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Bankenunion Neue Angst vor Zombie-Banken

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Lieber zu dick als zu dünn

Dabei setzt die EZB ganz bewusst darauf, dass die Banken aus Angst vor einer gefährlichen Blamage ihre Kapitalpolster im Zweifel lieber zu dick als zu dünn wählen und sich schneller von riskanten Krediten und Anlagen trennen. Nach Zahlen der EZB sollen europäische Banken zwischen Juli 2013 und Juni 2014 ihre Kapitaldecken um insgesamt 97 Milliarden Euro verstärkt haben. Aufgestockt in Deutschland haben neben der vergleichsweise kleinen MünchenerHyp auch der Branchenprimus Deutsche Bank sowie die beiden Zentralinstitute der Volksbanken und Raiffeisenbanken, die DZ Bank und die WGZ Bank.

Doch was passiert, wenn Finanzhäuser, die durchfallen, sich am Markt kein neues Kapital besorgen können? Es sei eine Illusion, zu glauben, dass sich Banken Eigenkapital am Markt besorgen könnten, wenn sie gerade durch den Stresstest gefallen sind, sagte die neue Wirtschaftsweise Isabel Schnabel. „Noch gibt es keine Lösung, wie Banken rekapitalisiert werden können, wenn sie nicht aus eigener Kraft an neues Kapital kommen können.“

Öffentliche Geldspritzen unterliegen strengen Auflagen, der sogenannten EU-Beihilferichtlinie. Die sehen etwa vor, dass es einen Bail-in von nachrangigen Anleihen gibt, wenn Beihilfe aus der Staatskasse fließt, um eine kapitalklamme Bank am Leben zu halten. Italien und Frankreich haben allerdings in Brüssel hinter den Kulissen versucht, die Regeln aufzuweichen. EZB-Präsident Draghi hat vergangene Woche betont, die Beihilferichtlinie müsse strikt beachtet werden. „Die lässt allerdings ein Hintertürchen“, kritisiert der grüne Europaabgeordnete Sven Giegold. Wenn die Finanzstabilität gefährdet sein sollte, kann auf einen Bail-in verzichtet werden. „Das verleiht der Politik bedauerlicherweise Spielraum für neue Bankensubventionen.“

Europa



Geldspritze für die Banken

Doch bevor es dazu kommt, versucht Draghi selbst, den europäischen Bankensektor und damit Euro-Land mit allen Mitteln der Geldpolitik vor einer neuen Bankenkrise zu retten. Anfang Juli kündigte die EZB ein bis zu vierjähriges Kreditprogramm in Höhe von insgesamt einer Billion Euro für Europas Banken an. Ab September können diese sehr günstig Refinanzierungsgeschäfte – der Zinssatz liegt bei 0,25 Prozent – von der Notenbank erhalten, um sie in Form von Krediten an Unternehmen und private Haushalte weiterzugeben. Die neue Geldspritze, die ausgerechnet im September, nur einen Monat vor der Bekanntgabe der Ergebnisse von Bilanzcheck und Stresstest startet, soll eigentlich die Kreditvergabe und damit die Wirtschaft im Euro-Raum ankurbeln.

Auf diese Weise könnten sich aber auch angeschlagene Banken weiterhin über Wasser halten. „Die Euro-Zone läuft Gefahr, Zombie-Banken zu züchten, welche die Volkswirtschaften der Krisenländer im Erholungsprozess lähmen“, warnen die Ökonomen vom Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Die nächste Krise droht dann spätestens in vier Jahren. Dann müssen die Banken das von der Zentralbank geliehene Geld zurückzahlen.

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