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Die EZB in Frankfurt Quelle: dpa

Wer ist die EZB? Und wenn ja, wie viele?

Die Kommunikationsstrategie der Europäischen Zentralbank zum Thema Inflation mutet mitunter konfus an. Dabei brauchen Firmen und Konsumenten jetzt Orientierung.

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Die Inflation ist ein komplexes Wesen. Sie kann einen schon mal überfordern. Selbst Expertinnen wie Isabel Schnabel stehen vor einem Rätsel. Nur wenige Monate ist es her, als die Direktorin der Europäischen Zentralbank (EZB) in einer Rede in Baden-Baden Medien wie die WirtschaftsWoche sowie Ökonomen attackierte. Mit ihren Warnungen vor einem Comeback der Inflation würden sie „die Ängste der Menschen bedienen, ohne die Ursachen der Preisentwicklung zu erklären“. Anders als die Warner behaupteten, gäbe es „nicht den geringsten Hinweis darauf, dass die aktuelle Geldpolitik zu permanent höherer Inflation oberhalb von zwei Prozent oder gar zu einer Hyperinflation führen wird“, belehrt Schnabel ihre Zuhörer.

Nicht den geringsten Hinweis? Kurze Zeit später erlebt die Öffentlichkeit einen wundersamen Gesinnungsslalom der Ökonomin. Während EZB-Chefin Christine Lagarde und ihr Chefökonom Philip Lane bis heute weder eine anhaltende Inflationsgefahr noch den Bedarf für eine baldige Zinserhöhung sehen, ändern die Äußerungen von Schnabel gerne mal die Richtung. Am 17. November empfiehlt sie plötzlich, „ein waches Auge“ auf die Teuerung zu haben. Die werde zwar zurückgehen, aber es sei unsicher wie schnell und in welchem Umfang, räumt sie überraschend ein. Am 29. November sieht alles wieder anders aus. Man könne „eigentlich keine Hinweise darauf sehen, dass die Inflation außer Kontrolle gerät“. Die Lieferengpässe würden sich allmählich wieder auflösen, und auch die Energiepreise würden nicht mit dem gleichen Tempo wie bisher weiter steigen.
(Lesen Sie hier, warum das Risiko einer Lohn-Preis-Spirale in Deutschland steigt.)

Diese Woche klingt es nun so: Die Wende zu grünen Energiequellen beinhalte das Risiko einer mittelfristig höheren Inflation, sagt Schnabel in einer Rede. Wenn Energie nachhaltig teurer werde, könne dies die EZB zu einer Abkehr von ihrer bisherigen Geldpolitik veranlassen. Der Markt staunt nicht schlecht. Ist denn die politisch gewollte CO2-Bepreisung erst jetzt im EZB-Turm angekommen?



Im Gegensatz zu den Kollegen bei der US-Notenbank Fed vergessen die Frankfurter offenbar, dass Erwartungsmanagement zur obersten Verantwortung der Notenbanker gehört. Eine konfuse Multikanalkommunikation wirkt toxisch. Konsumenten und Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Die Zukunft der Zinsen beeinflusst ihr Investitionsverhalten. Die EZB sollte sich entscheiden, wer sie ist – und nicht wie viele.

Mehr zum Thema: Die US-Notenbank will den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik beschleunigen und kündigt höhere Leitzinsen an. Für die EZB wird die Lage jetzt ungemütlich.

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