Anschlag auf "Charlie Hebdo" Schock über blutiges Attentat schweißt Franzosen zusammen

Nach dem Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" versammelten sich zehntausende Franzosen spontan auf den Straßen. Politiker rufen zum Zusammenhalt auf.

Solidarität mit den Opfern. Quelle: AP

Damit hatten die Attentäter wohl nicht gerechnet: Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin“Charlie Hebdo“ steht Frankreich so geschlossen beisammen wie lange nicht mehr - über Partei- und Religionsgrenzen hinweg. Nun, beinahe geschlossen jedenfalls. Der rechtsnationale Front National und seine Vorsitzende Marine le Pen hat niemand zu der für Samstag in Paris geplanten Großdemonstration aller republikanischen Kräfte eingeladen.

Noch am Abend versammelten sich aber zehntausende Menschen in mehreren französischen Städten zu spontanen Gedenk- und Protestveranstaltungen. Für diesen Abend zumindest rückten der Groll über Sparmaßnahmen, Reformen und die hohe Arbeitslosigkeit weit in den Hintergrund. Sie hielten Stifte hoch als Zeichen der Solidarität mit den getöteten Karikaturisten sowie Transparente mit den Aufschriften „Je suis Charlie“ - Ich bin Charlie. Dieser Satz wurde den ganzen Tag über vieltausendfach auch über soziale Netzwerke geteilt. Und der Imam von Bordeaux, Tareq Oubrou, startete einen Aufruf, auf den angesichts der zahlreichen Attentate radikaler Islamisten und Unterdrückerregime selbsternannter Gotteskrieger wohl viele Nicht-Muslime nicht nur in Frankreich, sondern in der ganzen westlichen Welt seit langem gewartet hatten: Die Muslime in Frankreich sollten „in Scharen auf die Straßen gehen und ihre Empörung zeigen“.

Dabei hatte die öffentliche Empörung in der Vergangenheit häufig „Charlie Hebdo“ und seinen Machern gegolten. Man warf ihnen Islamfeindlichkeit vor, nicht nur von Seiten muslimischer Gemeinschaften. Auch das französische Politik-Establishment fürchtete um das fragile Miteinander der Religionen im Land und mahnte zur Zurückhaltung. In Frankreich leben die größten jüdischen und muslimischen Gemeinschaften in Westeuropa.

Attentäter kannten die Redaktionsabläufe

Das Satire-Magazin war 2006 der dänischen Zeitung "Jyllands Posten" gefolgt und hatte Mohammed-Karikaturen gedruckt. Auch voriges Jahr legte sie mit einer Serie nach und publizierte zwischendurch zahlreiche bissige Zeichnungen, bei denen so ziemlich alle Weltkirchen ihr Fett abbekamen.

Die wichtigsten Fakten zu "Charlie Hebdo"

Für die aktuelle Ausgabe entwarf Chefredakteur Stéphane Charbonnier eine im Rückblick grausam visionäre Karikatur: „Was, noch immer keine Attentate in Frankreich?“ lässt er einen islamischen Dschihadisten fragen. „Wartet nur ab“, gibt er sich selbst die Antwort, „Neujahrsgrüße kann man bis Ende Januar abgeben.“ Charb, wie er in Frankreich genannt wurde, gehört zu den Opfern, die im Kugelhagel der Attentäter starben. Auch viele andere Mitarbeiter des Magazins starben, als sie sich am Mittwoch zur wöchentlichen Redaktionskonferenz trafen. Auch zwei der Polizisten, die zum Schutz der Mitarbeiter das Gebäude bewachten, waren unter den Opfern.

Die Attentäter, nach ersten Ermittlungen mutmaßlich Muslime mit französischem Pass, nach denen am Mittwochabend unter anderem in Reims gesucht wurde, kannten die Redaktionsabläufe wohl genau. „Wir haben den Propheten gerächt und Charlie Hebdo getötet“, brüsteten sie sich nach dem Anschlag.

Nicht aber die Bereitschaft der französischen Gesellschaft, die Grundpfeiler der Republik zu verteidigen. Dazu gehört die Freiheit - auch die Pressefreiheit. Nicht alle sind so mutig wie Charbonnier, der einst sagte, er wolle lieber aufrecht sterben, als vor Drohungen auf die Knie zu gehen. Die Tageszeitung „Le Monde“ zeigte den Chefredakteur auf ihrer Internetseite mit einem Titelblatt, setzte aber die Schere an, wo die Karikaturen begannen. 

„Le Monde“ wie auch die Rundfunkanstalten "Radio France" und "France Télévisions" kündigten jedoch an, den überlebenden Mitarbeitern von „Charlie Hebdo“ Personal und Mittel zur Verfügung zu stellen, damit das Magazin weiter existieren könne.

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