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20 Jahre Europäische Zentralbank Bezüge, Burn-Out, „Beichte“: Hinter den Kulissen der EZB

Der 15. Stock der fast fertigen neuen Zentrale der EZB - mit Blick auf die Bankentürme Frankfurts. Quelle: dpa

Vor 20 Jahren startete die Europäische Zentralbank in Frankfurt wie ein kleines Start-Up. Heute ist aus der Bank ein Mega-Unternehmen geworden und ein beliebter Arbeitgeber. Doch es gibt Probleme.

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Gabriel Glöckler kennt sich mit den Anfängen der Europäischen Zentralbank (EZB) gut aus. Im Januar 1999 startete der Leipziger im sogenannten „European Department“. Er war dafür zuständig, die Zentralbank als neue Institution im System von Europas Schaltstellen zu etablieren. Als er anfing, erzählt er, da sei die EZB noch so etwas wie eine kleine Familie gewesen. Seine Personalnummer sei die 514, sagt Glöckler. Mittlerweile sei die Personalkartei bei Nummer 4000 und mehr angekommen.

Der Leipziger hat schon diverse Aufgaben bei der EZB erledigt. Aktuell berät er die Kommunikation, vorher bereitete er als Assistent der Direktoren die Leitzinsentscheidungen mit vor. An einen Einsatz kann sich der kräftige Leipziger besonders gut erinnern: im Zuge der Blockupy-Proteste rund um die Eröffnung des neuen EZB-Turms im März 2015 veranstaltete der Gewerkschaftsbund DGB eine Podiumsdiskussion rund um die Euro-Krise. Glöckler nimmt als Verteidiger der EZB daran teil, bekommt auch die Anfeindungen der Blockupy-Aktivisten zu spüren. Das sei schon ein einschneidendes Erlebnis gewesen, sagt er.

Dass die EZB mal buchstäblich so im Feuer stehen würde, hat bei ihrer Gründung vor auf den Tag genau 20 Jahren wohl keiner geahnt. Am Anfang, so beschreiben es viele damalige Mitarbeiter, habe sich die Arbeit bei der EZB wie bei einem Start-up angefühlt. Eine „Pionierphase“ sei das gewesen, sagt ein ehemaliger Notenbanker. Quasi am grünen Tisch habe man überlegt, wie die EZB Geldpolitik betreiben solle. Nur 300 Mitarbeiter beschäftigte die EZB damals, ihr reichten ein paar Etagen im Frankfurter Eurotower in der Innenstadt.

Mittlerweile sind es offiziell knapp 3400 Menschen, die für Europas Notenbank arbeiten, der Eurotower reicht längst nicht mehr aus. Die meisten Mitarbeiter sitzen im neuen Glasturm im Frankfurter Ostend. Doch über die Jahre sind nicht nur die Aufgaben der EZB mehr geworden, sondern hat auch ihre Macht hat zugenommen - und damit verbunden auch der Druck auf die Mitarbeiter. 

Guter Arbeitgeber, Physiotherapeut inklusive

Dabei gilt die EZB, den Fakten nach, als exzellenter Arbeitgeber. Hier arbeitet Europas Wirtschaftselite: hervorragend ausgebildet, weltgewandt, mehrsprachig, und vor allem bestens entlohnt. Schon ein Analyst kommt beim Einstieg auf ein monatliches Grundgehalt von knapp 4000 Euro brutto, günstig EU-versteuert, plus 346 Euro Kindergeld, Umzugshilfe, 16 Prozent Zuschlag für Nicht-Deutsche, Schulgeld und allem, was das Gehalts-Herz begehrt. Da fallen der hauseigene Physiotherapeut und das obligatorische Fitnessstudio schon kaum noch ins Gewicht.

Entsprechend begehrt sind die Stellen. Von 2015 bis 2017 haben sich 60.000 Menschen bei der EZB beworben, auf eine Stelle kommen 100 bis 200 Bewerber. Der Auswahlprozess ist mehrstufig und nicht leicht, auch interne Bewerber müssen sich gegen die externen Kandidaten durchsetzen.

Die Nationalität des Bewerbers ist dabei kaum von Bedeutung. Für die meisten Positionen müssten die Bewerber EU-Bürger sein, ansonsten spiele die Nationalität keine  Rolle, sagt Anne-Sylvie Catherin, die seit 2016 die Personalabteilung der EZB leitet. Von angeblicher Lagerbildung will sie nichts wissen. „Wir sind in erster Linie Europäer“, sagt die Personalchefin. „Wenn wir morgens zur Arbeit kommen, legen wir unsere Nationalitäten am Eingang ab.“

Dabei stellen die Deutschen die nach inoffiziellen Angaben mit rund einem Drittel den größten Block unter den Beschäftigten der EZB. Die EZB erklärt das mit ihrem Sitz in Frankfurt. Viele der Servicemitarbeiter seien deutsch, heißt es. Aber auch in anderen Abteilungen dominieren die deutschen Kollegen, wissen Mitarbeiter. Franzosen etwa seien dagegen mit rund sechs Prozent eher unterrepräsentiert.

Wer wissen will, wie stark sich die EZB und ihre Aufgaben über die Jahre verändert haben, muss mit Conception Alonso sprechen. Die Portugiesin arbeitet im Bereich „Market Operations“, also der Abteilung, die für die milliardenschweren Anleihekaufprogramme der EZB zuständig ist. Solche Milliardentransaktionen sind für Alonso mittlerweile Alltag. In einer Eingabemaske trägt sie dann die relevanten Zahlen ein, ein Kollege kontrolliert, ob alles richtig ist. Hier gelte natürlich das Vier-Augen-Prinzip, sagt sie. Vor allem die Anzahl der Nullen werde immer besonders streng geprüft.

Das, was nun so einfach klingt, sei am Anfang schon ein Schock gewesen, gibt Alonso zu. Niemand habe geahnt, dass solche unkonventionellen Maßnahmen mal Teil ihrer geldpolitischen Arbeit sein könnten. Aber im Zuge der Euro-Schuldenkrise sei das eben nötig geworden. Gerade da, sagt Alonso, sei man schon stolz gewesen, zur Rettung des Euro und Europas beizutragen. Aber gerade die Krise habe eben auch den Druck erhöht, erzählen viele Mitarbeiter. Keiner wollte klein beigeben, viele seien auch mal stark erkältet zur Arbeit erschienen, erzählen Mitarbeiter.   

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