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Barry Eichengreen "Das Ankaufprogramm der EZB muss bleiben"

Gut 200 Wissenschaftler verteidigen in einem offenen Brief die umstrittene Politik der Europäischen Zentralbank. Auch der renommierte US-Ökonom Barry Eichengreen. Warum tun Sie das, Herr Eichengreen?

Barry Eichengreen gehört zu den Unterzeichnern des neuen Ökonomen-Aufrufs. Der 61-Jährige ist ein international bekannter und angesehener US-Ökonom. Er lehrt an der

Die Resonanz ist beachtlich. Nahezu stündlich erreichten Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, in den vergangenen Tagen und Wochen eMails von Ökonomen aus aller Welt. Sie antworteten auf den Aufruf von Fratzscher und vier Kollegen – Beatrice Weder di Mauro (ehemaliges Mitglied des Sachverständigenrats), Francesco Giavazzi (Ökonom an der Mailänder „Bocconi University“), Richard Portes (Professor an der „London Business School“) und Charles Wyplosz (Professor für Internationale Volkswirtschaft am Graduate Institute in Genf) –, die EZB zu unterstützen. In der Mail der Initiatoren wird das OMT-Programm der Europäischen Zentralbank verteidigt – also das Vorhaben, Staatsanleihen von Euro-Krisenstaaten zu kaufen, die keinen Zugang mehr zu Krediten haben.

Doch es waren nicht nur positive Antworten, die Fratzscher erhielt. Zahlreiche Ökonomen äußerten dem DIW-Chef und seinen Kollegen ihren Unmut über die Aktion – und erläuterten, warum sie den Appell nicht unterzeichnen werden. Einige der Nachrichten liegen WirtschaftsWoche Online vor (wir werden berichten). Zusätzlich werden wir am Mittwochmittag um 12 Uhr im Live-Interview mit Marcel Fratzscher über den neuen Ökonomen-Aufruf sprechen. Details und Erklärungen, wie Sie Fragen stellen können, finden Sie hier.

Berühmte Unterzeichner des Pro-EZB-Aufrufs
Peter Bofinger ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg und seit März 2004 Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, auch die fünf Wirtschaftsweisen genannt. Er kritisierte schon früh die Sparpolitik in der Euro-Krise. „Ohne einen grundlegenden Strategiewechsel wird der Euro die nächsten Jahre weder ökonomisch noch politisch überleben", sagte Bofinger. Das EZB-Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen unterstützt er. Quelle: REUTERS
Michael Hüther, Honorarprofessor an der European Business School in Oestrich-Winkel, ist seit Juli 2004 Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft Koeln (IW). Er kritische den Ökonomen-Appell von Walter Krämer - der sich gegen die Vergemeinschaftung von Schulden in Europa aussprach - vom vergangenen Jahr scharf. Diese Aktion habe „mit ökonomischer Argumentation nichts zu tun“, sagte Hüther damals. Der neue Ökonomen-Aufruf ist da schon mehr nach seinem Geschmack. Quelle: dapd
Barry Eichengreen, 61, lehrt Ökonomie und politische Wissenschaften an der University of California in Berkeley. In den Neunziger Jahren beriet er den Internationalen Währungsfonds. Er warnte schon früh vor den Kosten einer Währungsunion. Die Inhalte des Ökonomen-Appels unterstütze er "zu 100 Prozent", erklärte er im Gespräch mit WirtschaftsWoche Online. Quelle: Presse
Bert Rürup, 68, leitet seit Januar 2013 leitet Bert Rürup als Präsident das Handelsblatt Research Institute, ein unabhängiges wissenschaftliches Kompetenz- und Researchcenter der Verlagsgruppe Handelsblatt. Im Jahr 2000 wurde er in den Kreis der fünf Wirtschaftsweisen berufen, dem er von 2005 bis 2009 vorstand. Quelle: dpa
Der renommierte US-Ökonom Jeffrey Frankel ist Professor an Harvards Kennedy School of Government und war Mitglied von US-Präsident Bill Clintons Council of Economic Advisers (Rat der Wirtschaftsberater), kurz CEA. Quelle: hks.harvard.edu
Kenneth Joseph Arrow, 91, ist emeritierter Professor an der Stanford University. Zusammen mit John Richard Hicks erhielt er 1972 den Preis für Wirtschaftswissenschaften der schwedischen Reichsbank im Gedenken an Alfred Nobel, der in der Regel als Wirtschaftsnobelpreis bezeichnet wird. Auch er hat den Ökonomen-Appell unterzeichnet. Quelle: Creative Commons-Lizenz
Ökonom Marcel Fratzscher, Professor für Makroökonomie an der Humboldt-Universität zu Berlin, ist seit dem 01. Februar 2013 Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Er hat mit vier weiteren Kollegen den Aufruf initiiert. Quelle: dpa

Schon vor der Veröffentlichung sickerte durch: Gut 200 Ökonomen unterstützen den offenen Brief, der am Mittwochvormittag publiziert wird. Dann werden auch alle Unterzeichner bekannt (hier die vollständige Liste). Einer von ihnen ist – wie WirtschaftsWoche Online weiß – Barry Eichengreen. Der international bekannte und angesehene US-Ökonom lehrt Ökonomie und politische Wissenschaften an der University of California in Berkeley. In den Neunziger Jahren beriet er den Internationalen Währungsfonds. Er warnte schon früh vor den Kosten einer Währungsunion – und wirbt um mehr Vertiefung in Europa. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar dieses Jahres erklärte er uns gegenüber bereits, dass Deutschland mehr Verantwortung in der Euro-Zone und auch mehr Kosten übernehmen müsse. "Ohne das Geld der Deutschen geht es nicht", sagte Eichengreen.

Die Rolle der EZB nach dem Maastricht-Vertrag

Im Exklusiv-Interview erklärt der 61-Jährige, warum er den Ökonomen-Aufruf unterzeichnete, warum die Sparauflagen für die Krisenländer eine „katastrophale Fehlentscheidung“ sind – und ob der Euro wirklich irreversibel ist.

Herr Eichengreen, warum haben Sie den Ökonomen-Aufruf unterzeichnet?

Barry Eichengreen: Deutschland hat einen großen Einfluss in der Euro-Zone. Es ist wichtig, wie die Bundesregierung die Arbeit der Europäischen Zentralbank beurteilt, wie das Bundesverfassungsgericht das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen bewertet – und vor allem auch: wie die Bevölkerung die Diskussion wahrnimmt. Die Bürger müssen wissen, worum es geht und was die EZB zu dem OMT-Programm bewegt hat. Der Aufruf wird hoffentlich dazu beitragen, die Diskussion in Deutschland über die Aktivitäten der Europäischen Zentralbank zu versachlichen.

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