85,8 Prozent machen mit Griechenland gelingt die Umschuldung

Die Pleite von Griechenland ist abgewendet. 85,8 Prozent der privaten Gläubiger haben ihrer Enteignung zugestimmt. Der Weg für den griechischen Schuldenerlass ist frei. Über den Berg ist das Land aber lange noch nicht.

Griechenland-Effekt in den Bank-Bilanzen
Bankenviertel in Frankfurt am Main Quelle: dpa
Taschenrechner mit dem Logo der Commerzbank Quelle: dpa
Logo der "Bad Bank" der Hypo Real Estate Quelle: dapd
Dexia-Eingang Quelle: dpa
Logo von Credit Agricole Quelle: dpa
Logo der Royal Bank of Scotland Quelle: dpa
Logo und Gebäude der Deutschen Bank Quelle: dpa

Nicht nur die Börsen reagieren erleichtert auf den gelungenen Schuldenschnitt, der Griechenland am Donnerstagabend gelungen ist. 85,8 Prozent der privaten Gläubiger haben der Umschuldung zugestimmt. Die Verweigerer - eigentlich müssen 90 Prozent der Gläubiger zustimmen - werden nun zwangsweise beteiligt. Dafür sollten die nachträglich eingefügten Ausfallklauseln der Anleihenverträge aktiviert werden. Die Frist für Gläubiger, die Anleihen nach ausländischem Recht hielten, werde bis zum 23. März verlängert. Insgesamt haben an dem Programm Besitzer von Anleihen mit einem Nennwert von 172 Milliarden Euro teilgenommen. Das griechische Finanzministerium kündigte an, die Umschuldungsklauseln (CAC) aktivieren zu wollen. Diese erlauben es, weitere Gläubiger zur Teilnahme an der Aktion zu zwingen. Zusammen mit den anderen Anleihen würde die Quote dann insgesamt bei 95,7 Prozent liegen. Das würde 197 der insgesamt 206 Milliarden Euro Anleihevolumen in der Hand privater Gläubiger entsprechen.

Die Argumentation, mit der private Gläubiger ins Boot geholt wurden: Ohne weitere Hilfen wäre Griechenland bankrott und Anleihegläubiger würde der Verlust ihres gesamten Investments drohen.

Beteiligung am griechischen Schuldenschnitt bei knapp 86 Prozent

Für die Halter der griechischen Staatsanleihen bedeutet das den Verzicht auf letztlich über 100 Milliarden Euro. Nun ist der Staatsbankrott für Athen erstmal abgewendet. Heute Nachmittag werden die Euro-Finanzminister telefonisch über das 130 Milliarden Euro schwere Hilfspaket entscheiden. Nach Monaten der Zitterpartie ist nun der Weg frei für die größte Umschuldung eines Staates, die es je gegeben hat.

Regierungssprecher Pantelis Kapsis sagte am Morgen im Fernsehen: „Es ist ein historischer Moment. Wir werden damit mehr als 100 Milliarden Schulden los.“ Minister Venizelos dankte den Gläubigern, „die unser ehrgeiziges Reform- und Anpassungsprogramm unterstützt und sich an den Opfern des griechischen Volks bei diesem historischen Unterfangen beteiligt haben“.

Finanzminister Evangelos Venizelos kündigte an, er werde gegen Mittag bei einer Pressekonferenz das Ergebnis des Schuldenschnitts kommentieren. Wie es dann konkret weitergeht, dürfte erst nach den Beratungen von Venizelos mit seinen Kollegen aus den anderen 16 Euroländern bekannt werden. Die Euro-Finanzminister wollen sich in einer Telefonkonferenz am frühen Freitagnachmittag mit den Ergebnissen des griechischen Anleihetausch-Angebots beschäftigen. Auf der Tagesordnung steht auch die endgültige Freigabe des Anfang März grundsätzlich beschlossenen 130-Milliarden- Hilfspakets für Griechenland. Der Internationale Währungsfonds (IWF) will am 15. März über das neue Hilfspaket diskutieren.

Das Land hängt bereits seit 2010 am internationalen Finanztropf und hatte damals Hilfszusagen von 110 Milliarden Euro bekommen. Bald danach zeigte sich aber, dass diese Kredite nicht ausreichen, um Griechenland dauerhaft vor der Pleite zu bewahren. Ausgangspunkt für den im Detail äußerst komplizierten Schuldenschnitt ist ein Anleihevolumen von 206 Milliarden Euro. Die Grundsatzvereinbarung mit den Banken sieht einen Forderungsverzicht von 53,5 Prozent vor. Der griechische Schuldenberg würde also im Optimalfall um mehr als 100 Milliarden Euro gestutzt. Anleger sollen, so das Angebot, im Tausch für ihre alten Anleihen neue Bonds mit längerer Laufzeit und niedrigerer Verzinsung bekommen.

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