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Anschläge in Paris Wie Deutschlands Wirtschaft auf den Terror reagiert

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Viele Firmen wollen aufrüsten

Die Sicherheit verbessern wollen dennoch viele Unternehmen. 40 Prozent der befragten Sicherheitsexperten geben an, dass sie 2016 ein höheres Budget zur Verfügung haben werden als 2015. Bis 2017 wollen 33 Prozent der Befragten in biometrische Zutrittskontrollen investieren, je 31 Prozent in elektronische Schließtechnik sowie Videoüberwachung, je 28 Prozent in Alarmsysteme sowie Daten-Verschlüsselungstechnik. Mehr als 80 Prozent der befragten Sicherheitschefs setzen für Kontrollaufgaben auch externe Dienstleister ein. Bis vor wenigen Jahren galten für sie vergleichsweise einfachere Aufgaben wie Objekt- und Werkschutz, Personenbegleitung, Pförtnerdienste oder Werttransporte als Schwerpunkt. Das hat sich geändert.

Islamistischer Terror gegen Europäer seit "Charlie Hebdo"

Längst kontrollieren deren häufig gering entlohnte Mitarbeiter Veranstaltungen, Botschaften, Flughäfen, Bahnhöfe, Atomkraftwerke, Asylbewerberheime, selbst Gefängnisse, bald sogar Kasernen. Etwa 200 000 Mitarbeiter erwirtschafteten 2014 in Deutschland rund 5,4 Milliarden Euro Umsatz mit Sicherheitsdienstleistungen. „Einen Nachfrage-Boom hat es in Deutschland aber selbst nach dem 11. September nicht gegeben und damit rechnen wir auch nach den Anschlägen in Paris nicht“, sagt Gregor Lehnert, Unternehmer und BDSW-Präsident.

Sicherheitsfirmen fehlt Personal

Zu glauben, durch den Einsatz privater Sicherheitsleute Terror-Risiken ausschalten zu können, wäre sowieso ein Trugschluss. Es fehlt den Sicherheitsunternehmen schlicht an den geeigneten Mitarbeitern – schon jetzt. In Deutschland müssen etwa immer mehr Flüchtlingsherbergen vor immer mehr Übergriffen geschützt werden. „Uns fehlen derzeit mindestens 5000 Mitarbeiter alleine dafür, und wenn diese Leute endlich gefunden haben, müssen wir sie erst noch entsprechend gut ausbilden“, so Lehnert.

Möglicherweise müssten die Unternehmen auch mehr bezahlen, denn auch das ist noch immer ein Problem in der Branche. Wenn einfachere - zudem weniger gefährliche - Tätigkeiten in anderen Branchen schon über dem Mindestlohn vergütet werden, müssten auch Sicherheitsfirmen eher noch etwas drauflegen.

Und noch ein weiteres Hindernis schränkt die Einsatzmöglichkeiten privater Sicherheitsdienste ein: Für hoheitliche Tätigkeiten wie den Schutz vor Terrorangriffen sind Polizisten zuständig, privaten Kräften ist das nicht erlaubt. Unternehmen und Privatleute dürfen Sicherheitsdienstleister nur mit der Ausübung der Rechte betrauen, die ihnen selbst zustehen. Dazu zählt das Hausrecht. Private  dürfen zum Beispiel ihre Firmengebäude kontrollieren lassen. Die Anwendung von Gewalt ist  in Notwehr oder Nothilfe für einen bedrohten Dritten erlaubt. Private Sicherheitsleute mit Waffen sind die große Ausnahme.

Mangelhafte Zusammenarbeit zwischen Privaten und Polizei

Frank Braun, Dozent an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Münster, sieht allerdings ein Defizit bei der Zusammenarbeit von privaten Sicherheitsunternehmen und Behörden. „Es mangelt immer noch am nötigen Datenaustausch zwischen Privaten und Polizei, weil er gesetzlich nicht geregelt ist. Doch je besser der funktioniert, desto effektiver ist der Schutz vor Anschlägen.“ Das fordern Experten seit Jahren, ohne dass sich etwas geändert hat. Für Braun würde schon eine einfachere Maßnahme helfen, den Schutz der Bevölkerung gegen Terror zu verbessern: „Die Polizei leidet unter Personalmangel.“ 

Jetzt werden zwar überall junge Leute angeworben, doch auch die müssen erst ausgebildet werden - anders als bei der Privaten über Jahre. Braun sagt deshalb: „Wenn privaten Sicherheitsdiensten die Kontrolle des fließenden Verkehrs überlassen würde, könnten mehr gut ausgebildete und erfahrene Polizisten zur Terrorabwehr eingesetzt werden.“

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