Arbeitsmarkt Lukratives Grenzpendeln im Elsass

In Deutschland fehlen Fachkräfte, Frankreich hat sie. Im Elsass liegt nichts näher, als Grenzen zu überschreiten. Deutsch-französische Servicebüros vermitteln Fachkräfte in beide Richtungen.

Ein Elsässer in Baden - Dachdecker Helmrich Quelle: Dominic Jan Geis für WirtschaftsWoche

Jeremy Helmrich wechselt die Seiten. Neuerdings jeden Morgen und jeden Abend. Morgens fährt er von der kleinen Gemeinde Brumath, nördlich von Straßburg, über die Grenze hinüber ins baden-württembergische Kehl. Nach vollbrachtem Tagwerk geht es abends wieder zurück. Der 25-jährige Dachdecker ist einer der ersten Franzosen, die mithilfe des neuen deutsch-französischen Servicebüros der Bundesagentur für Arbeit in Kehl eine Beschäftigung in Deutschland gefunden haben.

Was die Deutschen mit Frankreich verbinden
Was die Deutschen mit den Franzosen verbindenAm 22. Januar jährt sich der Elysee-Vertrag zum 50. Mal. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Botschaft am Montag in Paris das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Deutschen den französischen Nachbarn identifizieren. Quelle: dpa
Wir Deutschen erinnern uns gerne an die Dinge, die in der langen Beziehung mit Frankreich über den Rhein zu uns kamen: Vor allem an die französische Küche. Egal ob Käse, Austern (im Bild) oder Coq au Vin - La cuisine francaise zählt zu den Begriffen, die am häufigsten bei der Umfrage genannt wurden. Quelle: REUTERS
Die Baguette wurde bei 27 Prozent der Befragten am häufigsten genannt.
Auch an Wein denken die Deutschen besonders häufig, nämlich 32 Prozent der Befragten. Nicht verwunderlich: Weine aus Frankreich dominieren den Weltmarkt. Im Bild: Eine Degustation in Beaune, im Weingebiet Burgund. Quelle: REUTERS
Auch oft genannt: Der Eiffelturm, das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. 37 Prozent der Befragten dachten spontan als erstes an dieses Monument aus Stahl und Schrauben, das im 19. Jahrhundert gebaut wurde. La Tour Eiffel zählt zu den größten Touristenmagneten der Stadt. Quelle: Reuters
Auf dem ersten Platz: Die Hauptstadt Paris, die bei 56 Prozent der Befragten als erstes genannt wird. Das wirtschaftliche und politische Zentrum Frankreichs verbindet wie wenige Hauptstädte auf der Welt die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Landes. Der Arc de Triomphe und das Büroviertel La Défense (beides im Bild) sind ein gutes Beispiel dafür. Quelle: REUTERS

Offiziell vermittelt das Büro in beide Richtungen: Deutsche nach Frankreich, Franzosen nach Deutschland. In der Realität kommen die Jobangebote aus Baden, die Arbeitsuchenden aus dem Elsass. Dort liegt die Erwerbslosenquote inzwischen wie im französischen Mittel bei zehn Prozent. Von den unter 25-Jährigen sind sogar fast 18 Prozent ohne Job - obwohl rund 23 300 Elsässer zum Teil bereits seit Jahren nach Baden-Württemberg pendeln.

Zwei Mitarbeiter der Arbeitsagentur Kehl kümmern sich seit Ende Februar ausschließlich um Jobsuchende aus Frankreich. In Baden-Württemberg waren zuletzt vier Prozent ohne Arbeit, und zahlreiche Unternehmen klagen über Fachkräftemangel. Auch die Firma Rosendahl, Spezialist für Dachdeckerarbeiten und Fassadenverkleidungen aus Kehl, wo Jeremy Helmrich nach Ostern anfing - mit einem unbefristeten Vertrag.

Für ihn ist das etwas Besonderes, denn in Frankreich haben drei von vier Neuverträgen eine Dauer von weniger als einem Monat. "Ab einem gewissen Alter will man auch mal für die Zukunft planen", sagt Helmrich. Im September wird er heiraten. Allerdings ist die grenzüberschreitende Jobsuche mit mehr Hürden verbunden, als es die beiden Arbeitsminister Ursula von der Leyen und Michel Sapin glauben machen wollten, als sie Ende Februar gemeinsam ein blau-weiß-rot-schwarz-rot-gelbes Band durchtrennten. Dabei war es nicht einmal das entscheidende Problem, dass so mancher Anrufer anfangs in einem Servicezentrum im Osten Deutschlands landete, das nichts von der neuen Einrichtung in Kehl wusste. Auch die Sprachbarrieren sind einigermaßen niedrig, da viele Bewerber Elsässerdeutsch sprechen. "Die Ausbildung ist sehr unterschiedlich", weiß Prokuristin Barbara Rosendahl. "Wir haben schon mehrere Versuche unternommen. Bei einem älteren Bewerber mit Berufserfahrung ist es gut gegangen. Ein anderer kam frisch von der Schule, das hat überhaupt nicht funktioniert."

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