert für frühzeitige Kontrollen der Passagiere – ganz anders als in Ländern wie Deutschland praktiziert wird. Inzwischen gilt der Ben-Gurion-Flughafen gilt als einer der sichersten Flughäfen weltweit. So sehen die einzelnen Sicherheitsmaßnahmen aus ... Quelle: dpa
Keine Menschenansammlungen im Flughafen-GebäudeAm Ben-Gurion-Flughafen werden einzelne Personen bereits vor dem Gebäude überprüft und gar nicht erst in die Eingangshalle gelassen. Auch wird vermieden, dass sich lange Schlangen bilden. „Das Problem jedes internationalen Flughafens sind Menschenansammlungen. Deswegen braucht es ein System, damit das Sicherheitspersonal Verdächtige entdecken und schnell reagieren kann“, sagt Ex-Sicherheitschef Pini Schiff. Quelle: dpa
Geschultes Personal sorgt für SicherheitDer Ben-Gurion-Airport setzt auf sogenannte „Sicherheitskreise“: Am Flughafen arbeiten geschulte Sicherheitskräfte, die jedes Fahrzeug kontrollieren, das in das Gebiet um den Flughafen herum fährt. Am Eingang zum Flughafen ist ein weiterer Kreis, der die Leute ebenfalls überprüft. Anschließend mischt sich spezielles Sicherheitspersonal unter die Passagiere, das unerkannt bleibt. Am Ende kommt noch der Sicherheitscheck der Personen und des Handgepäcks. Am gesamten Airport sieht man keine Soldaten mit Maschinengewehren. Quelle: AP
Elite-Kampfeinheiten der israelischen ArmeeDer Airport setzt auf Sicherheitsoffiziere, die aus den Elite-Kampfeinheiten der israelischen Armee stammen. Sie werden zudem an einer speziellen Akademie bis zu weitere sechs Monate dafür trainiert, wie sie im Fall eines Terroraktes reagieren müssen. „Wir haben viel Erfahrung damit, was man gegen Terrorismus tun muss im Vergleich zu anderen Nationen“, so Pini Schiff. Quelle: dpa
Sichere Atmosphäre für die Passagiere16 Millionen Passagiere kommen pro Jahr am Ben Gurion Flughafen an. In anderen Flughäfen sind es mehr als 60 Millionen. Die israelische Philosophie lautet, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Passagier nicht wie in einem Militärcamp fühlt.

+++ Bombenanschläge in Istanbul +++

Es ist bereits der dritte Anschlag in Istanbul in dieser Woche: Erst Anfang Juni tötete eine ferngezündeten Autobombe sechs Polizisten und fünf Passanten, 36 Menschen werden verletzt. Die TAK, eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK, bekennt sich zu der Tat. Im März sprengt sich ein Attentäter auf der zentralen Einkaufsstraße Istiklal in die Luft und reißt vier Menschen mit in den Tod, 39 werden verletzt. Drei der Todesopfer sind Israelis, eines ist aus dem Iran. Laut türkischer Regierung hatte der Attentäter Verbindungen zur sunnitischen Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls im Januar werden zwölf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer Reisegruppe in der Nähe der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkischen Regierung der Terrormiliz IS an.

+++ Bundesinnenminister erschüttert +++

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat erschüttert reagiert. „Der Terrorismus hat mal wieder sein hässliches Gesicht gezeigt und unschuldige Menschen in den Tod gerissen“, sagte de Maizière am Mittwoch in Berlin. „Ich bin tief erschüttert über den feigen und brutalen Anschlag am Flughafen von Istanbul.“ Er trauere mit den Angehörigen der Opfer und wünsche den Verletzten schnelle Genesung. „Wir werden unseren Kampf gegen den Terrorismus gemeinsam mit unseren Verbündeten mit voller Härte fortsetzen“, betonte er.

Große Terroranschläge in Europa

+++ Ban verurteilt Terrorattacke +++

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Anschlag scharf verurteilt. Die Urheber der „terroristischen Attacke“ müssten identifiziert und zur Rechenschaft gezogen werden, sagte sein Vize-Sprecher Farhan Haq am Dienstagabend. Der UN-Chef stehe fest an der Seite der Türkei, die sich mit dieser Bedrohung konfrontiert sehe. Ban bekräftige zudem, dass regionale und internationale Bemühungen im Kampf gegen Terrorismus und gewalttätigen Extremismus verstärkt werden müssten.

+++ Albaniens Regierungschef landete während des Anschlags +++

Während des Anschlags auf den Atatürk-Flughafen in Istanbul mit Dutzenden Toten und Verletzten landete Albaniens Regierungschef Edi Rama offenbar gerade auf dem Airport. Wie die private Nachrichtenagentur Dogan berichtete, traf Rama am Dienstag in Istanbul zu einem offiziellen Staatsbesuch ein, während Selbstmordattentäter das internationale Terminal angriffen. Den Angaben zufolge wurde der albanische Ministerpräsident mitsamt seinem Gefolge zu einer offiziellen Residenz gebracht. Rama sollte später am Mittwoch in die türkischen Hauptstadt Ankara weiterreisen.

+++ Wendepunkt im Kampf gegen den Terror +++

Präsident Recep Tayyip Erdogan erklärte, das Attentat müsse ein Wendepunkt im weltweiten Kampf gegen den Terrorismus sein. "Die Bomben, die heute in Istanbul explodiert sind, hätten in jedem Flughafen, in jeder Stadt auf der ganzen Welt detonieren können." Er erwarte, dass die Weltgemeinschaft eine "entschlossene Haltung" gegenüber Terrorgruppen einnehme. Der Anschlag auf den Atatürk-Flughafen ziele darauf, die Türkei zu untergraben, sagte Erdogan. Dazu werde das Blut unschuldiger Menschen vergossen und Angst verbreitet.

+++ Hunderte Flüge gestrichen - auch Berlin betroffen +++

Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am frühen Morgen. Der Sender CNN Türk berichtete, Reisende könnten inzwischen auch wieder ins Terminal. Der Angriff sorgt allerdings für ein massives Chaos im Flugverkehr. Turkish Airlines strich für Mittwoch mehr als 340 Flüge. Die Airline bot allen Reisenden mit Buchungen von oder nach Atatürk Airport an, die Flüge kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. In der Nacht waren etliche ratlose Reisende vor dem Flughafen gestrandet, die vor den Terrorangriffen aus dem Terminal geflohen waren. Regulär wären am Mittwoch fünf Flüge von Berlin nach Istanbul gegangen. Ob davon noch welche stattfinden werden, sei eine Entscheidung der Fluggesellschaften. Ob es Flüge von Istanbul nach Tegel geben werde, ist laut Wagner ebenfalls noch unklar.

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