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60 Jahre Römische Verträge Die Europäische Union hat ein PR-Problem

In den Augen vieler Bürger ist die EU zum geldvernichtenden Bürokratiemonster mutiert. Verantwortlich für das miese Image ist schlechte Kommunikation. Doch diese ließe sich leicht verbessern.

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Demonstration der Bewegung

Die EU hatte beste Absichten, als sie die Staubsauger-Verordnung verabschiedete. Staubsauger, so die Idee, sollten fortan leiser, umweltfreundlicher, langlebiger und effizienter arbeiten. Dafür legte Verordnung Nummer 666/2013 Richtwerte für Lautstärke, Staubemission, Haltbarkeit der Bauteile und den Energieverbrauch fest. Eigentlich eine gute Sache für den Verbraucher, bald würde er nur noch saubere und stromsparende Staubsauger im Angebot finden. Doch bei vielen EU-Bürgern kam die Verordnung ganz anders an.

Britische Verbraucherschützer warnten, bald gebe es die besten Staubsauger nicht mehr. Von einem „Bann“ besonders leistungsfähiger Staubsauger war daraufhin in seriöseren Zeitungen die Rede. Die Boulevardblätter waren weniger zurückhaltend. Sie wortspielten: „EU rules that suck“. Im Englischen bedeutet „suck“ aufsaugen – aber in der Vulgärsprache auch: „Das ist beschissen“.

Aus einer sinnvollen Verordnung war innerhalb weniger Tage die Nachricht der nimmersatten Regulierer und Bürokratie-Akrobaten aus Brüssel geworden – wieder einmal. Ob Vorschriften für Seilbahnen, vermeintliche Dekolleté-Verbote oder der Klassiker von der angeblichen Vorschrift für die Krümmung von Gurken: Immer steht die EU als Geld und Freiheit vernichtendes Bürokratiemonster da, das mit dem Leben der Leute nichts mehr zu tun hat.

Die fünf großen Baustellen der EU

Dabei hat die EU ihren Bürgern seit der Grundsteinlegung durch die Römischen Verträge vor 60 Jahren viel Gutes gebracht: Frieden, Freiheit, Erasmus, grenzenloses Reisen. Es ist eine Liste, die man erweitern könnte. Das Problem ist: Bei einem Großteil der Bürger kommen die positiven Aspekte und Botschaften nicht mehr an.

Das belegen die Ergebnisse des Eurobarometers, einer regelmäßigen Umfrage im Auftrag der EU. Während vor zehn Jahren noch jeder zweite EU-Bürger ein positives Bild der EU hatte, blicken heute nur noch 35 Prozent der Europäer positiv auf die Union. Die Zukunft der EU beurteilen die Bürger ebenso skeptisch. 44 Prozent glauben, dass es in den nächsten Jahren schwierig für die Union wird. Vor zehn Jahren hatte bloß ein Viertel der Befragten so pessimistisch in die Zukunft geblickt.

Laura Shields beschäftigt sich seit Jahren mit den Defiziten der EU-Kommunikation. Sie arbeitet in Brüssel als Kommunikationsberaterin, die schlechten Umfragewerte überraschen sie nicht. Drei Hauptprobleme hat sie in der europäischen Kommunikation ausgemacht, die für das miese Image verantwortlich sind.

Erster Punkt: das sogenannte EU-Blaming. Ein Fachausdruck, bei dem viele Brüsseler PR-Leute genervt aufstöhnen. Er beschreibt das Verhalten der EU-Mitgliedsstaaten, schöne Erfolge als Ergebnis nationaler Politik zu verkaufen – und bei Fehlschlägen auf die EU zu verweisen. „Das ist ein riesiges Problem“, sagt PR-Expertin Shields. Viele Regierungen erlägen ständig dieser Versuchung.

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