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Anleihen Überzeugt der Rettungsschirm die Investoren?

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Anfängliche Euphorie kühlt ab

Drei Buchstaben

Vieles wird davon abhängen, wie attraktiv die Investoren die neuen Anleihen einstufen. Doch hier ist das Bild gemischt. In der Anfangseuphorie war die erste Emission im Januar 2011 (Volumen fünf Milliarden Euro, Laufzeit fünf Jahre) fast neunfach überzeichnet. EFSF-Chef Regling berichtete damals stolz von einem Rekordinteresse der 500 Investoren.

Doch dann kühlte sich, angesichts des politischen Tauziehens in Brüssel, Paris und Berlin, die Marktstimmung spürbar ab. Im Herbst musste eine Anleiheemission abgesagt werden, weil das Marktumfeld zu unsicher war. Die Stimmung der Investoren war auf dem Tiefpunkt.

Doch seit die Europäische Zentralbank (EZB) kurz vor Weihnachten den Banken im Euro-Raum eine Liquiditätsspritze von 489 Milliarden Euro verabreicht hat, geht es wieder aufwärts. Seither kaufen Europas Finanzinstitute wieder europäische Staatsanleihen, die Renditen für italienische und spanische Staatsanleihen sind deutlich gesunken, wovon auch die EFSF profitiert (siehe Grafik oben).

Eine dreijährige Anleihe Anfang Januar wurde vom Markt recht gut angenommen, die Rendite liegt bei moderaten 1,5 Prozent. Finanzchef Frankel glaubt an einen Wendepunkt.

China hält sich bedeckt

Doch die Gleichung hat noch viele Unbekannte. Wie werden die Investoren reagieren, wenn die EFSF ihre Top-Bonität AAA verliert? Standard & Poor’s, eine der drei marktbeherrschenden Ratingagenturen, hat den Rettungsfonds bereits heruntergestuft, nachdem der große Fonds-Garantiegeber Frankreich sein AAA verloren hatte.

Asiatische Investoren haben sich zuletzt stark zurückgezogen: Kauften sie bei der ersten Emission im Januar 2011 noch 38 Prozent aller Anleihen, waren es ein Jahr später nur noch zwölf Prozent. „Das ganze politische Hickhack in Europa hat die Asiaten vergrault“, sagt ein Anlageverwalter einer europäischen Großbank in Singapur. „Sie sehen nur, dass die Währungsunion nicht rund läuft, und fragen sich, warum keiner eingreift. Man versteht Europa nicht und geht deshalb lieber in den Dollar.“

Käufer von EFSF-Anleihen nach Region

Bei privaten Investoren in Asien gehe das Interesse derzeit gegen null: „Der Durchschnittsasiate, der etwas Geld auf der hohen Kante hat, legt 80 Prozent seines Vermögens regional an, 19 Prozent in den USA, und das letzte Prozent geht nach Europa.“ Staatsinvestoren aus der Region seien grundsätzlich offener, denn sie wollten den Euro-Raum und damit ihre Exportmärkte stabilisieren.

Doch auch hier ist, etwa in China, aus innenpolitischen Gründen Zurückhaltung angesagt: „Europa herauszuhauen, während in China die Ungleichheit wächst, ist in der Bevölkerung extrem unpopulär“, sagt ein Beobachter. Das weiß auch die Führung in Peking. Ministerpräsident Wen Jiabao ließ sich beim jüngsten Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel deshalb nicht auf Zugeständnisse festnageln. Wahrscheinlich ist daher, dass China über den IWF helfen wird, statt direkt EFSF-Titel zu kaufen.

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