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Rechtspopulisten sind Europas größter Wettbewerbsnachteil. Quelle: REUTERS

Make Ibiza great again

Rechtspopulisten sind Europas größter Wettbewerbsnachteil. Denn nur als Einheit kann der alte Kontinent im Powerplay mit den USA und China bestehen.

Heinz-Christian Strache sagte schon im Herbst 2016 unglaubliche Dinge. Damals traf ich den FPÖ-Chef zusammen mit meinen Kollegen von der „Welt am Sonntag“ zum Interview. In seinem Wiener Büro hingen Porträts von Jörg Haider und Che Guevara. „Orbán steht für Freiheit, daran besteht für mich kein Zweifel“, war so eine Antwort, die völlig absurd wirkte, da Orbán zuvor verkündet hatte, Europa solle sich an Regimen wie dem von Putin orientieren. Auch Straches Überzeugung, dass die damalige AfD-Chefin Frauke Petry besser als Angela Merkel regieren würde, sprach nicht für sein Urteilsvermögen. Eine Bundeskanzlerin, die den vom Nationalsozialismus geprägten Begriff „Völkisch“ positiv besetzen will, war also in seinem Sinn? Antwort: „Nur weil irgendein Verbrecher Birkenstock-Schlapfen gehabt hat, lass ich mir ja auch nicht meine Birkenstock-Schlapfen nehmen.“

Doch wie wir heute wissen, war das nur ein Vorgeschmack auf das wirklich Unglaubliche, das noch kommen sollte. Dank der publik gemachten Videofalle von Ibiza weiß ganz Europa, wozu der inzwischen zurückgetretene Vizekanzler Strache fähig ist. Und das ist gut so, selbst wenn der Zweck nicht jedes Mittel heiligt.

Die Entlarvung eines Rechtspopulisten als Mensch, der Machtmissbrauch und Klientelpolitik offen ankündigt, öffnet vielen die Augen. Vielleicht schauen sie jetzt genauer hin – und entdecken auch, dass diese Politiker der größte Wettbewerbsnachteil Europas sind.

Ihr Wirtschaftsnationalismus führt am Ende zu den Vereinigten Egomanen von Europa, einem losen Staatenclub, der von den Supermächten USA und China überrollt wird. Straches Vorbilder in Ungarn und Italien kungeln etwa mit den Chinesen. Das wäre ungefähr so, als würde der Torhüter von Bayern München auch mit dem BVB trainieren.

Der US-Boykott von Iran und Huawei zeigt bereits anschaulich, wie sich Brüssel mit einer eigenständigen Haltung abmüht. Dabei ist die Idee einer selbstbewussten Marktwirtschaft mit 500 Millionen Konsumenten ein mächtiges Narrativ, das Europa neu aufladen kann. Vieles lässt sich subsidiär regeln, aber bei den großen Fragen setzt „verbünden statt verzetteln“ neue Kräfte frei – egal, ob in der Forschung zur künstlichen Intelligenz, der Beschaffung von Panzern oder dem Verhandeln von Marktzugängen rund um die Welt.

Strache und Co. stören da nur. Sie sollten öfter auf Ibiza Urlaub machen.

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