Anleiherückkauf Stück aus dem Tollhaus

Die Entscheidung von Standard & Poor´s, Griechenland wegen des Anleiherückkaufs als teilweisen Zahlungsausfall zu bewerten, mag voreilig sein - eine Warnung an die EU-Finanzminister und die EZB ist sie allemal.

Die zehn größten Euro-Lügen
Ex-EZB-Chef Jean-Claude Trichet Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dpa
Giorgios Papandreou Quelle: dpa
Wolfgang Schäuble Quelle: dapd
Chef der Eurogruppe Jean-Claude Juncker Quelle: dapd
Angela Merkel mit Draghi Quelle: dapd
Mariano Rajoy Quelle: REUTERS
EZB-Chef Mario Draghi Quelle: dpa
Angela Merkel Quelle: dapd
Helmut Kohl Quelle: AP

Wie nicht anders zu erwarten war, geht die Tragikomödie um die Rettung Griechenlands in den nächsten Akt.  Dreh- und Angelpunkt ist das Rückkaufangebot für griechische Staatsanleihen im jüngsten Rettungspaket. Im Wissen um ein großzügiges Abfindungsangebot hatten Spekulanten die Kurse in den letzten Tagen weit nach oben gezogen. Das überaus großzügige Rückkaufangebot, das jetzt,  je nach Laufzeit der Anliehen, zwischen 30,2 und  40,1 Prozent des Nominalwertes vorsieht, reicht den Hedge-Fonds aber offenbar nicht. Sie  bekommen den Hals nicht voll und verlangen mehr - und werden es wohl auch bekommen.

Wo das Geld jetzt sicher ist
Bargeld Quelle: Sebastian_Wolf
Goldbarren und -münzenDas Edelmetall ist die Notfallreserve außerhalb des Finanzsystems schlechthin. Wer mit dem Schlimmsten rechnet, hofft, dass er kleinere Goldmünzen gegen Lebensmittel oder Medikamente tauschen kann, wenn Banken ihn nicht mehr mit Bargeld versorgen. Verwahren Anleger ihr Gold allerdings im Bankschließfach, kann es nach einer Bankpleite dauern, bis sie Zugriff bekommen. In Krisenzeiten fällt der Goldpreis mitunter. Großanleger wie Hedgefonds müssen ihren Goldbestand verkaufen, um flüchtende Anleger auszuzahlen. Da in Panikphasen andere Anlagen wie Aktien oder Anleihen stark an Wert verlieren oder illiquide werden, ist Gold dann eine der wenigen Anlagen, die sie noch zu Geld machen können. Quelle: dpa
Spareinlagen: Sparkassen/VolksbankenIhren Kunden versprechen Sparkassen, Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken, dass sie Pleiten der zu ihrer jeweiligen Gruppe gehörenden Institute im Vorfeld verhindern. Meist geschieht das über Fusionen von schwachen mit stärkeren Mitgliedern. Kommt es zu keiner Pleite, muss auch kein Geld gerettet werden. Dadurch sollen auch Zertifikate und Anleihen vor einem Totalverlust sicher sein. Das ist ein Unterschied zu anderen Einlagensicherungssystemen. Die Solidarität funktionierte bislang, könnte aber bei der Schieflage großer Institute überstrapaziert werden. Quelle: dpa
Fresenius Quelle: Pressebild
Deutsche Börse Quelle: dapd
Investmentfonds Quelle: Wolfgang - S - Fotolia
Sparschwein Quelle: Edel Rodriguez
Euro-Münzen
Commerzbank Quelle: Reuters
ABN Amro Quelle: dpa/picture-alliance
Schiff Quelle: dpa
ETF Quelle: Yong Hian Lim - Fotolia
Zertifikate Quelle: dpa

Besser kann es für die Finanzakrobaten, die sich im Sommer – im Vertrauen auf die Nibelungentreue von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Euro und zu Griechenland – mit Anleihen des Pleitestaats zu Preisen von weniger als 20 Prozent des Nominalwerts eingedeckt haben, eigentlich nicht laufen. Während man mit Hilfe der Eurogruppe ganz Europa am Nasenring durch die Arena führt, steigen die Kurse griechischer Anleihen. Die Hausse lässt sich prima nutzen zum Abbau der Positionen. Wird ein noch höheres Rückkaufangebot nachgelegt, umso besser  - dann lassen sich auch noch die Restbestände abstoßen. Da fragt sich der Bürger natürlich: Auf welcher Seite stehen die europäischen Finanzminister eigentlich? Auf der Seite der europäischen Steuerzahler offensichtlich nicht. 

Die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor´s, Griechenland wegen des Anleiherückkaufs und der damit de facto verbundenen Umschuldung als teilweisen Zahlungsausfall („Selective Default“) zu bewerten, mag voreilig gewesen sein - eine Warnung an die EU-Finanzminister ist sie allemal. Die Warnung richtet sich aber auch an die Europäische Zentralbank (EZB).  Man darf gespannt sein, ob die EZB in Zukunft noch griechische Staatsanleihen als Kreditsicherheit annehmen wird. Auch bei ihr steht die Glaubwürdigkeit mehr und mehr auf dem Spiel.

Länder wie Portugal, Irland, Zypern und Spanien drängen inzwischen auf eine Gleichbehandlung mit Griechenland.  Schnürt die Politik weitere Rettungspakete à la Hellas, dann droht der “Selective Default” für die gesamte EU-Peripherie.

Ein schwacher Trost bleibt. Ganz ohne Risiko ist das Spiel der Hedge-Fonds nicht. Die Rückzahlung soll in Schuldpapieren des EFSF erfolgen - einer Institution,  deren Bonität gerade ebenfalls von den Ratingagenturen herabgestuft wurde

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%