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Banken-Stresstest Kein Grund zum Feiern

Die Banken in Europa sind besser auf Krisen vorbereitet als noch vor einigen Jahren. Trotzdem sollte man die Ergebnisse des Stresstests nicht auf die leichte Schulter nehmen. Quelle: dpa

Mit Ausnahme der NordLB schneiden die deutschen Banken beim Stresstest besser ab als noch vor zwei Jahren. Ausruhen sollten sie sich darauf nicht.

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Zugegeben, Europas Banken sind laut den Ergebnissen des aktuellen Stresstests besser für einen Konjunkturabschwung gerüstet als noch vor zwei Jahren. Grundsätzlich sind die Kapitalpuffer auch im Fall einer Rezession ausreichend. Trotzdem sind die Ergebnisse, die die Europäische Bankenaufsicht EBA am Freitagabend veröffentlichte, noch lange kein Grund zum Aufatmen. Das gilt vor allem für die deutschen Banken, sie trifft ein Abschwung besonders hart.
Das liegt laut Mario Quagliariello, Statistikdirektor bei der EBA, schlicht an deren niedriger Profitabilität. Die Banken verdienen angesichts niedriger Zinsen, hohem Wettbewerb und unklarem Geschäftsmodell schlicht zu wenig Geld mit ihrem Geschäft. Umso ernster nehmen sollten die deutschen Banken die Kapitalquoten, die die EBA unter Stress ermittelt haben.

Allen voran die Deutsche Bank. Sie kommt im schlimmsten Szenario, bei dem die EBA annimmt, dass die Wirtschaft in Europa 2018 und 2019 um 1,2 beziehungsweise 2,2 Prozent schrumpft und erst 2020 wieder leicht um 0,7 Prozent wächst auf eine Kernkapitalquote von nur noch 8,14 Prozent.

Das sind nur etwas mehr als die 7,8 Prozent, die die größte deutsche Bank im Test vor zwei Jahren erreichte. Viel Puffer konnte sie also nicht aufbauen. Zudem trifft ein Abschwung die Bank stärker als andere Großbanken in Europa.

„Unser Risikoprofil ist absolut solide, aber wir sind noch nicht profitabel genug“, kommentiert Finanzvorstand James von Moltke das Ergebnis. An letzterem würde die Bank nun arbeiten. Zusätzlich erklärt die Deutsche Bank ihr mäßiges Abschneiden mit Sonderfaktoren. So seien in den Ergebnissen Verluste für eine bereits geschlossenen Abwicklungseinheit unterstellt worden. Auch der einmalige Verlust für den Verkauf des Polen-Geschäfts wurde fortgeschrieben.
Etwas besser schneidet die Commerzbank ab. Sie kommt im negativen Szenario auf eine Kernkapitalquote von 9,9 Prozent, beim vergangenen Test waren es nur 7,4 Prozent gewesen. Die Bank profitiert unter anderem vom Abbau ihres Schiffsportfolios. „Wir haben unser Ergebnis trotz eines nochmals verschärften Krisenszenarios deutlich verbessert“, sagt Risikovorstand Marcus Chromik. Das sei ein weiterer Beleg für das gesunde Risikoprofil und die hohe Stressresistenz der Bank.


Viele Banken ähnlich wie die Commerzbank versuchten, ihre Ergebnisse angesichts der strengeren Vorgaben der EBA gut aussehen zu lassen. Damit musste sich die Nord/LB erwartungsgemäß nicht aufhalten. Wie erwartet schnitt sie von allen getesteten deutschen Banken (Deutsche Bank, Commerzbank, Helaba, DZ Bank, BayernLB, Nord/LB, NRW Bank, LBBW) am schlechtesten ab. Im Fall eines Konjunktureinbruchs käme sie nur noch auf eine Kernkapitalquote von knapp über sieben Prozent.
Das Ergebnis „bewegt sich damit im Rahmen der Erwartungen und brachte keine Überraschungen“, kommentiert Nord/LB-Chef Thomas Bürkle. Die Bank sieht ihr Ergebnis als Bestätigung für ihren Plan, das Kapital in Kürze zu stärken. Die Bank ist auf der Suche nach Investoren, das Bieterverfahren ist bereits gestartet und läuft „planmäßig und vielversprechend“, teilte die Bank mit.

Vorerst haben die deutschen Banken den Stresstest überstanden. Auf die leichte Schulter nehmen sollten sie die Ergebnisse aber nicht. Ein harter Brexit mit no-deal Szenario, Trump und seine Handelspolitik und die aufziehenden Wolken am Konjunkturhimmel – die Zeichen dafür, dass das von der EBA simulierte Szenario tatsächlich Wirklichkeit werden könnte, werden eher mehr als weniger.

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