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Quelle: dpa

Zombies haben endlich eine Ausrede

Das Coronavirus trifft schlecht geführte Firmen ohne Reserven am härtesten. Die Billiggeld-Politik der EZB rächt sich jetzt brutal – und das gleich zweimal.

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Wenn es brennt, schauen alle auf die Feuerwehr. Nur dumm, wenn die auf fast leeren Wassertanks sitzt. Im Gegensatz zu den amerikanischen und britischen Kollegen besitzt die Europäische Zentralbank (EZB) kaum noch wirksame Mittel gegen die drohende Coronarezession. Sie schraubt noch symbolpolitisch an der einen oder anderen Stelle, aber die Ohnmacht greift um sich. Die Politik des billigen Geldes, die die Notenbanker seit Jahren betreiben, rächt sich nun – noch aus einem zweiten Grund.

Die aktive und gesunde Mehrheit der Bevölkerung muss wohl nicht um ihr Leben fürchten, aber mitunter um ihre Jobs. Denn die Logik, wonach sich das Virus seine Opfer oft unter den Gebrechlichen sucht, gilt auch in der Wirtschaft. Das Heer der Schwachen ist in den vergangenen Jahren nicht kleiner geworden, im Gegenteil. Womit wir wieder bei der EZB-Politik wären.

Um die Verwerfungen der Finanzkrise in den Griff zu kriegen, pumpen die Notenbanker ohne Ende Liquidität in die Volkswirtschaften. Was anfänglich alternativlos war, verselbstständigt sich inzwischen zu einer Subventionsmaschinerie für verschuldete Staaten – und für Zombiefirmen ohne Geschäftsmodell. Günstige Kredite halten die Schwerkranken künstlich am Leben, darunter auch Zulieferer in Krisenbranchen. Das Bankhaus Metzler bezeichnet mehr als zwölf Prozent aller börsennotierten Unternehmen als Zombiefirmen. Ihre Existenz verhindert die „kreative Zerstörung“ im Sinne des Kultökonomen Joseph Schumpeter. Die Ressourcen fehlen anderswo für Innovationen.

An den Zusammenhang zwischen Zinstief und untoten Firmen glauben allerdings nicht alle. Während die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in einer Studie klare Indizien fand, dementieren ihn wenig überraschend die EZB-Ökonomen. Die Kredite würden ja von Banken vergeben, und die hätten kein Interesse an schlechten Schuldnern, heißt es dort. Den ruinösen Wettbewerb im Firmenkundengeschäft haben sie dabei vergessen.

Unbestritten dürfte sein, dass das Coronavirus im Sinne Schumpeters wüten wird. Es wirkt wie eine drastische Zinserhöhung. Wer sich als Unternehmer zukunftsfähig aufgestellt hat, bleibt noch relativ gelassen. Der Rest kann nicht mehr auf die Feuerwehr hoffen. Und um selbst zu löschen, fehlen die Reserven. Immerhin besitzen die Zombies jetzt eine gute Ausrede: „Wegen Corona geschlossen“ klingt besser als Missmanagement.

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