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Bankenunion Neue Angst vor Zombie-Banken

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Überstehen die Banken den Stresstest?

Da passt es wie die Faust aufs Auge, dass inmitten von Bilanzcheck und Stresstest nicht nur in Portugal neue Bankenrisiken auftauchen. Nach dem jüngsten Bankenmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) leiden vor allem die Geldhäuser in Zypern und Griechenland unter problembeladenen Krediten, danach folgen Italien und Spanien. In Österreich schockte die Erste Group, das älteste Kreditinstitut des Landes, Anfang Juli die Märkte mit 2,4 Milliarden Euro Abschreibungen für 2014. Grund sind faule Kredite in Ungarn und überhöht angesetzte Firmenwerte der rumänischen Tochter des börsennotierten Instituts. Finanzkreise rechnen damit, dass europaweit 30 von 128 getesteten europäischen Banken die Hürde im Stresstest reißen könnten. Konkret heißt das: Im Krisenszenario würde ihr hartes Eigenkapital auf unter 5,5 Prozent sinken oder bei neutraler Betrachtung weniger als acht Prozent betragen.

Die drei Säulen der Bankenunion

Geht es nach Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und der Chefin der Bundesfinanzaufsicht (BaFin), Elke König, dann werden deutsche Banken den Stresstest problemlos überstehen. Doch ist das wirklich so? Zweifel sind angebracht.

„Die Glaubwürdigkeit der Übung wäre in Gefahr, wenn nicht ein paar deutsche Banken aus der zweiten Reihe unter den Problemfällen wären“, sagt ein unabhängiger Berater in Brüssel, der sich mehr als 20 Jahre lang beim Internationalen Währungsfonds (IWF) mit Finanzmärkten befasst hat. In Brüssel wird befürchtet, eine Bank wie die Commerzbank könnte großzügiger behandelt werden, weil die EZB die deutsche Regierung als Anteilseigner nicht verärgern will. Ohnehin besteht die Gefahr, dass Regierungen ihre Banken weiterhin als nationale Champions betrachten. „Ich habe meine Zweifel, ob sie ihre Einstellung ändern“, sagt Karel Lannoo vom Brüsseler Thinktank Bruegel.

Wackelkandidaten, die durch den Stresstest fallen könnten, gibt es auch hierzulande, vor allem unter den Landesbanken. Besonders gefährdet ist die skandalumwitterte HSH Nordbank. Die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein ist traditionell weltweit die Nummer eins im kriselnden Schiffsgeschäft und ohnehin angeschlagen wegen Fehlinvestments vor der Finanzkrise. Dass das Institut überhaupt noch existiert, verdankt es den Steuerzahlern der beiden Bundesländer. Die unterstützten das Institut mit einer Ausfallgarantie, die Mitte 2013 von sieben auf zehn Milliarden Euro erhöht werden musste. Der Schutz durch die Steuerzahler soll der Landesbank jetzt auch durch den Stresstest helfen, sorgt er doch für einen zusätzlichen Puffer von 2,8 Prozent auf das harte Kernkapital von zehn Prozent. Die Bank ist daher zuversichtlich, den Stresstest zu bestehen.

Hoffen auf Hilfe

Doch noch ist offen, ob die EZB die Garantie der Steuerzahler überhaupt akzeptiert. Ist dies nicht der Fall, wird es eng. Dann könnte die Kapitalquote im Stresstest unter die verlangte Quote sinken – die Bank müsste dann entweder abgewickelt werden oder erneut darauf vertrauen, dass ihr erstens die Steuerzahler zu Hilfe eilen und das Kapital aufstocken und zweitens die EU-Kommission diese Rettung akzeptiert. Letzteres ist zweifelhaft, denn in Brüssel steht die HSH Nordbank wegen der bereits zuvor üppig in Anspruch genommenen Staatshilfen unter verschärfter Beobachtung. Um nicht das gleiche Schicksal zu erleiden wie die NRW-Landesbank WestLB, die auf Geheiß der EU-Kommission abgewickelt werden musste, könnte sich die Kieler Skandalbank nur noch in eine Fusion mit der niedersächsischen Nord/LB retten. Doch auch die sitzt auf großen Schiffsportfolios.

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