Attentat auf französisches Satire-Magazin Wir sind Charlie

Der Massenmord in der Redaktion von Charlie Hebdo ist eine Kriegserklärung an den freien Journalismus. Darauf muss es eine entschlossene Antwort geben. Sonst haben die islamistischen Mörder ihr Ziel erreicht.

Ermordete Karikaturisten von Charlie Hebdo Quelle: dpa/Montage

Jeder Mensch ab einem gewissen Alter weiß vermutlich noch genau, wo er am 11. September 2001 war. Ich war damals Praktikant bei der Deutschen Presseagentur und werde nie vergessen, wie geschockt wir alle auf den Bildschirm starrten, auf dem der Einschlag des zweiten Flugzeugs zu sehen war.  

Mittwoch war wieder so ein Tag. In der Pariser Redaktion des Satire-Magazins Charlie Hebdo wurden zwölf Kollegen erschossen. Die drei maskierten Mörder schrien laut vernehmbar „Allahu akbar“, nachdem sie ihre abscheuliche Tat verbrochen hatten. Man kann die Schüsse und diesen schrecklichen Ruf im Internet hören. Sehen kann man dabei nur die Außenwände des Redaktionsgebäudes. Diese kurze Sequenz, aufgenommen von entsetzten Menschen auf dem Dach des Nachbarhauses, hat mich tief erschüttert. Vor allem Journalisten werden diesen Tag nicht vergessen.

Die wichtigsten Fakten zu "Charlie Hebdo"

Der Anschlag von Paris unterscheidet sich qualitativ von den anderen großen islamistischen Anschlägen der vergangenen Jahre in Madrid und London. Natürlich waren diese Anschläge nicht weniger schrecklich. Dort wurden wahllos unbeteiligte Menschen ermordet. Doch die Opfer von Paris starben nicht zufällig. Sie waren in den Augen ihrer krankhaft gläubigen Mörder schuldig.

Der ermordete Chefredakteur Stéphane Charbonnier, der sich als satirischer Zeichner „charb“ nannte, lebte seit 2011 unter dauerhaftem Schutz eines Leibwächters. Dieser starb gemeinsam mit ihm und der gesamten Führungsriege des Magazins im Kugelhagel der drei Mörder.

Charbonnier hatte sich mehrfach mit seinen Zeichnungen lustig gemacht über den Islamismus. Er hatte sich nicht gescheut, den Propheten Mohamed zeichnerisch ins Lächerliche zu ziehen. Islamisten hatten ihn ob dieses Sakrilegs wiederholt mit dem Tod bedroht. Wie ernst die Drohungen zu nehmen waren, zeigten schon die Proteste anlässlich der Karikaturen in der dänischen Zeitung Jyllands Posten 2005. Damals war es zu tagelangen Ausschreitungen in islamischen Ländern gekommen, auch gegen diplomatische Botschaften Dänemarks. Der dänische Zeichner Kurt Westergaard entging nur knapp einem Mordanschlag. Der Charlie Hebdo war eine der ganz wenigen Medien, die seine Karikaturen nachdruckten. Die ermordeten Kollegen vom Charlie Hebdo wurden von anderen Publizisten und auch von Politikern oft kritisiert, weil sie mit ihren Karikaturen Öl ins Feuer gössen.

  • 1
  • 2
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%