WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Aufregung in Athen Ein Finanzminister als Datenfälscher?

Schwerer Vorwurf gegen Griechenlands Ex-Finanzminister Papakonstantinou: Änderte der Politiker die Daten einer Steuer-CD, um Verwandte zu schützen? Die Enthüllung löst in Athen einen politischen Sturm aus.

Der frühere griechische Finanzminister George Papakonstantinou: War er es, der die drei Namen von der Lagarde-Liste verschwinden ließ? Quelle: dpa

Da hat man im Athener Finanzministerium eine CD mit den Namen von rund 2.000 Griechen mit Bankkonten in der Schweiz – und dann ist die Datensammlung plötzlich verschwunden. Zwei Jahre später taucht sie unvermittelt wieder auf. Aber nun fehlen drei Namen auf der Liste. Der sozialistische Ex-Finanzminister Giorgos Papakonstantinou kommt in Erklärungsnot. Denn die offenbar in seiner Amtszeit gelöschten drei Datensätze betreffen Verwandte des früheren Ministers. Die Enthüllung löste in Athen einen politischen Sturm aus.

Die Geschichte beginnt im Oktober 2010. Damals ließ Christine Lagarde, seinerzeit französische Finanzministerin, ihrem griechischen Amtskollegen Giorgos Papakonstantinou eine Datensammlung mit den Namen von über 2.000 Griechinnen und Griechen zukommen, die Konten bei der Genfer Niederlassung der Großbank HSBC unterhielten. Die Franzosen hatten das Material im August 2009 einem früheren HSBC-Mitarbeiter abgekauft, der seither einen vergoldeten Vorruhestand in Südfrankreich genießen soll.

Die Maßnahmen des griechischen Sparpakets

Für die griechischen Steuerfahnder müssten die Daten eigentlich ein Geschenk gewesen sein. Fast 40 Milliarden Euro haben Griechen in der Schweiz gebunkert. Der Verdacht liegt nahe, dass nicht alle Gelder ehrlich verdient und ordentlich versteuert wurden. Aber die Merkwürdigkeiten beginnen schon ganz zu Anfang: Niemand im griechischen Finanzministerium protokolliert den Eingang der brisanten Daten.

Die CD verschwindet offenbar in der Schreibtischschublade des Ministers Papakonstantinou. Er habe die Daten auf seinem Computer gesichtet, sich die Namen der 20 Kontoinhaber mit den größten Guthaben notiert und den damaligen Chef der Steuerfahndung, Giannis Kapeleris, angewiesen, die Fälle zu überprüfen, sagte Papakonstantinou hernach. Tatsächlich habe man dann in einigen Fällen Unregelmäßigkeiten in den Steuererklärungen der Betroffenen festgestellt, so der Minister.

Dann verliert sich die Spur der Daten. Er habe den Datenträger einem Mitarbeiter des Ministeriums „zur Aufbewahrung“ gegeben, erklärt Papakonstantinou – wem, weiß er nicht mehr. Im Sommer 2011 scheint die Datensammlung kurz wieder aufgetaucht zu sein. Damals wurde Papakonstantinou als Finanzminister von Evangelos Venizelos abgelöst. Venizelos habe mit dem damaligen Chef der Steuerfahndung, Ioannis Diotis, beratschlagt, was man mit den Daten anstellen könne, heißt es. Diotis, ein ehemaliger Staatsanwalt, soll dem Minister erklärt haben, eine strafrechtliche Auswertung sei nicht möglich, da die Daten geklaut seien. Venizelos, selbst Jurist, sei zu der gleichen Meinung gekommen. Dann verschwindet der Datenträger offenbar wieder.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%