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Anleihen Was Griechenland-Anleger aus der Argentinien-Pleite lernen können

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Zur Umschuldung gezwungen

Proteste in Argentinien 2001 Quelle: AP

Entschließen sich nicht mindestens 90 Prozent der privaten Gläubiger zum Tausch, zwingt ein am Donnerstag in Athen verabschiedetes Gesetz alle anderen zur Umschuldung. Im Raum stand zuletzt ein zusätzlicher Erpressungsversuch: Gläubiger, die zum Tausch gezwungen werden, könnten schlechtere Konditionen bekommen als jene, die sofort tauschen.

Wer noch Griechenbonds kauft, spekuliert darauf, dass Banken und Versicherer zu 90 Prozent freiwillig tauschen. Nur dann könnten Anleger auf 100 Prozent Rückzahlung hoffen. So richtig daran glauben mag die Börse nicht: Der Kurs von Bonds, die im März auslaufen, steht bei unter 30 Prozent. Wer nicht jahrelang – in Athen! – vor Gericht ziehen will, sollte verkaufen.

Da der Zins getauschter Bonds niedriger und die Laufzeit länger ist als bei alten Papieren, verzichten Anleger auf über 70 Prozent des ursprünglichen Werts ihres Investments. Noch im Sommer war von 21 Prozent die Rede. Die griechische Wirtschaft aber entwickelte sich schlechter als erwartet, ein größerer Schnitt musste her.

Argentinien-Anlegern ging es nicht besser. 2005, als das Land seine Umschuldung vorantrieb, verzichteten Anleger auf rund drei Viertel ihrer Forderungen. Auch Argentinien erpresste Sparer: Wer nicht tauschte, sollte leer ausgehen. Deutsche Privatanleger klagten dagegen, eine Odyssee, die bis zum Bundesverfassungsgericht ging und noch nicht beendet ist.

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    Weil es dem Land wirtschaftlich bald wieder besser ging, urteilte das Oberlandesgericht Frankfurt 2006, Argentinien könne sich nicht mehr darauf berufen, „dass dem Anspruch eines Privatgläubigers auf Rückzahlung von Staatsanleihen ein auf Zahlungsunfähigkeit beruhender Staatsnotstand entgegensteht“.

    Warten auf Zahlungen

    Auch Rolf Koch, 63, aus Mühltal bei Darmstadt hatte geklagt und gewonnen. Trotzdem: „Freiwillig zahlt Argentinien nichts. Sie dürfen es nicht, weil ein Gesetz besagt, dass sie Anleger, die nicht bei der Umschuldung mitmachten, nicht besser stellen dürfen als jene, die mitmachten“, sagt Koch.

    Auf seinen „hohen sechsstelligen Betrag“ aus Argentinien wartet er bis heute. Allerdings konnte er mit anderen Sparern ein Konto mit 600 000 Euro pfänden. Argentinien hatte dort Zinsen eingezahlt, die Kleinsparer nie abgerufen hatten.

    Nach einem weiteren Umschuldungsangebot 2010 hatte sich das Land mit rund 92 Prozent der privaten Gläubiger geeinigt. Das reicht nicht: Solange nicht alle Forderungen beglichen sind, kann Argentinien kaum an den internationalen Kapitalmarkt zurückkehren. Der Trierer Vermögensverwalter HWB Capital Management etwa hatte vor dem New Yorker Gericht District Court gewonnen.

    „Sobald Argentinien über eine US-Dollar-Anleihe frisches Kapital einsammelt, können wir das Geld pfänden“, sagt Geschäftsführer Carsten Salzig. Für HWB-Fonds waren 100 Millionen Dollar offen – dank Zins und Zinseszins summieren sich Argentiniens Schulden bei HWB auf mehr als das Doppelte.

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