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20 Jahre Europäische Zentralbank Bezüge, Burn-Out, „Beichte“: Hinter den Kulissen der EZB

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EZB-Chef Mario Draghi bekommt davon wenig mit

Tatsächlich sind die Büros der Zentralbank auf Arbeit getrimmt. Alles ist in schlichtem Grau gehalten, nur die bunten Küchen, die auf jeder Etage eine andere leuchtende Farbe haben, stechen heraus. Accessoires des modernen Hipster-Büros wie Billiardtische oder Fußball-Kicker sind hier nicht zu finden.
Der hohe Arbeitsdruck beschäftigt auch EZB-Personalrat Carlos Bowles. Sein Gesichtsausdruck verfinstert sich, als er sich an einem Dienstag um kurz nach halb acht Uhr abends durch die Drehtüren der Europäischen Zentralbank (EZB) schiebt. Er ist nicht der Einzige, der jetzt erst nach Hause geht. Offiziell sollen die Zentralbanker maximal 40 Stunden die Woche arbeiten. Doch das schafft kaum jemand. 45 Stunden sind laut einer Erhebung die Regel.

Bowles, halb Brite, halb Spanier, kurze dunkle Haare, Krawatte in EZB-blau, kam 2003 eigentlich als Volkswirt zur EZB. Aber er merkte schnell, dass ein hohes Gehalt und gutes Kantinenessen nicht alles sind, dass hier eine riesige Organisation nicht ausreichend gemanagt wird. Deshalb ist Bowles nun einer der wenigen Arbeitnehmervertreter in Deutschland, der nicht für höhere Löhne kämpfen muss. Vor seinem Büro hängen Poster seiner Kampagnen. Um Gehälter geht es da nicht: „Leave work on time“ steht da stattdessen zum Beispiel.

Burn-out, Befristung und Beichte

Seine weitere Sorge sind die befristet Beschäftigten. Viele Mitarbeiter haben über Jahre hinweg zeitlich befristete, teilweise nicht verlängerbare Arbeitsverträge. Auch über 200 Leiharbeiter beschäftigt die Zentralbank. Zählte man die sowie Hunderte Berater hinzu, käme die Zentralbank auf mehr als 5500 Mitarbeiter. Jeder Zwanzigste, hat eine Mitarbeiterbefragung ergeben, trägt sich mit Selbstmordgedanken herum. Und „bei 30 Prozent der Mitarbeiter“, so eine weitere Untersuchung, „wurde ein Burn-out-Risiko festgestellt“, sagt Bowles. Zudem sorgen sich viele Mitarbeiter um ihre Karriere, werfen der EZB Vetternwirtschaft vor: 67 Prozent der Angestellten glauben, wer befördert werden wolle, müsse vor allem die richtigen Leute kennen.

Anne-Sylvie Catherins Aufgabe ist es nun, den Beschäftigten Ängste und Vorbehalte zu nehmen. Die zierliche Französin ist Chefin der Personalabteilung und will mehr Frauen einstellen sowie das Bewerbungsverfahren transparenter machen. Und „befristete Verträge sind bei uns mit rund sieben Prozent die Ausnahme“. Im Übrigen könne man auf diese Weise beispielsweise einzelne Projekte überbrücken oder Mitarbeiter in Elternzeit ersetzen.

Doch es geht wohl um weit mehr als ein paar Elternzeitstellen. Laut internen Zahlen waren zuletzt rund 700 Mitarbeiter geliehen oder kurzfristig und dauerhaft befristetet angestellt.

EZB-Chef Mario Draghi bekommt davon wohl recht wenig mit. Der Kontakt zu seinen Mitarbeitern sei „minimal“, sagen Notenbanker. Das liegt unter anderem auch daran, dass der Italiener, wann immer es geht, eine kurze Woche pflegt und übers Wochenende in die Heimat verschwindet. Sein Vorgänger, Jean-Claude Trichet, war anders gestrickt. Der Franzose war auf den Fluren des Eurotowers präsent, konnte schon mal unangekündigt anrufen, wenn er etwas wissen wollte.

Auch die Chefin der Bankenaufsicht, Danièle Nouy, soll deutlich präsenter sein, öfter Zeitung lesend in der Kantine gesichtet werden. Draghi dagegen fährt gerne direkt mit dem Fahrstuhl aus der Tiefgarage in sein Büro in der 40. Etage des EZB-Turms. Allein schon die zusätzlichen Sicherheitsschleusen, die auf dem Weg in die Direktorenbüros in den oberen Etagen passiert werden müssen, schotten den EZB-Chef ab. Trichet dagegen veranstaltete in seinem Büro sogar monatliche Konjunkturgespräche. „Er hat die Leute weitergebildet“, erzählt ein Weggefährte. Auch Ratsentscheidungen bereitete er kollektiv mit dem gesamten Direktorium vor. Draghi dagegen zitiert seine Direktoriumskollegen lieber einzeln zu sich, als „Beichte“ werden diese Stelldicheins im Büro des gläubigen Italieners in der EZB bezeichnet.

Für die EZB-Beschäftigten gibt es mittlerweile immerhin einmal im Jahr ein sogenanntes Townhall Meeting mit allen sechs Direktoren. Auch bei Weihnachtsfeiern werde der Präsident nun gesichtet. Wirklich bei der Sache ist er aber nicht immer. Bei einer Fragerunde, so ist zu hören, saß Draghi zwar auf dem Podium, arbeitete aber nebenbei Unterlagen für die nächste Sitzung durch.

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