Anleihen Italiens erstaunliche Bondrally

Das Anleihekaufprogramm der Europäischen Zentralbank läuft derzeit auf Hochtouren. Eigentlich müssten die Renditen von Italiens Staatsanleihen derzeit fallen. Tun sie aber nicht.

Die größten Pleitestaaten der Welt
Norwegische Insel Quelle: dpa
Reichstag Quelle: dpa
Gracht in Amsterdam Quelle: AP
Akropolis Quelle: AP
Brunnen am österreichischen Parlamentsgebäude Quelle: dpa
Schweizer Flagge Quelle: dpa
Big Ben und Westminster Abbey Quelle: REUTERS
Eiffelturm und Feuerwerk Quelle: dpa
Vancouver Lake Quelle: AP
Platz 6: ItalienItaliens Schulden sind mit 2,75 Billionen Euro immens hoch. Schließlich ist das mehr, als die italienische Volkswirtschaft in einem Jahr erwirtschaftet. Die Schulden im Verhältnis zum BIP liegen bei 139,5 Prozent. Die 60,8 Millionen Italiener sind im Durchschnitt pro Kopf mit 46,757 US-Dollar (rund 45.000 Euro) verschuldet. Quelle: dpa
Platz 5: BelgienNoch höher sind die Schulden pro Einwohner allerdings in Belgien. Hier beträgt die Pro Kopf-Verschuldung 47.749 US-Dollar (44,338 Euro). Die absoluten Staatsschulden belaufen sich auf 375 Milliarden Euro. Das entspricht ziemlich genau der Wirtschaftsleistung des Landes. Quelle: dpa
Platz 4: SingapurDas asiatische Land gilt als wirtschaftlicher Vorreiter in der Region. Allerdings ist die Schuldenlast des 5,5-Millionen-Einwohner-Staates hoch: Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt bei 56.980 US-Dollar (52,910 Euro). Insgesamt liegen die Staatsschulden bei 106,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Quelle: dpa
Platz 3: USAMehr als eine Billion Dollar Defizit stand in den Haushaltsbüchern der USA, als Obama Präsident wurde. Noch im letzten Jahr schoben die Vereinigten Staaten von Amerika einen gigantischen Schuldenberg in Höhe von 18,195 Billionen US-Dollar vor sich her - das waren 58,604 US-Dollar (54,418 Euro) pro Kopf. Mittlerweile hat sich das Haushaltsloch verringert. Wegen höherer Einnahmen und geringerer Ausgaben werde nun nur noch mit einem Defizit von 455 Milliarden Dollar (413 Milliarden Euro) gerechnet. Im kommenden Haushaltsjahr soll das Loch dann bei 429 Milliarden Dollar und damit bei 2,3 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen. Quelle: dpa
Platz 2: IrlandGetoppt wird die Pro-Kopf-Verschuldung nur noch von Irland und einem weiteren Land. Das Euro-Land hat infolge der Finanzkrise eine Pro-Kopf-Verschuldung von über 60,000 US-Dollar aufgebaut. Die Gesamtschulden betragen 121 Prozent des irischen BIP. Zahlen, über die der Spitzenreiten nur lachen kann... Quelle: dapd
Platz 1: JapanJapans Verschuldung beträgt inzwischen über zehn Billionen US-Dollar. Das sind 199 Prozent des BIP - oder 79,525 US-Dollar (73,844 Euro) pro Einwohner. Quelle: dpa

Nachdem der Beginn der quantitativen Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) die Anleiherenditen zunächst auf Rekordtiefstände getrieben hatte, zeigte der Handel in der vergangenen Woche, dass die Marktlogik doch nicht komplett auf den Kopf gestellt worden ist. Renditen können noch immer steigen.

Kursrückgänge haben der Rendite zehnjähriger Anleihen aus Italien den ersten Wochenzuwachs seit mehr als einem Monat eingebracht. Damit geriet eine Rally ins Stocken, die durch die Erwartung des QE-Programms und die seit dem 9. März laufenden EZB-Ankäufe von Staatsanleihen angeheizt worden war.

Daten zu Italiens Wirtschaft

Auslöser der Entwicklung war die Emission 15-jähriger Staatsanleihen Italiens, die umfangreicher als erwartet ausfiel - just als die Händler auf die jüngste Erklärung der Federal Reserve über die US-Geldpolitik warteten. Das schürte Spekulationen, dass die Staaten die Märkte fluten könnten. Bis zum Ende der Woche machten italienische Anleihen einen Teil ihrer Verluste aber wieder wett, dank Fortschritten bei den Verhandlungen Griechenlands mit seinen Gläubigern.

„Nach einer ziemlich guten Entwicklung im Vorfeld und nach dem Start des QE wurde meiner Meinung nach etwas Geld vom Tisch genommen, und deshalb haben sich die Peripherie-Spreads ausgeweitet,“ sagte Richard McGuire, Leiter europäische Zinsstrategie bei Rabobank International in London. „Das ist kein linearer Prozess. Der zentrale Wendepunkt war die Fed- Sitzung, und das fiel mit der syndizierten 15-jährigen Anleihe Italiens zusammen. Das ist ein Grund, warum die Emission so schwer wog.“

Die Rendite zehnjähriger italienischer Anleihen stieg vergangene Woche um fünf Basispunkte auf 1,20 Prozent. Das war der erste Zuwachs seit der Woche bis zum 13. Februar. Der Renditeaufschlag, den Anleger für italienische Wertpapiere mit zehn Jahren Laufzeit gegenüber gleichlaufenden Bundesanleihen verlangen, erreichte am vergangenen Mittwoch 118 Basispunkte, bevor sich der Spread zwei Tage später wieder auf 102 Basispunkte verengte.

„Wir halten an unseren Spread-Zielen fest“

Auch die Anleihen anderer europäischer Länder mit einer niedrigeren Bewertung gaben letzte Woche nach. Die Sorge, dass die Fed aggressiv höhere Leitzinsen signalisieren würde, und der Wirbel um Griechenland verringerte die Nachfrage nach Staatsanleihen mit niedrigeren Bonitätsnoten, obgleich die EZB bereit steht, die Anleihen der Region anzukaufen.

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Der Spread zwischen zehnjährigen spanischen Papieren und deutschen Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit beendete die Woche bei 100 Basispunkten. Am 18. März - also vor der Fed- Erklärung - war er auf 114 Basispunkte gestiegen und hatte damit den höchsten Stand seit dem 20. Februar erreicht.

„Wir betrachten die jüngste Spread-Dynamik als vorübergehend und rechnen damit, dass die Verengungsdynamik zurückkehrt,“ erklärte Markus Koch, Stratege der Commerzbank in Frankfurt, vergangene Woche in einer Kundennotiz. „Wir halten an unseren strategischen Spread-Zielen fest,“ schrieb er und verwies auf das Ziel von 65 Basispunkten beim Renditeabstand zwischen spanischen und deutschen Anleihen mit zehn Jahren Laufzeit.

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